Corona-Schnelltests für zu Hause: Wie funktioniert das und wo gibt es sie zu kaufen?

Coronavirus

Ab März bekommen alle Bürger in Deutschland ein Anrecht auf kostenlose Corona-Schnelltests. Einige von ihnen können auch von Laien zu Hause, in der Schule oder im Büro durchgeführt werden.

von Saskia Bücker, Eva Kunkel, Lilly von Consbruch

, 16.02.2021, 16:20 Uhr / Lesedauer: 6 min
An österreichischen Schulen kommen bereits Corona-Selbsttests für Schüler und Lehrer zum Einsatz. Bei den «Anterio-Nasal-Tests» reicht ein einfacher Abstrich mit einem Tupfer im vorderen Nasenbereich, ein Ergebnis liegt nach rund 15 Minuten vor.

An österreichischen Schulen kommen bereits Corona-Selbsttests für Schüler und Lehrer zum Einsatz. Bei den «Anterio-Nasal-Tests» reicht ein einfacher Abstrich mit einem Tupfer im vorderen Nasenbereich, ein Ergebnis liegt nach rund 15 Minuten vor. © picture alliance/dpa/APA

Noch gibt es in Deutschland nicht mal eben so einen Selbsttest für Laien in der Apotheke zu kaufen. Aber diese speziellen Schnelltests werden kommen – wahrscheinlich im März. Wissenschaftler begrüßen das, denn niederschwelliges Testen in der breiten Bevölkerung könne mehr Normalität und Kontrolle in der Pandemie ermöglichen. Erste Schritte in diese Richtung sind inzwischen auch von Bund und Ländern gemacht.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rechnet mit einer Sonderzulassung erster solcher Corona-Selbsttests in Deutschland Anfang März. Rund 30 Anträge für verschiedene Produkte werden der Behörde zufolge derzeit auf geeignete Qualität und Sicherheit geprüft. Ein Überblick mit acht wichtigen Fragen und Antworten zum neuen Instrument, das nun vermehrt bei der Pandemie-Kontrolle zum Einsatz kommen soll.

Das Bundesgesundheitsministerium hat inzwischen den Weg frei gemacht und die sogenannte Medizinprodukte-Abgabeverordnung verändert. „Die neuen Laien-Schnelltests werden schnellstmöglich geprüft und zugelassen“, versicherte diese Woche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

„Diese Tests können zu einem sicheren Alltag beitragen, gerade auch in Schulen und Kitas.“ Zudem kündigte Spahn an, die nationale Teststrategie auch in anderen Bereichen auszuweiten. Neben den neuen Selbsttests für Laien sollen alle Bürger Anspruch auf kostenlos von geschultem Personal durchgeführten Schnelltests und PCR-Tests auch bei weniger spezifischen Corona-Symptomen haben.

Was sind die Vor- und Nachteile von Selbsttests für Laien?

Nur dauert die Zulassung von Selbsttests für Laien in Deutschland länger als anderswo. Österreich ist da beispielsweise schon weiter. Dort werden Schnelltests für den Heimgebrauch bereits in Schulen eingesetzt. Denn – sofern sie das tun was die Herstellerangaben versprechen – haben sie einen großen Vorteil: Sie sind geeignet, direkt vor Ort unkompliziert und ohne Probenversand in ein Labor eine hohe Virenlast nachzuweisen – und das innerhalb weniger Minuten.

Personen, die stark ansteckend sind, werden dann unmittelbar erkannt und können sich zu Hause schnell isolieren – statt womöglich unbemerkt noch viele andere Menschen mit Sars-CoV-2 zu infizieren.

Der Nachteil, den hingegen Kritiker anmerken: Infizierte mit geringer Virenlast werden möglicherweise nicht entdeckt und wiegen sich in falscher Sicherheit. Und das Testergebnis ist immer nur eine kurze Momentaufnahme. Corona-Schnelltests dürften die Einhaltung der sogenannte AHA-Regeln mit Abstand und Masken nicht ersetzen.

Nicht umsonst betont das Robert Koch-Institut: „Ein negatives Ergebnis im Antigentest schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt, wie zum Beispiel in der frühen Inkubationsphase oder ab der zweiten Woche nach Symptombeginn.“

Grundsätzlich sollte das Ergebnis von Schnelltests nicht als individuelle medizinische Diagnose gewertet werden, sondern als zusätzliches Instrument zum schnellen Entdecken von akut Infizierten, damit sich diese schneller isolieren. „Ein positives Testergebnis bedarf zur Vermeidung falsch-positiver Befunde einer Nachtestung mittels PCR“, betont das RKI.

Von Gurgeln bis Spucken: Welche Selbsttests kommen ab März dazu?

Bei den Selbsttests, die vor der Genehmigung stehen, sind verschiedene Produkte im Gespräch und stehen auf der Prüfliste. Antigen-Schnelltests mit einem Ergebnis zur Infektiösität nach wenigen Minuten gibt es zwar schon länger auf dem europäischen Markt. Bislang dürfen sie aber nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden.

Die ab März erwarteten Selbsttests für Laien entsprechen von der Methode grundsätzlich den bisherigen Antigen-Schnelltests: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen wie bei einem Schwangerschaftstest ein Ergebnis nachgewiesen. Zwei Striche bedeuten: Eine Person ist Sars-CoV-2-positiv. Ein Strich signalisiert ein negatives Testergebnis.

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Auch bei den noch zuzulassenden Selbsttests braucht es dafür einen Abstrich aus der Nase – oder eine Speichelprobe. Neu ist, dass viele der neuen Tests nicht mehr einen Abstrich mit langem Stäbchen benötigen, das unangenehmerweise tief in Nase und Rachen geschoben wird. Es gibt beispielsweise auch Tests, bei denen Abstriche in der Nase viel weiter vorn entnommen werden. Es gibt auch Spucktests, bei denen Speichel direkt auf den Test aufgetragen wird.

Und es gibt inzwischen Gurgeltests – die dann allerdings wieder ins Labor müssen zur Auswertung. Dabei wird mit einer speziellen Flüssigkeit eine halbe bis eine Minute gegurgelt, um Partikel aus dem Rachen zu lösen. Danach kommt alles in ein Proberöhrchen. In Wien kommen solche Tests bereits bei Beschäftigten an Schulen und Kitas zum Einsatz. Sie können den Test einmal pro Woche zu Hause machen. Die Testkits werden vorab über die Schulen und Kitas verteilt – die Proben dann abgeholt und im Labor untersucht. Die Teilnehmer bekommen das Ergebnis auf ihr Handy.

Wo gibt es Corona-Schnelltests zu kaufen?

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) sollen ab dem 1. März alle Bürgerinnen und Bürger das Recht auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest haben. Die Tests sollen dann in Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in Arztpraxen, bei Zahnärzten und in Apotheken möglich sein. Die Kosten für den Corona-Schnelltest trägt der Bund. Nach der Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollen auch Laien-Selbsttests für alle zugänglich sein.

Im Ministerium von Gesundheitsminister Jens Spahn verhandelt man den Informationen zufolge aktuell mit Herstellern über Kontingente für den deutschen Markt. Sobald die Selbsttests zugelassen sind, werden sie in Apotheken und online zu kaufen sein. Beim Online-Kauf sollte darauf geachtet werden, dass der Test auf der Liste des BfArM zu finden ist. Dort werden die Tests aufgelistet, die den Anforderungen des RKI entsprechen.

Wie teuer sind die Corona-Selbsttests?

Der Preis sei noch offen und auch, ob sich der Bund an den Kosten beteiligt, sagte Jens Spahn vergangene Woche. Grund dafür ist, dass die Hersteller und Apotheken die Preise für die Selbsttests selbst festlegen. Zu erwarten ist darum, dass die Kosten stark variieren. Der Hersteller Hotgen bietet aktuell online ein Paket mit 40 Speichel-Antigentest für knapp 210 Euro an. Von Nadal gibt es einen Antigentest, der durch Nasen- oder Rachenabstrich funktioniert. Ein Paket mit 25 Tests kostet rund 160 Euro und ist online erhältlich. Beide Tests sind auf der Liste des BfArM aufgeführt.

Der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt warnt, dass die Corona-Selbsttests nicht zu Ausgrenzung führen dürften, weil sie zu teuer sind. „Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend Tests zur Verfügung stehen und dass sie für alle Menschen bezahlbar sind“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es dürfe nicht dazu kommen, dass sich Einkommensschwache die Tests nicht leisten könnten und dann von einer möglichen schrittweisen Öffnung von Freizeitangeboten ausgeschlossen sind.

Kommen die Selbsttests in Schulen zum Einsatz?

Nachdem der Bund den rechtlichen Rahmen für die Nutzung der Selbsttest an Schulen gesetzt hat, sind nun die Länder dafür zuständig, die Testung des Personals und der Kinder zu organisieren. Sie entwickeln derzeit Konzepte, um den Einsatz von Schnelltests an Schulen in ihre Teststrategie einzubinden. In Baden-Württemberg werde derzeit beispielsweise noch geprüft, in welchen Bereichen sich der Einsatz anbieten würde.

Die Stadt Tübingen ist unterdessen schon einen Schritt weiter: Dort soll sich geschultes Personal mindestens zweimal in der Woche selbst testen. Außerdem werde das Rote Kreuz vor Ort mit medizinischem Personal Schnelltests anbieten, um Lehrer, Erzieher und Schüler zu testen.

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Dieses Modell wird nun auch vom Verband der Hamburger Schulleitungen unterstützt. „Gerade im Schulbetrieb wäre eine leicht handhabbare Anwendung, die auch von Laien korrekt ausgeführt werden kann, von Vorteil“, sagte Kazim Abavi, schulpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg. Die Detailfragen, etwa wie viele Testungen zur Verfügung gestellt werden könnten, wie sie organisiert würden oder wie Schnelltests im Fall einer Infektion von Schulbeteiligten sinnvoll eingesetzt werden könnten, gelte es nun im Rahmen einer Gesamtstrategie zu bündeln.

Auch an Berlins Schulen und Kitas sollen in Zukunft flächendeckend Corona-Schnelltests zum Einsatz kommen und die Berliner Teststrategie erweitern. Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte an den Schulen sowie die Kita-Erzieher sollen zweimal wöchentlich getestet werden, teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung. Die Tests seien freiwillig.

Sind Corona-Schnelltests für Laien einfach zu handhaben?

Eine oft geäußerte Kritik an der Selbsttestung durch Laien ist die Gefahr, diesen falsch durchzuführen. Einer neueren Studie zufolge kann der Durchschnittsbürger aber sehr wohl mithilfe bildlicher und schriftlicher Anleitung einen Schnelltest durchführen und interpretieren. Eine Anfang Januar auf dem Preprint-Server „medrxiv“ veröffentliche Untersuchung eines Forschungsteams der Berliner Charité und des Universitätsklinikums Heidelberg zeigte das bei 146 symptomatischen Studienteilnehmern, die sich selbst erfolgreich einen Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich entnahmen. 80 Prozent der Studienteilnehmer gaben danach an, der Selbsttest sei einfach in der Handhabung.

Die Studie habe zudem gezeigt, dass die am besten ausgefallenen Schnelltests rund 80 Prozent aller Infektionen erkannten, sagte die Infektiologin und Studienautorin Claudia Denkinger bei einem Gespräch mit dem Science Media Center. „Bei hohen Viruslasten werden im Durchschnitt 95 Prozent erkannt“, so die Expertin. Vor einem größeren Einsatz der Selbsttests brauche es aber eine geeignete Prüfstelle, um die Qualität bei den Herstellern sicherstellen zu können.

Und wie sieht es beim Gurgeln aus? In einer Pilotstudie im vergangenen Frühjahr mit mehr als 5000 Schülern und Lehrern in Wien hatte das Gurgeln nach Angaben des Mikrobiologen und Studienleiters Michael Wagner von der Universität Wien vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert.

Können Schnelltests die Pandemie kontrollieren?

Virologen wie Sandra Ciesek, Jonas Schmidt-Chanasit und Christian Drosten begrüßen den vermehrten Einsatz geeigneter Schnelltests. „Wenn wir die Zahlen trotz zunehmender Öffnungen verschiedener Bereiche unten halten wollen, können Schnelltests als Selbsttests eine zentrale Rolle spielen“, erklärt auch der Virologe Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Er hält einen möglichst flächendeckenden und regelmäßigen Einsatz von Schnelltests nicht nur in bestimmten Settings wie Schulen und Großraumbüros, sondern auch im Privaten für ein geeignetes Instrument, um nach dem Senken der Infektionszahlen im Lockdown sorgenfreier Lockerungen und mehr Alltag zulassen zu können.

„Die Gesundheitsämter können zwar wieder besser die Kontakte nachverfolgen. Aber eben nur von Fällen, die positiv getestet wurden, weil sie klare Symptome zeigten oder aus anderen Gründen ein Anlass zum Test bestand“, erläuterte Binder gegenüber dem RND. Trotzdem werde es weiterhin Infektionen geben, die gar nicht bemerkt werden und so zu einer Verbreitung führen, die im Detail nicht nachvollzogen und nicht verhindert werden könnten. „Schnelltests, die jeder ganz einfach zu Hause durchführen kann, können meiner Ansicht nach ein ganz zentrales Werkzeug sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen“, ist sich der Virologe sicher.

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