Champagnerliebhaber: Mutmaßlicher Rewe-Räuber genoss das süße Leben

dzGericht

Viermal werden Rewe-Geldboten überfallen und ausgeraubt. Einer der Verdächtigen war ein angesehener Mitarbeiter und Champagner-Liebhaber. Vor Gericht schweigt er weiter.

Bochum

, 03.11.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 1 min

Da staunten die Ermittler nicht schlecht: Als sie nach einer Serie von Raubüberfällen die Wohnung eines Rewe-Mitarbeiters durchsuchten, fanden sie gleich eine ganze Sammlung edler Champagnerflaschen. Von den exklusiven Tropfen kann der 30-Jährige inzwischen allerdings nur noch träumen.

Der Angeklagte soll zu einer Dreierbande gehören, die in Herten, Gelsenkirchen und Düren Überfälle auf Rewe-Geldboten verübt haben soll. Ihm selbst soll dabei eine Schlüsselposition zugefallen sein.

Mitarbeiter mit Schlüsselgewalt

Im Prozess am Bochumer Landgericht ist am Dienstag sein Ex-Chef als Zeuge gehört worden, der eigentlich nur Gutes über den 30-Jährigen zu berichteten hatten. „Er genoss unser absolutes Vertrauen“, sagte er den Richtern. Deshalb habe man ihm sogar die Schlüsselgewalt für den Markt in Herten übertragen. „Damit konnte er abends auch mal abschließen.“

Der Recklinghäuser war im Mai 2011 erstmals als Praktikant im Rewe-Markt in Herten-Westerholt beschäftigt worden. Weil man mit ihm zufrieden war, konnte er noch im selben Jahr seine Ausbildung beginnen. Anschließend wurde er erst befristet und dann unbefristet eingestellt.

Insidertipps weitergegeben?

Nun wird ihm allerdings vorgeworfen, Insidertipps über die Gepflogenheiten bei der Einzahlung der Tageseinnahmen weitergegeben zu haben. Zumindest über die Abläufe in Herten und Gelsenkirchen-Resse, wo er zwischenzeitlich ebenfalls beschäftigt war. Beide Märkte gehören ein und demselben Inhaber.

Er selbst hat sich dazu im Prozess am Bochumer Landgericht noch nicht geäußert. Genauso wenig wie seine mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen.

Sicherheits-Konzept geändert

Bei insgesamt vier Überfällen soll das Trio rund 90.000 Euro erbeutet haben. In allen Fällen sollten zwei Mitarbeiter die Tageseinahmen zur Bank bringen – entweder zu Fuß oder mit dem Auto. Inzwischen übernimmt das ein Sicherheits-Unternehmen. „Das Konzept wurde geändert“, so der Chef vor Gericht. „Zum Schutz der Mitarbeiter.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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