Coronavirus in Deutschland: Wer ist Patient Null in NRW?

Coronavirus

In Baden-Württemberg und NRW gibt es neue Infizierungen mit dem Coronavirus. Patient Null in Baden-Württemberg ist ein Italien-Urlauber. In NRW suchen die Behörden weiter nach Patient Null.

Stuttgart

27.02.2020, 09:36 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der erste nachgewiesene Coronavirus-Patient in Baden-Württemberg hat sich auf einer Italien-Reise angesteckt.

Der erste nachgewiesene Coronavirus-Patient in Baden-Württemberg hat sich auf einer Italien-Reise angesteckt. © picture alliance/dpa

Nach den fünf bestätigten Coronavirus-Fällen in Nordrhein-Westfalen suchen die Behörden mit größeren Aktionen nach möglichen weiteren Infizierten. In Gangelt im Kreis Heinsberg sind die rund 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden.

Alle Besucher und ihre Familien müssten für 14 Tage in häusliche Quarantäne gehen, teilte das NRW-Gesundheitsministerium in der Nacht zum Donnerstag mit. In Mönchengladbach läuft am Krankenhaus Maria Hilf die Suche nach Menschen, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt hatten.

Alle bislang bekannten Infizierten hatten nach Erkenntnissen der Behörden Kontakt mit einem Ehepaar aus Gangelt, das im Moment an der Uniklinik Düsseldorf behandelt wird. Es sei nun entscheidend, alle Kontaktpersonen der Infizierten ausfindig zu machen, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Donnerstagmorgen.

Suche nach Virus-Ursprung in NRW dauert an

Im Laufe des Tages erwarten die Behörden zahlreiche weitere Testergebnisse von Kontaktpersonen, die sich möglicherweise bei dem Ehepaar angesteckt haben könnten. Dazu zählen etwa die Kinder des Paares, die rund 65 Kinder einer Kita und Dutzende Teilnehmer der Karnevalsveranstaltung. Je nach Ergebnis dieser Tests würden die Behörden entscheiden, ob für weitere Personenkreise häusliche Quarantäne angeordnet wird.

Nach der bestätigten Infektion mit dem Corona-Virus bei einem 41 Jahre alten Soldaten in Rheinland-Pfalz geht auch in seinem Umfeld die Suche nach möglichen Kontaktpersonen weiter. Bereits seit Mittwoch werde eine Liste mit Kontakten des Mannes erstellt, die privat oder dienstlich mit ihm zu tun hatten, sagte ein Sprecher der Bundeswehr am Donnerstagmorgen.

Der Soldat der Flugbereitschaft am Militärflughafen Köln-Wahn wohnt laut Angaben eines Sprechers des Kreises Heinsberg in Gangelt. Dort war bei einem 47-jährigen Mann das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden.

Bundeswehr-Soldat hatte persönlich Kontakt zu infiziertem Ehepaar

Der Soldat hatte Kontakt zu dem schwer Erkrankten oder dessen Frau aus Gangelt beim dortigen Karneval. Er gehört wohl zum persönlichen Bekanntenkreis des Ehepaars. Am Mittwoch hatten Experten bei ihm das Coronavirus festgestellt. Der 41-Jährige wurde daraufhin im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt.

Mit den Maßnahmen wollen die Behörden erreichen, dass sich das neue Coronavirus nicht weiter ausbreitet. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte allerdings am Mittwoch bereits klargemacht: „Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gestoppt kriegen.“

Baden-Württemberg: Patient Null infizierte sich in Italien

Anders sieht die Lage in Baden-Württemberg aus. Dort ist Patient Null bereits identifiziert. Nach dem Bekanntwerden von vier Coronavirus-Infektionen behalten die Gesundheitsbehörden im Südwesten die Patienten genau im Blick - und deren Kontaktpersonen, also Familie, Freunde und Kollegen. Am Mittwochabend hatte das Gesundheitsministerium den vierten Fall im Südwesten mitgeteilt - ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Rottweil habe sich infiziert.

Der Mann habe sich nach seiner Rückkehr aus dem italienischen Codogno wegen der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet, hieß es vom Ministerium. Er werde nun in einem Krankenhaus betreut und isoliert von anderen Patienten behandelt.

Seine Ehefrau, die mit ihm gereist war, und sein Kind sind laut Ministerium negativ getestet worden. Sie blieben in „häuslicher Absonderung“. Sobald eine der Kontaktpersonen Symptome entwickelt, wird sie den Angaben zufolge ebenfalls in einem Krankenhaus isoliert.

Universitätsklinikum Tübingen teilt zwei weitere Fälle mit

Bei dem sogenannten Patienten Null - dem ersten bekanntgewordenen nachgewiesenen Fall - handelt es sich um einen 25-Jährigen aus dem Landkreis Göppingen. Seine Infektion war am Dienstagabend bekannt geworden. Der Mann hatte sich vermutlich bei einem Italien-Urlaub vergangene Woche infiziert.

Am Mittwoch teilte das Universitätsklinikum Tübingen dann zwei weitere Fälle im Südwesten mit: die 24 Jahre alte Reisebegleitung des 25-Jährigen aus dem Italien-Urlaub und deren Vater, ein Oberarzt in der Pathologie am Tübinger Universitätsklinikum. Beide stehen auf der Liste der Kontakte des 25-Jährigen aus den vergangenen Tagen. Noch am selben Tag wurde dann der vierte Fall bekannt. Den beiden Tübinger Patienten und dem Mann in Göppingen ging es am Mittwoch laut den Behörden gut.

Baden-Württemberg: Verbreitungswege sind bekannt

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) bemühte sich vor Bekanntwerden der neuen Fälle darum, Ruhe zu verbreiten. „Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns“, sagte er. Die Krankenhäuser seien vorbereitet, es sei aber noch alles unter Kontrolle, der Weg des Erregers im Südwesten könne nachgezeichnet werden. Auch die Tübinger Mediziner gaben sich überzeugt, den Erreger isoliert und die Ansteckungsgefahr in den Griff bekommen zu haben.

Bislang sind laut Ministerium 13 Kontakte des erkrankten 25-Jährigen aus dem Kreis Göppingen bekannt und informiert, darunter die junge Frau aus Tübingen und eine italienische Freundin des Paares. Problematisch könnte noch ein Kinobesuch des Mannes mit einem Bekannten im bayrischen Neu-Ulm sein. Laut Landratsamt saßen am Samstagabend insgesamt 138 Menschen im Saal.

RND/dpa