Corona-Impfung beim Hausarzt: Das sollten Sie zum Start in den Praxen wissen

Impfung

Hausärzte haben mit den Coronavirus-Impfungen begonnen. Doch wie bekommt man eigentlich einen Termin – und wer ist zuerst dran? Hier werden die wichtigsten Fragen beantwortet.

von Ben Kendal

, 07.04.2021, 06:03 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Nachfrage nach einem Impftermin in den Hausarztpraxen ist groß – in der ersten Woche sind jedoch nur wenige Impfdosen verfügbar.

Die Nachfrage nach einem Impftermin in den Hausarztpraxen ist groß – in der ersten Woche sind jedoch nur wenige Impfdosen verfügbar. © picture alliance/dpa

Impfstoffmangel, Chaos um Astrazeneca und Probleme bei der Terminvergabe: Der Beginn der bundesweiten Impfungen gegen das Coronavirus ist eher schleppend angelaufen. 15 Millionen Menschen haben in Deutschland inzwischen die erste Impfung erhalten. Die Vakzine wurden bislang in den 430 Impfzentren im Land verabreicht. Nun geht die Impfkampagne in die zweite Runde: In dieser Woche wollen gut Tausende Hausarztpraxen in Deutschland mit den Impfungen gegen Covid-19 beginnen. Im Kampf gegen die Pandemie ruht nun viel Hoffnung auf den Hausärzten – doch wie genau läuft die Terminvergabe ab?

Wo wird überall geimpft?

Von Dienstag an impfen bundesweit gut 35.000 Hausarztpraxen. Nach wie vor können Menschen auch einen Termin in einem Impfzentrum vereinbaren. Die Hausärzteverbände rechnen aber damit, dass viele Menschen künftig eine Impfung in den Arztpraxen bevorzugen werden. „Viele Patienten warten auf ihre Impfung, bis sie einen Termin beim Hausarzt bekommen“, berichtet Jens Wagenknecht, stellvertretender Landesvorsitzender des Hausärzteverbands Niedersachsen.

Der Chef des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, geht sogar noch weiter: Er ist überzeugt, dass die Impfzentren überflüssig werden könnten. „Ich glaube, dass die Menschen entscheiden müssen, wo sie geimpft werden wollen. Und man sollte da eben die etablierten und vernünftigen Strukturen nutzen, zumal das ja wahrscheinlich auch länger geht“, sagte er am Dienstag im rbb-Inforadio.

Welche Impfstoffe werden in den Hausarztpraxen verabreicht?

Zum Start der Corona-Impfungen in den Arztpraxen wird zunächst das Präparat von Biontech/Pfizer an die Patienten verimpft. Vor wenigen Monaten war ein Einsatz des Vakzins in Arztpraxen noch ungewiss: Der Impfstoff müsse bei minus 75 Grad Celsius gelagert werden, hieß es Ende Januar seitens des Robert Koch-Instituts (RKI). Doch wie die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Ende März mitteilte, kann der Impfstoff in Trockeneisboxen bis zu zwei Wochen bei minus 25 bis minus 15 Grad Celsius gelagert werden.

In Bayern verabreichten Hausärzte vergangene Woche zudem schon das Vakzin von Astrazeneca. Viele Praxen begannen in dem Bundesland bereits eine Woche vor dem flächendeckenden Impfstart bei Hausärzten mit den Impfungen.

Eine Sprecherin des Hausärzteverbands Nordrhein berichtet zudem, dass in dieser Woche einige Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen neben den gelieferten Dosen von Biontech/Pfizer zusätzlich einige übrig gebliebene Dosen des Vakzins von Astrazeneca aus den Impfzentren bekommen und verabreichen können. Offiziell soll Astrazeneca bundesweit in der dritten Aprilwoche zum Einsatz in Hausarztpraxen kommen. Eine Wahl des Impfstoffs ist wegen der Knappheit der Präparate jedoch nicht möglich.

Wer wird zuerst in den Hausarztpraxen geimpft?

Grundsätzlich gilt auch für die Arztpraxen die vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte Impfreihenfolge. Die höchste Priorität haben demnach die über 80-Jährigen oder diejenigen, die berufsbedingt viel Kontakt zu Menschen haben und einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

In die zweite Gruppe fallen beispielsweise Menschen, die 70 Jahre oder älter sind oder bestimmte chronische Vorerkrankungen haben. Anschließend sind Menschen ab 60 Jahren dran. Arztpraxen sind jedoch etwas flexibler bei der Terminvergabe als Impfzentren: Um etwa zu vermeiden, dass Impfstoff vernichtet werden muss, können Hausärzte von der Priorisierung abweichen.

Wie bekomme ich einen Impftermin beim Hausarzt?

Die Vergabe der Impftermine handhabt jede Praxis anders. Viele Hausärzte gehen auf diejenigen zu, für die eine Impfung in Frage kommt. Wagenknecht kommt beispielsweise zuerst zu den nicht mobilen Menschen nach Hause, um sie zu impfen. Bei anderen Hausärzten können sich Interessenten auf der Website der jeweiligen Praxis für einen Termin eintragen oder telefonisch nachfragen.

Eine zentrale Einladung für die Patienten gibt es nicht, wie das Bundesgesundheitsministerium erläutert. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands Hessen, Armin Beck, empfiehlt Praxen zunächst, direkt auf Patienten zuzukommen, um den Andrang besser kanalisieren zu können.

Wann kann ich mit einem Impftermin rechnen?

Anfangs könnte es sich als schwierig erweisen, einen Termin beim Hausarzt zu bekommen. Denn aktuell haben die Praxen nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Schnitt nur 20 Dosen des Biontech-Präparats zur Verfügung. Und die Nachfrage nach einem Termin war in vielen Praxen schon am Dienstag enorm groß.

Weigeldt hätte sich mehr Impfdosen zum Start in den Praxen gewünscht: „Das ist etwas, worüber wir nicht ganz glücklich sind, dass wir zunächst im Schnitt ungefähr 20 Dosen pro Praxis bekommen pro Woche. Das ist ein bisschen wenig“, sagte er dem rbb-Inforadio. Er erwarte jedoch, dass Hausärzte zeitnah mehr Impfstoff bekommen. In der ersten Woche erhalten alle Praxen zusammen 940.000 Impfdosen, ab Ende April sollen es über drei Millionen Dosen wöchentlich sein.

mit Material von dpa

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