Corona-Krise: Bocholter Event-Firmen leiden unter „Berufsverbot“

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Die Corona-Krise hat der Veranstaltungswirtschaft die Geschäftsgrundlage entzogen. Das haben auch Bocholter Firmen zu spüren bekommen. Ihre Forderung an die Politik: bedingungslose Soforthilfe.

von Jochen Krühler

Bocholt

, 21.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat erhebliche Auswirkungen auf unser Wirtschaftsleben. Doch kaum eine Branche ist von den Einschränkungen derart schwer getroffen wie Event-Firmen, also Unternehmen, die Veranstaltungen organisieren: Solange größere Veranstaltungen nicht erlaubt sind, fehlt ihnen die Geschäftsgrundlage. Das bekommen auch die Event-Firmen mit Sitz in Bocholt zu spüren. Sie wollen nun den Druck auf die Politik erhöhen, um die Branche am Leben zu halten.

Massive Umsatzrückgänge

„Die Situation ist katastrophal“, sagt etwa Wolfgang Rickert, der zusammen mit Claus Koch die Geschäfte der Bocholter Eventagentur WRCK Raumkonzepte führt. Seit Mitte Februar verzeichne er massive Umsatzrückgänge. Gerade größere Konzerne, für die WRCK im Messebau arbeitet, seien sehr schnell gewesen, alle geplanten Veranstaltungen zurückzufahren. „Wir versuchen derzeit umzuswitchen und mehr im Ladenbau anzubieten“, so Rickert. Doch auch damit sei sein Unternehmen mittlerweile nur auf 20 bis 25 Prozent des vorherigen Umsatzes.

Bei WRCK seien derzeit alle 11 Mitarbeiter in Kurzarbeit. 19 Mitarbeiter seien es noch vor der Krise gewesen. Die „personelle Erosion“ seither sei bitter für die Firma. Rickert: „Da geht einem auch Wissen verloren.“

Situation „völlig perspektivlos“

Rickert spricht von einem „Berufsverbot“, das die Branche getroffen habe. Derzeit sei die Situation allgemein daher „völlig perspektivlos“. Von der Politik fordert er eine bedingungslose Soforthilfe für Event-Firmen. Er habe durchaus Verständnis für das Verbot von Veranstaltungen, das sei schließlich im Sinne des Infektionsschutzes. „Aber: Die Event-Firmen tun damit auch einen Dienst an der Allgemeinheit“, so Rickert. „Da ist es nur recht und billig, wenn unsere Kosten zu hundert Prozent von der Gesellschaft getragen werden.“

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Die Bocholter Firma Party Rent gehört deutschlandweit zu den Branchen-Riesen im Event-Bereich. Rund 950 Mitarbeiter sind bei der Party Rent Group angestellt, etwa 120 in Bocholt. Auch hier ist die Lage angespannt. „Wir haben seit März über 80 Prozent Umsatzeinbruch zu verzeichnen und seither Kurzarbeit angemeldet“, sagt Firmenchef Joris Bomers. „Eine wirkliche Besserung ist aktuell nicht in Sicht.“ Als großes, gesundes Unternehmen sei Party Rent allerdings nicht existenziell gefährdet und werde auch diese Krise überstehen.

Doch die gesamte Lage der Veranstaltungswirtschaft sei mittlerweile „hoch dramatisch“, sagt Bomers. „Unsere Branche ist am längsten vom Corona-Lockdown betroffen. Das von der Regierung verhängte Veranstaltungsverbot entspricht einem Berufsverbot“, so der Firmenchef. Der gesamten Branche sei damit die Arbeits- und Existenzgrundlage entzogen, ihre Zukunft sei akut gefährdet.

„Dramatische Pleitewelle“

Der Party-Rent-Chef sieht nun die Politik gefordert. „Wenn die Politik nicht aufwacht und echte Maßnahmen zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft ergreift, wird es zu einer dramatischen Pleitewelle kommen“, prognostiziert er. Bis jetzt habe die Branche alle Maßnahmen zur Eindämmung des Virus mitgetragen und Lösungsansätze zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen für die Branche geliefert. „Leider werden wir von der Politik konsequent übersehen“, so Bomers.

Auch die Bocholter Firma Event-Rent spürt schon seit Ende Februar die Krise. „Schon am 1. März waren bei uns 400 Aufträge storniert“, sagt Firmen-Chef Jürgen Bungert. Sein Unternehmen hat 65 Mitarbeiter und verleiht Mobiliar und Equipment für Großveranstaltungen. Auch Event-Rent habe einen Umsatzeinbruch von rund 80 Prozent hinnehmen müssen und Kurzarbeit angemeldet.

„Jeder Euro verlängert die Lebenszeit“

Grundsätzlich sei die Situation in der Branche „katastrophal“, das sieht auch der Event-Rent-Chef so. Jürgen Bungert ist aber zuversichtlich, dass sein Unternehmen die Krise meistern wird. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt er. Solange Großveranstaltungen nicht möglich sind, statte Event-Rent derzeit vermehrt Krankenhäuser oder Hochschulen mit Equipment aus. „Zurzeit richten wir auch Wahllokale ein“, so Bungert. „Jeder Euro, den wir jetzt reinbekommen, verlängert die Lebenszeit.“

Bungert unterstützt die Forderung von WRCK-Chef Wolfgang Rickert nach einer bedingungslosen Soforthilfe für die Branche. Kredite würden nicht helfen. „Zurückzahlen – wie soll das gehen?“, fragt er. Denn was man jetzt nicht einnehme, das komme auch in Zukunft nicht zusätzlich rein.

Das fordert die Event-Branche von der Politik

  • Kampagne: Ein Bündnis von Initiativen und Verbänden aus der Veranstaltungswirtschaft hat jetzt die Kampagne „Alarmstufe Rot“ ins Leben gerufen. Es stellt konkrete Forderungen an die Politik, um der Branche zu helfen.
  • Überbrückungsprogramm ausweiten: Die Soforthilfe soll für alle Firmengrößen, alle Kostenarten und über alle Krisenmonate gelten.
  • Steuerlichen Verlustrücktrag ausweiten: Nicht ausgeglichene Verluste werden damit im Vorjahreszeitraum berücksichtigt – allerdings nur bis zu einer bestimmten Grenze. Von einer Ausweitung dieser Möglichkeit erhofft sich die Kampagne eine „sofort wirksame Liquiditätshilfe“.
  • Kurzarbeitsregelung anpassen: Die Regelung sollte nach Ansicht der Kampagne flexibler werden.
  • Kreditprogramme anpassen: Längere Laufzeiten, tilgungsfreie Phasen und mildere Rating-Vorschriften.
  • Veranstaltungswirtschaft in Zahlen: Laut Kampagne ist die Event-Branche Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig. Die Firmen erzielen einen jährlichen Umsatz von 130 Mrd. Euro und zählen 1,0 Millionen direkt Beschäftigte. Mit verbundenen Branchen generiere die Veranstaltungswirtschaft knapp 3,0 Millionen Jobs.
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