Corona in Europa: Ein Kontinent kämpft gegen das Virus

Coronavirus

In vielen Ländern in Europa melden Regierungen Rekordzahlen an Corona-Neuinfektionen. Sie suchen ihr Heil in immer mehr Alltagsbeschränkungen - denn eines wollen sie unbedingt verhindern.

Brüssel/Washington

25.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rasant steigende Corona-Zahlen treiben Staaten in Europa zu immer härteren Schritten gegen die Pandemie. (Symbolbild)

Rasant steigende Corona-Zahlen treiben Staaten in Europa zu immer härteren Schritten gegen die Pandemie. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Rasant steigende Corona-Zahlen treiben Staaten in Europa zu immer härteren Schritten gegen die Pandemie. Belgien, Tschechien und Frankreich meldeten am Wochenende Rekordwerte bei Neuansteckungen. Sie stemmen sich mit Ausgangssperren und neuen Auflagen gegen die zweite Welle, ähnlich wie Frankreich, Italien, Spanien und Österreich. Einen Höchstwert von mehr als 83.000 neuen Infektionen an einem Tag registrierten auch die USA.

Die Vereinigten Staaten verzeichnen inzwischen etwa 225.000 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus, mehr als jedes andere Land der Welt. Während Präsident Donald Trump im Wahlkampf die Pandemie herunterspielt, wirft ihm sein Herausforderer Joe Biden Versagen vor. Doch auch in Europa gehen Infektions- und Sterbezahlen steil nach oben. Bis Sonntag registrierte die EU-Seuchenbehörde ECDC 208.627 Todesfälle mit oder wegen Corona für die 27 EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen und Großbritannien.

Gemessen an der Bevölkerung sind die kleinen EU-Länder Tschechien (10,7 Millionen Einwohner) und Belgien (11,5 Millionen Einwohner) am härtesten getroffen. Die Infektionszahlen je 100.000 Einwohner waren in den vergangenen 14 Tagen nach ECDC-Angaben jeweils fast zehn Mal so hoch wie in Deutschland (83 Millionen Einwohner). In Tschechien starben binnen 14 Tagen 10 von 100.000 Bürgern, in Belgien 5 - im Vergleich zu 0,5 in Deutschland. Beide Länder meldeten am Wochenende Rekordwerte von mehr als 15.000 Ansteckungen an einem einzigen Tag.

Corona-Regeln in Europa: Länderüberblick

In Frankreich (67 Millionen Einwohner) wurde mit 45.000 neuen Infektionen pro Tag am Wochenende ebenfalls der bisherige Höchstwert überschritten. Seit Samstag gilt dort eine nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes, also rund 46 Millionen Menschen.

In Belgien hatte die Regierung ebenfalls eine nächtliche Ausgangssperre verfügt ebenso wie die Schließung von Kneipen und Restaurants und strikte Kontaktbeschränkungen. Die Regionalregierung für die Hauptstadt Brüssel schärfte dies am Wochenende noch nach. Ab Montag gilt verschärfte Maskenpflicht, alle Theater, Kinos, Museen sowie Sportstätten und Schwimmbäder werden geschlossen. Heimarbeit ist Pflicht, soweit dies möglich ist. Und: Kinder dürfen an Halloween nicht von Tür zu Tür ziehen.

Überall in Europa ziehen Regierungen wieder die Bremse an - auch in dem verzweifelten Bemühen, einen kompletten Lockdown zu vermeiden. In Spanien zeichnete sich die Rückkehr zum Alarmzustand wie im Frühjahr ab, als rechtliche Basis für einschneidende Pandemie-Maßnahmen der Regionalregierungen.

In Italien sollen ab Montag bis zum 24. November Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen nicht mehr öffnen, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Restaurants und Bars müssen um 18 Uhr schließen. Ferner muss der Unterricht für mindestens 75 Prozent der Gymnasialschüler online abgehalten werden.

In Österreich gilt seit Sonntagnacht in Restaurants eine Höchstzahl von sechs statt bisher zehn Erwachsenen pro Tisch. Bei Tanz- oder Yogakursen oder privaten Geburtstagsfeiern dürfen sich nur noch sechs Personen treffen, draußen zwölf. Auch Österreich (8,8 Millionen Einwohner) hatte am Samstag einen Rekordwert bei Neuinfektionen erreicht: 3614 Fälle binnen 24 Stunden. Bei der Ansteckungszahl pro 100 000 liegt Österreich nach ECDC-Angaben mehr als doppelt so hoch wie Deutschland.

In der Slowakei dürfen Menschen seit Samstag bis zum 1. November ihre Wohnungen nur für den Weg zur Arbeit sowie dringende Besorgungen verlassen. Am Freitag begannen Antigen-Schnelltests für die gesamte Bevölkerung, die binnen drei Wochen abgeschlossen sein sollen. Ministerpräsident Igor Matovic meldete am Sonntag 3024 Neuinfektionen binnen 24 Stunden - auch das ein Rekordwert.

In Slowenien schließen die meisten Geschäfte, Hotels, Kindergärten, Studentenheime, Friseurläden und Schönheitssalons. In Lettland dürfen bei Veranstaltungen in Räumen nur noch maximal zehn Personen zusammenkommen. Die Einreise von Deutschland nach Dänemark ist seit dem Wochenende nur noch mit triftigem Grund erlaubt. In Polen bleiben Restaurants zu, Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

Corona-Proteste in Europa

Wie in Deutschland lehnen sich auch andernorts Bürger gegen die Beschränkungen auf. In Italiens Hauptstadt Rom kam es bei Protesten gegen Ausgangssperren in der Nacht zum Sonntag zu Ausschreitungen, wie die Nachrichtenagentur Adnkronos und andere Medien berichteten. Zwei Polizisten erlitten demnach Verletzungen, mindestens zehn Demonstranten wurden festgenommen. In der Nacht zuvor hatte es bereits in Neapel Proteste gegeben.

Die Regierung in Wales erntete mit einem Verkaufsverbot für etliche Waren in Supermärkten massive Kritik. Diese dürfen nur noch „essenzielle Waren“ verkaufen - Geräte wie Wasserkocher, Textilien, aber auch Postkarten oder Geschirr sind in den Läden mit Plastikfolien oder anderen Barrieren abgesperrt. In London demonstrierten Tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der britischen Regierung und sprachen von Tyrannei oder Überwachung.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bahnt sich das Virus immer wieder den Weg bis in die höchste Politik. In Polen wurde Präsident Andrzej Duda positiv auf das Coronavirus getestet. In Washington traf es den Stabschef von US-Vizepräsident Mike Pence - Pence selbst wurde aber nach Angaben eines Sprechers aber negativ getestet. Präsident Trump hatte eine Covid-Erkrankung Anfang Oktober überstanden.

In der türkischen Metropole Istanbul steckte sich Bürgermeister Ekrem Imamoglu an, in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Bürgermeister Vitali Klitschko - und das kurz bevor der Ex-Boxweltmeister am Sonntag für eine zweite Amtszeit kandidierte. Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune begab sich vorsorglich in Quarantäne, da bei mehreren Beratern der Verdacht auf Corona-Infektionen aufgekommen war.

RND/dpa

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