Coronavirus: Altenheim mobilisiert nach Todesfällen 100 Helfer zum Schutzkittel-Nähen

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Zwei Bewohner sind infiziert, zwei gestorben: Nach mehreren Coronavirus-Fällen hat das betroffene Pflegeheim aus Fröndenberg einen Hilferuf gestartet. Mit Erfolg: Binnen Stunden meldeten sich fast 100 Freiwillige, die Schutzkittel nähen.

Fröndenberg

, 30.03.2020, 00:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Coronavirus-Fälle im Schmallenbach-Haus in Fröndenberg, darunter zwei mit tragischem Ausgang, haben eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. „Hallo, Ihr Lieben, aufgrund der aktuellen Lage brauchen wir Schutzkittel“, heißt es in einem Aufruf, der am Sonntagmittag veröffentlicht wurde. Nur wenige Stunden später gab die Pflegeeinrichtung am späten Sonntagabend bekannt: „Es ist vollbracht! Ab jetzt sind für uns fast 100 Näherinnen und Näher im Einsatz.“

Zwei Todesfälle innerhalb weniger Tage mit einem Covid-19-Hintergrund sowie zwei weitere bestätigte Infektionen hatten das Pflegeheim und die Gesundheitsbehörden alarmiert. Erst starb am vorigen Mittwoch ein Mann (84), dann am Freitag eine Frau (87) – beide waren ins Mendener St.-Vincenz-Krankenhaus eingeliefert worden. Bei beiden wurde das Sars-CoV-2-Virus nachgewiesen.

Mehrere Bewohner des sogenannten Hauses 1 wurden am Samstag ärztlich gesichtet. Nachdem das Kreisgesundheitsamt den zweiten Todesfall am Samstagnachmittag gemeldet hatte, veröffentlichte das Heim noch am Samstagabend eine Stellungnahme bei Facebook, gerichtet an Angehörige, Betreuer und Mitarbeiter und Unterstützer. „Leider müssen wir traurigerweise mitteilen, dass wir zurzeit zwei Todesfälle in unserer Einrichtung zu beklagen haben. Die Frage, ob Patienten ,an‘ oder ,mit‘ Covid-19 verstorben sind, lässt sich nur schwer beantworten, da es sich bei älteren Menschen auch um Kombinationen von Krankheiten handeln kann.“ Zwei weitere Bewohner seien positiv getestet und befinden sich im Krankenhaus. Es gebe „weitere Verdachtsfälle“. Man sei dankbar, dass die Pflegekräfte sich weiter mit vollem Einsatz und Engagement um das Wohl „unserer lieben Bewohner kümmern“.

Der weitere Schutz der Bewohner und Pflegekräfte ist das Ziel, doch dafür fehlt Schutzausrüstung, wie ein Hilfeaufruf bei Facebook am Sonntagmittag deutlich machte, der bis kurz vor Mitternacht 670 Mal geteilt wurde. Auf einem Foto war ein weißer Kittel zu sehen, verbunden mit dem Hinweis: „Wir haben Stoffe da und suchen nun freiwillige Näherinnen. Die Maße schicke ich euch zu. Wir können die Stoffe liefern und die fertige Schutzkleidung abholen.“

Solche Schutzkittel werden nun von Freiwilligen genäht.

Solche Schutzkittel werden nun von Freiwilligen für das Schmallenbach-Haus genäht. © Schmallenbach-Haus

Mit der überwältigenden Resonanz auf den Aufruf hatte das „Schmalli“, wie es in der Ruhrstadt liebevoll genannt wird, nicht gerechnet. Das zeigt die Reaktion am späten Sonntagabend – hier in der Originalfassung aus dem Facebook-Beitrag zitiert: „Einfach nur danke. Danke, dass es euch alle gibt. Wir haben fast 1000 Nachrichten erhalten. Wir haben zahlreiche Näherinnen gefunden. Stoffspender, Menschen, die andere Dinge spenden wollen, Helfer für den Transport der Stoffe und und und. (....) Wir können es gar nicht glauben. Bei all dem Mist (man muss es mal so hart sagen) der da draußen gerade angeht, bei all den ganzen Sorgen die ihr habt, die Angehörigen, wir Mitarbeiter und die Bewohner haben, muss auch mal gesagt werden, dass wir gerade jetzt sehen wie viele Menschen es einfach gut mit uns meinen.“

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Das Altenzentrum Schmallenbach-Haus auf dem Hirschberg in Fröndenberg ist eine Caritas-Einrichtung mit 250 Bewohnern und 400 Mitarbeitern und bietet unter anderem vollstationäre Pflege, Kurzzeitpflege und Tagespflege an. Geschäftsführer Heinz Fleck hatte am Freitag – da war öffentlich erst ein Todesfall bekannt – erklärt: „Wir kriegen die Situation gut aufgefangen, weil wir ein tolles Team haben.“ Seinen Angaben zufolge waren am Freitag neun Pflegekräfte in häuslicher Isolation. Nicht bekannt ist bislang, wie die Bewohner des Pflegeheims mit dem Virus in Kontakt kamen. Eine Sprecherin des Kreisgesundheitsamts konnte hierzu und zur Zahl der Kontaktpersonen am Sonntag nichts Neues sagen.

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