Corona in Griechenland: Touristen schleppen Virus ein - Lockerungen in Gefahr?

Coronavirus

Griechenland ist bisher gut durch die Corona-Krise gekommen und lockert einige Corona-Beschränkungen. Doch zugleich schleppen Touristen das Virus wieder ein - und gefährden den bisherigen Erfolg.

Athen

09.07.2020, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Touristen mit medizinischem Mundschutz kommen am internationalen Flughafen der griechischen Insel Kreta an. Landesweit wurden alle Flughäfen für Auslandsflüge geöffnet.

Touristen mit medizinischem Mundschutz kommen am internationalen Flughafen der griechischen Insel Kreta an. Landesweit wurden alle Flughäfen für Auslandsflüge geöffnet. © picture alliance/dpa

Griechenland macht weitere Schritte zur Normalisierung des Alltagslebens: Ab sofort brauchen die Kunden in Einkaufszentren keine Maske mehr zu tragen. In den Restaurants dürfen jetzt wieder mehr als sechs Personen an einem Tisch sitzen. Für die Beschäftigten in der Gastronomie und im Einzelhandel gilt allerdings weiterhin Maskenpflicht, wie auch für Kunden beim Friseur, in Nagelstudios und in Massagesalons sowie für Fahrgäste in allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Busse und Bahnen dürfen außerdem nur zwei Drittel der normalerweise zugelassenen Fahrgastzahlen befördern.

Griechenland hat die Corona-Epidemie dank frühzeitiger Kontaktbeschränkungen bisher gut im Griff. Aber jetzt bestätigt sich eine Befürchtung vieler Fachleute: Ausländische Touristen schleppen das Virus ein und verbreiten es. Nikos Chardalias, als Vizeminister für Zivilschutz zuständig für die Koordination der Corona-Strategie, warnt: „Wir sind noch nicht fertig mit dem Virus, nichts ist vorbei!“

Alle Einreisenden werden jetzt auf Corona getestet

Das merken vor allem Touristen, die jetzt aus den Balkanländern über den bulgarischen Grenzübergang Promachonas nach Griechenland kommen. Nachdem es dort anfangs nur Stichproben gab, werden seit Mitte der Woche alle Reisenden auf das Virus getestet. Damit zieht die Regierung die Konsequenz aus einem spürbaren Wiederanstieg der Infektionen.

Wurden in Griechenland im Juni an vielen Tagen weniger als zehn neue Covid-19-Fälle registriert, waren es zwischen dem 1. und dem 8. Juli ganze 510. Davon gingen 365 auf das Konto ausländischer Touristen. Haupteinfallstor ist der Übergang Promachonas, und hier sind es vor allem Serben, die positiv getestet werden.

Die Regierung reagierte schnell und untersagte inzwischen Besuchern aus Serbien die Einreise. Aber Zehntausende sind bereits im Land. Im Badeort Edipsos auf der Insel Euböa sitzen 80 Serben in Quarantäne, nachdem ein Ehepaar der Reisegruppe Symptome zeigte und positiv getestet wurde. Auch auf den Inseln Korfu und Thasos befinden sich mehrere positiv getestete Urlauber aus Serbien und Bulgarien in Quarantäne.

„Unsere unmittelbaren Nachbarländer sind die gefährlichsten“

„Unsere unmittelbaren Nachbarländer sind die gefährlichsten“, sagt der Epidemiologe Charalambos Gogos. Wenn die Zahl der festgestellten Infektionen weiter ansteige, gebe es „ein Thema“, warnte der Wissenschaftler im Fernsehsender Skai TV. Problematisch könnte die Situation werden, wenn eine große Zahl positiv getesteter Urlauber in Griechenland unter Quarantäne gestellt oder medizinisch behandelt werden müsse, meint Gogos. Dann müsse man möglicherweise sogar erwägen, die Grenze zu den benachbarten Balkanländern wieder zu schließen.

Auf den griechischen Flughäfen werden weiterhin nur einzelne Reisende bei der Ankunft getestet. Wen es trifft, entscheidet ein QR-Code, den die Urlauber nach einer Online-Registrierung auf ihr Smartphone bekommen. Wer positiv getestet wird, muss für 14 Tage in Quarantäne. Immerhin: Die Kosten dafür übernimmt der griechische Staat.

RND

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