Corona: Laschet will flexible und stufenweise Rückkehr zur Normalität

Coronavirus

Beim Blick auf die Infektionszahlen zeigen sich erste positive Ansätze im Kampf gegen Corona. Am Ziel ist NRW aber noch lange nicht. So bereitet die Politik eine flexible Rückkehr vor.

Düsseldorf

07.04.2020, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will eine flexible Rückkehr in die Normalität planen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will eine flexible Rückkehr in die Normalität planen. © picture alliance/dpa

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die Bevölkerung in der Corona-Krise auf eine stufenweise Rückkehr in die Normalität vorbereitet. Am Mittwoch tage der Expertenrat, und es würden erste Zwischenergebnisse erwartet, sagte Laschet am Dienstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts.

„Nach meiner Auffassung brauchen wir flexible Antworten“, sagte er. Derzeit werde der Schutz der Bevölkerung durch das massive Herunterfahren des gesamten öffentlichen Lebens erreicht. Künftig werde man in Landkreisen mit einer hohen Infektionsquote wohl anders reagieren müssen als in Regionen mit weniger Infizierten. „Die Menschen müssen einen Plan erkennen“, sagte Laschet. „Wir brauchen einen Fahrplan in eine wachsame, verantwortungsvolle Normalität.“

Die SPD-Opposition fordert währenddessen weitgehende Korrekturen am geplanten Pandemie-Gesetz der schwarz-gelben Landesregierung. Die „Zwangsrekrutierung“ von medizinischem Personal müsse aus dem Gesetzentwurf herausgestrichen werden, sagte Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty am Dienstag dem Radiosender WDR 5. Dagegen müssten in das Gesetz Befristungen der Maßnahmen sowie Kontrollrechte des Parlaments aufgenommen werden.

Laschet will das Pandemie-Gesetz am Donnerstag mit Zugeständnissen an die Opposition durch den Landtag bringen. Es werde nur eine einstimmige Gesetzgebung im Parlament geben, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf.

Zahl der Infektionen steigt weiter an

Die Zahl der Corona-Infektionen und Todesopfer steigt auch in NRW weiter: Am Dienstag (Stand 16.00 Uhr) zählte das Gesundheitsministerium für Nordrhein-Westfalen 21 825 Fälle und damit gut 1000 bestätigte Infektionen mehr als noch am Montagnachmittag. Wie das Ministerium weiter mitteilte, nahmen auch die Todesfälle im Land zu - von 297 auf nun 363 gemeldete Verstorbene.

Die Verbreitung des Coronavirus in NRW verlangsamt sich nach Angaben der Landesregierung weiter. Am Montag habe der für die Berechnung der Dynamik des Infektionsgeschehens wichtige Verdoppelungszeitraum der Infektionszahlen bei 11,1 Tagen gelegen, sagte Laschet am Dienstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts. Im Durchschnitt liege NRW damit etwas besser als andere Bundesländer.

Online-Unterricht an den Hochschulen und Universitäten

Die Verlangsamung zeige, dass die Maßnahmen wirkten, die in NRW ergriffen worden seien, so Laschet. „Man merkt, dass sich die Menschen an die Regeln halten.“ Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte einen Verdoppelungszeitraum von 12 bis 15 Tagen als empfehlenswert bezeichnet, damit das Gesundheitssystem nicht durch die Corona-Kranken überlastet werde.

Angesichts der Corona-Krise gibt es an den Universitäten und Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zum Beginn des Sommersemesters zunächst nur Online-Unterricht. Das hat NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Dienstag angekündigt. Entsprechende Pläne hatten die NRW-Hochschulrektoren bereits vor einigen Tagen präsentiert.

Die Hochschulen hätten zugesagt, den mehr als 780 000 Studierenden „ein breites digitales Lehrangebot“ zur Verfügung zu stellen, erklärte die Ministerin. „Damit ist gewährleistet, dass das Sommersemester stattfinden kann und die Gefahr eines sogenannten Null-Semesters zu Lasten der Studierenden vermieden wird.“ Wegen der Verbreitung des Coronavirus war der Beginn der Vorlesungszeit bereits auf den 20. April verschoben worden.

Kein herkömmlicher Gottesdienst an den Oster-Feiertagen

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die deutsch-niederländische Zusammenarbeit der Polizei. Das Grenzüberschreitende Polizeiteam (GPT), bei dem deutsche und niederländische Ermittler gemeinsam in der Grenzregion auf Streife fahren, sei bis auf Weiteres eingestellt, sagte am Dienstag eine Sprecherin der Polizeidirektion Osnabrück. Hintergrund sei, dass das Robert Koch-Institut die Niederlande seit dem 2. April als Risikogebiet einstuft. Dennoch arbeiteten Ermittler nach wie vor zusammen und kommunizierten auf elektronischem Weg miteinander.

Für Christen bringt die Pandemie Oster-Feiertage ohne herkömmlichen Gottesdienst. Stattdessen gibt es Online-Übertragungen, und in einem Düsseldorfer Autokino sollen Gläubige Ostergottesdienste vor Ort besuchen können - allerdings sitzen sie dabei in ihrem Wagen. Geplant sei ein ökumenischer Gottesdienst an Karfreitag, ein katholischer am Ostersonntag und ein evangelischer an Ostermontag, sagte ein Sprecher des Veranstalters der Deutschen Presse-Agentur. Beginnen sollen die Live-Gottesdienste jeweils um 11 Uhr - mit einer Predigt unter freiem Himmel.

dpa/lnw

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt