Corona-Krise hat Angelika Blume Abschied aus Bären-Apotheke erleichtert

dzAbschied aus Apotheke

Nach 45 Jahren im Beruf ist Angelika Blume (63) aus der Bären-Apotheke in Nordkirchen in den Ruhestand verabschiedet worden. Sie sagt, die Corona-Krise habe ihr den Abschied nun erleichtert.

Nordkirchen

, 15.04.2020, 10:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Satte 45 Berufsjahre hat die Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) Angelika Blume (63) auf dem Buckel. 40 Jahre davon hat sie in Nordkirchener Apotheken gearbeitet. Ende März dieses Jahres hatte sie ihren letzten Arbeitstag. „Der 1. April war mein erster Tag in Pension. Es fühlte sich erst an wie ein Aprilscherz. Aber mein Mann, der schon etwas länger in Rente ist, hat im Vorfeld schon die Tage gezählt“, sagt Angelika Blume.

Die gebürtige Sauerländerin verbrachte den Großteil ihrer Kindheit in Lüdinghausen, wo sie auch heute wieder wohnt. Nach ihrem Realschul-Abschluss ging sie auf die PTA-Schule in Münster. „Nach meinem Abschluss habe ich ein Praktikum in der Schwanen-Apotheke in Lüdinghausen bei Herrn Dr. Hagemann gemacht.“

Aus Nordkirchen weggeheiratet

Hagemann hatte damals eine Zweig-Apotheke in Nordkirchen und weil Angelika Blume ein eigenes Auto besaß und nicht so weit pendeln musste, ist sie dann nach Nordkirchen geschickt worden, erzählt sie von ihren Anfängen in der Schlossgemeinde, wo sie zwischenzeitlich auch mal für sieben Jahre gelebt hat - „bis mein Mann mich von da weggeheiratet hat“, sagt Angelika Blume mit einem Lachen.

Aus einem Praktikum wurden 38 Jahre. So lange arbeitete Angelika Blume in der Schwanen-Apotheke in Nordkirchen. Erst an der Werkstraße, nach dem Umzug der Apotheke Ende der 1990er Jahre an der Schloßstraße. „Als dann im Jahr 2017 die damalige Leiterin der Schwanen-Apotheke gestorben ist, hat man lange nach einem Nachfolger gesucht, aber niemanden gefunden. So wurde die Schwanen-Apotheke in Nordkirchen geschlossen“, sagt Angelika Blume.

„In unserem Dorf ist sie eine echte Institution“

Von den beiden Apotheken in Nordkirchen ist nur eine geblieben: die Bären-Apotheke, in der Angelika Blume im Jahr 2018 anfing.

„In unserem Dorf ist sie eine echte Institution. Unsere Frau Blume hatte stets ein offenes Ohr für alle Kunden und kannte viele Nordkirchener Familien schon über Generationen. Sie hat ihren Beruf geliebt und war immer mit Herz und großem Fachwissen für ihre Kunden da“, sagt die Leiterin der Bären-Apotheke, Laura Höcke, der es nicht leichtfällt, ihre PTA Angelika Blume zu verabschieden.

Doch wie viele Kunden hat Angelika Blume in ihrem Berufsleben schätzungsweise bedient? „Puh, das kann ich überhaupt nicht schätzen“, sagt Blume. „Die Kunden von heute kamen früher ja schon im Kinderwagen in die Apotheke. Das macht die Schätzung ja noch schwieriger.“

Branchen-Wandel durch Computertechnik

In ihrem Berufsleben hat Angelika Blume viele Veränderungen in ihrer Branche miterlebt. „Es gab einen ganz großen Wandel durch die Computertechnik, die so peu à peu Einzug erhalten hat“, erinnert sie sich. „Früher hat man alles manuell mit Gewichten gewogen, heute hat man dafür elektronische Waagen.“

Ist der Beruf einer PTA dadurch weniger anspruchsvoll geworden? „Das würde ich nicht sagen. Die Technik hat nicht alles erleichtert. Es gibt heute viel mehr Vorschriften, die man beachten muss. Auch die hygienischen Vorschriften sind heutzutage viel schärfer geworden. Und auch beim elektronischen Wiegen muss man sich mindestens genauso sehr konzentrieren wie früher“, so Angelika Blume.

Die letzte Zeit ist „wie im Flug vergangen“

Trotz all der Freude, die sie stets beim Arbeiten hatte - jetzt ist Angelika Blume froh, es „geschafft“ zu haben. „Die letzten drei Monate in der Apotheke sind wie im Flug vergangen. Wegen der Corona-Krise war wirklich sehr viel zu tun. Die Leute haben derzeit große Ängste, dass sie ihre Medikamente nicht bekommen. Das ist wirklich bedrückend. Ich würde schon sagen, dass die Corona-Krise mir den Abschied nun erleichtert hat.“ Die Bären-Apotheke in Nordkirchen verlässt Angelika Blume daher wie sie sagt „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.

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