Clan-Mitglieder prügeln 18-Jährigen auf die Intensivstation – Video auf YouTube zeigte die Tat

dzLandgericht Essen

Schockierende Szenen zeigte im Juni ein Gewaltvideo bei YouTube: Zu sehen war, wie ein junger Mann in Essen brutal zusammengeschlagen wird. Das Opfer sitzt jetzt selbst in Haft.

Essen

, 06.12.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Parkplatz abgeriegelt, der Eingang bewacht: Das Essener Justizgebäude stand am Freitagmorgen unter besonderem Polizeischutz. Der Grund: Am Amtsgericht hat der Prozess um die mutmaßliche Racheaktion einer arabischen Großfamilie begonnen.

Was damals passiert ist, steht fest. Es gibt ein Video, das Anfang Juni kurz nach der Tat bei Youtube hochgeladen wurde. Darauf ist zu sehen, wie ein junger Mann immer wieder geschlagen und getreten wird – gegen Kopf und Körper. Die Szenen sollen schockierend sein.

Opfer musste auf die Intensivstation

In der Anklage heißt es, dass das Opfer immer wieder versucht hat, unter einen Busch zu kriechen, um dort Schutz zu suchen. Der 18-Jährige, der zu einer verfeindeten Großfamilie gehören soll, sei jedoch an seinem T-Shirt herausgezogen worden. Dann ging der Gewalt-Exzess weiter.

Der 18-Jährige war an jenem Tag, dem 4. Juni 2019, zwar schwer verletzt worden und hatte auch auf die Intensivstation gemusst. Trotzdem ist am Ende alles relativ glimpflich ausgegangen – auch zur Überraschung der Mediziner.

„Ich habe nicht nachgedacht.“

Acht junge Männer sind nun angeklagt, 16 bis 21 Jahre alt. Sieben sind auf dem Video zu sehen, einer hat gefilmt. „Ich habe nicht nachgedacht“, sagte einer der Angeklagten zum Prozessauftakt. „Das war ein Fehler.“ Er sei damals über Handy aufgefordert worden, zum späteren Tatort zu kommen. Warum? Das wusste er angeblich nicht. „Ich dachte, wir gehen etwas essen.“

Seine Freunde hatten offenbar schon auf ihn gewartet. Plötzlich sei dann von einem Mädchen die Rede gewesen, dass erpresst werde. „Und dann sind auch schon alle losgejoggt.“

Mädchen diente angeblich als Lockvogel

Das Ziel war ein Schulhof. Angeblich war alles perfekt vorbereitet. Ein angeblich eingeweihtes Mädchen hatte das spätere Opfer unter einem Vorwand zu einer Bank gelockt, dann ging es auch schon los. „Der Rest ist ja dann auf dem Video zu sehen“, so der Angeklagte.

Der, der die brutalen Szenen damals gefilmt hat, soll sich übrigens zunächst geweigert haben. Doch auch er sei bedroht worden. „Wenn du nicht filmst, breche ich dir die Nase.“ So oder so ähnlich soll sich einer der anderen Angeklagten ausgedrückt haben.

Opfer selbst in Untersuchungshaft

Das Opfer selbst wird erst an einem der nächsten Verhandlungstage als Zeuge aussagen. Der 18-Jährige sitzt inzwischen selbst in Untersuchungshaft. Er soll nach der Racheaktion auf dem Schulhof ein Mädchen vergewaltigt haben. Der Prozess steht noch aus. Mit den Urteilen im aktuellen Verfahren ist erst im Januar zu rechnen. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung.

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