Coronavirus – warum ist die Sterblichkeit in Italien so hoch?

Lungenkrankheit

In Italien ist die Sterblichkeit durch das Coronavirus deutlich höher als in anderen Ländern. Experten führen dies auch darauf zurück, dass die Zahl der Infektionen höher liegt als bekannt.

Hannover

12.03.2020, 09:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die tatsächliche Zahl der am Coronavirus Infizierten in Italien ist vermutlich deutlich höher als bisher angenommen.

Die tatsächliche Zahl der am Coronavirus Infizierten in Italien ist vermutlich deutlich höher als bisher angenommen. © picture alliance/dpa

Die Zahl ist erschreckend – und sie sichert Italien den Spitzenplatz in einer düsteren Statistik: Bei 6,6 Prozent liegt die Sterblichkeit bei Infektionen mit dem neuen Coronavirus in Italien. Das ist sogar mehr als in der chinesischen Provinz Hubei, dem Epizentrum der Pandemie, wo 4,5 Prozent aller bestätigten Infektionen tödlich endeten.

Und es ist erst recht deutlich mehr als in Deutschland, wo diese sogenannte Fallsterblichkeit bislang glücklicherweise bei lediglich knapp 0,2 Prozent liegt (Stand 11.3., nachmittags). Doch wie kann das sein, dass in einem Land, in Deutschland, die Sterblichkeit etwa so hoch liegt wie bei einer normalen Influenzawelle – und in Italien dieser Anteil rund 30-mal höher ist?

Zahlen mit gewisser Vorsicht zu betrachten

Tatsächlich sind alle diese Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Sie sagen nicht nur etwas über die Gefährlichkeit des Virus‘ aus, sondern auch über den Testeifer des jeweiligen Landes. Je mehr getestet wird und je mehr Infektionen früh bestätigt werden, desto niedriger liegt in der Regel auch die Sterblichkeitsrate in dem jeweiligen Land. Deutschland wiederum hat – auch wenn es im Alltag derzeit anders aussehen mag – zusammen mit Südkorea die höchsten Testkapazitäten weltweit.

„Wir sind in der Diagnostik viel breiter aufgestellt als etwa Italien“, erklärt der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin. Da das Virus wiederum bislang nur sehr wenig mutiert und in Italien keine gefährlichere Variante des Virus festgestellt ist, spricht viel dafür, dass es dort schon sehr viel länger grassiert – und die reale Zahl der Infizierten sehr viel höher ist als bislang bekannt.

Sterblichkeit unter dem 60. Lebensjahr sehr gering

Doch das ist nicht der einzige Grund. So verweist der Infektiologe Professor Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover auf die Altersstruktur der bislang bekannt gewordenen Fälle. Die Sterblichkeit ist bei Sars-CoV-2-Infektionen unter dem 60. Lebensjahr sehr gering, steigt dann aber mit jedem Lebensjahrzehnt deutlich an. Dies habe sich auch durch die Fallberichte aus norditalienischen Kliniken in den vergangenen zwei Wochen bestätigt, erklärt Stoll: „Wie zu erwarten, prägen vorwiegend Ältere das Bild bei den italienischen Covid-19-Fällen, die stationär behandelt werden müssen.“

Der Mediziner nimmt an, dass das Durchschnittsalter auch der ambulant behandelten Patienten in Italien höher ist als das der Infizierten in Deutschland, bei denen es sich meist um Reiserückkehrer handelt. „Skiurlauber sind seltener hochbetagte Menschen“, sagt Stoll – das könne den momentanen Unterschied in der Sterblichkeit erklären.

Zahl der Intensivbetten in Norditalien reicht nicht aus

Einen weiteren wichtigen Unterschied sieht Stoll allerdings in der medizinischen Versorgung der Infizierten: So reiche in Norditalien die Zahl der Intensivbetten in den Kliniken für die rasant gestiegenen Infiziertenzahlen nicht aus: „Die Patienten versterben dort, während sie auf einen freien Beatmungsplatz warten“, erklärt der Infektiologe.

„Die Ärzte stehen täglich vor der schweren Entscheidung, diese lebensrettende Therapie unter der hohen Zahl derer, die sie benötigen, möglichst zielgerichtet denen zukommen zu lassen, die davon voraussichtlich am stärksten profitieren und die sie am kürzesten benötigen.“ Genau dies, sagt Stoll, sei der entscheidende Grund dafür, jetzt in Deutschland vieles dafür zu tun, dass es hierzulande gar nicht erst zu dieser italienischen Situation kommt.

RND

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt