Corona-Lockdown: Getränkehändler bleibt auf 100.000 Litern Bier sitzen

Verdorbenes Bier

Der Bierabsatz bricht während der Corona-Pandemie ein, Brauereien und Getränkehändler bleiben auf riesigen Mengen an Fässern sitzen. Hunderttausende Liter Bier müssen weggeschüttet werden.

03.02.2021, 22:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Fässer werden nur von der Gastronomie abgenommen - solange die geschlossen hat, machen die Brauereien Verlust und müssen ihre Ware letztendlich vernichten.

Fässer werden nur von der Gastronomie abgenommen - solange die geschlossen hat, machen die Brauereien Verlust und müssen ihre Ware letztendlich vernichten. © picture alliance/dpa

Die Corona-Krise hat den Bierabsatz in Deutschland auf ein historisch niedriges Maß gedrückt, Brauereien und Bierlager setzten im vergangenen Jahr mit 8,7 Milliarden Litern 5,5 Prozent weniger ab als im Jahr 2019 - diese Zahlen nannte das Statistische Bundesamt zu Wochenbeginn. Welche Folgen das hat, verdeutlicht das Beispiel eines Getränkehändlers aus Eckernförde in Schleswig-Holstein: Bei dem lagern Tausende Fässer, die keinen Abnehmer finden, 100.000 Liter Bier drohen zu verderben, der Schaden könnte sechsstellig werden.

„Wir können das Fassbier nirgendwo anders verkaufen als an die Gastronomie“, sagte Waldemar Behn, der gemeinsam mit seinem Bruder Rüdiger das mittelständische Familienunternehmen Getränke Behn führt, den „Kieler Nachrichten“. Doch Restaurants und Kneipen sind wegen des Lockdowns seit Wochen geschlossen.

Deutscher Bier-Absatz wegen Corona auf historischem Tief

Abhängig von der Biersorte halte ein Fass laut Mindestgarantie etwa ein halbes Jahr lang. „Im Oktober haben wir Ware bezogen“, so Behn, dann kamen die verschärften Corona-Maßnahmen. Seit 1. November hat Getränke Behn Eckernförde kein Fassbier mehr verkaufen können. „Das sind vier Monate“, rechnete er den „Kieler Nachrichten“ vor. „Mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sind die Fässer nicht mehr verkäuflich.“

Das Bier geht an die Brauerei zurück - und wird vernichtet

Vor Ostern, Anfang April, erwarte Behn auch keine entscheidende Lockerungen für die Gaststätten. Bis dahin seien 100.000 Liter gelagertes Fassbier abgelaufen und unverkäuflich geworden. Hinzu kämen noch kleinere Flaschen speziell für den Gastro-Bedarf. Gesamtschaden: rund 150.000 Euro.

Entschädigungen seitens des Bundes erwartet der Getränkehändler nicht, Ersatz für verderbliche Ware soll es seines Wissens nur für den Einzelhandel geben. „Das ist unverantwortlich, was der Bund da macht“, sagte Behn der Zeitung. Und das abgelaufene Bier? „Das geben wir an die jeweilige Brauerei zurück“, so Waldemar Behn. Dort wird es vernichtet.

RND/seb