Die Capeller sehen in ihrem Ort eine hohe Lebensqualität – ideal für Familien. Solange etwas fährt, beschert auch der Bahnhof eine gute Anbindung. Doch auch Verbesserungsbedarf gibt es.

Capelle

, 12.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Mario Wellmann (33) ist Ur-Capeller. Dort aufgewachsen, dort eine Familie gegründet und ein Haus gebaut – nicht weit vom Elternhaus entfernt. Mit seiner Frau Hanna (32), die aus Ascheberg stammt, wohnt er seit rund fünf Jahren im Baugebiet Kolpingstraße-Nord. Seit rund 18 Monaten ist auch Töchterchen Lara mit von der Partie.

Die Familie fühlt sich rundum wohl in ihrer Heimat. „Man ist schnell in der Natur und Kindergarten und Schulen sind gut erreichbar. Hier lässt es sich gut leben“, schwärmt Mario Wellmann. „Für Kinder ist es hier optimal zum Aufwachsen“, sagt er. Schwierig war es allerdings für Tochter Lara den Kindergartenplatz zu bekommen, den sie aufgrund der Berufstätigkeit beider Eltern auch braucht. Da würden sie sich wünschen, dass das Angebot noch breiter aufgestellt wird. Mit Hilfe der Großmutter Laras klappt aber auch das.

Besonders gefällt Mario Wellmann der Dorfcharakter in Capelle. „Die Hilfe unter Nachbarn stimmt hier. Auch wenn man mittlerweile nicht mehr jeden kennt“, meint er. Der Ort entwickelt sich, wie etwa am Baugebiet, in dem die Wellmanns leben, unschwer zu erkennen.

Capelle: Ruhiges Wohnen im Grünen mit guter Anbindung, aber zu wenig Gastronomie

Wie etwa am Neubaugebiet, in dem die Wellmanns leben, sichtbar, entwickelt sich Capelle. Ob es der Dorfpark, oder die Bebauung ist. Manche Umfrageteilnehmer merken aber auch an, dass so der Dorfcharakter etwas schwindet. © Wilco Ruhland

In puncto Lebensqualität haben die Teilnehmer unserer nicht repräsentativen Umfrage dem Ortsteil Capelle gute 9 von 10 Punkten gegeben. Damit liegt Capelle im guten Gesamtdurchschnitt für Nordkirchen. Insgesamt 125 Personen hatten an der Umfrage für Capelle teilgenommen. Und so mancher hat kommentiert, was ihm an dort gefällt – und was besser sein könnte.

Wie viele Teilnehmer unserer Umfrage, stimmt auch Mario Wellmann mit ein, dass das Gastronomieangebot im Ort allerdings ausbaufähig ist. Das Ehepaar Wellmann kegelt selbst leidenschaftlich gern – in Capelle ist das nicht möglich.

Dennoch sieht er Capelle auf einem guten Weg. Er wünscht sich etwa, abgesehen vom Fußballplatz des SC Capelle – an dem er als zweiter Vereinsvorsitzender genug Zeit verbringt – weitere Sportmöglichkeiten. „Das Dorfgemeinschaftshaus ist der erste Schritt“, sagt Mario Wellmann. Hier soll immerhin eine Mehrzweckhalle entstehen. Er gibt auch einen Tipp für das Leben im Dorf: „Man muss schon aktiv sein, um richtig im Dorf Fuß zu fassen. Beispielsweise im Männergesangsverein, der Feuerwehr, dem Schützenverein oder Fußballverein“, sagt der Capeller Schützenkönig von 2015.

Das wurde positiv bewertet:

Grünflächen und Radfahren: Die volle Punktzahl, satte 10 Punkte, vergeben die Capeller im Durchschnitt für das Grüne und das Radeln. „Capelle ist die grüne Lunge von Nordkirchen“, formuliert es etwa ein Umfrageteilnehmer. Im Grünen macht auch das Fahrradfahren Spaß. Nicht selten sind parkende, auswärtige Autos mit Fahrradanhängern zu sehen, sagen die Wellmanns.

Das bestätigt auch der Vorsitzende des Dorfvereins, Gereon Stierl: „Wir sitzen auf der Schlösserachse. Darum gibt es hier viel Fahrradtourismus.“ Nur einen Knackpunkt gibt es hier: Die Verbindung von Capelle und Werne, die Werner Straße. Hanna Wellmann fährt gerne Fahrrad, ihr Mann weniger. Aber diese Strecke sei ausbaufähig, „auch wenn das vielleicht meckern auf hohem Niveau ist“, meint sie. Was einen möglichen neu angelegten Radweg im Bereich Simnonsmeier angeht, stehe man in Diskussionen, meint dazu Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann auf Anfrage der Redaktion.

Verkehrsanbindung: Besonders hervor sticht der Punkt Verkehrsanbindung. Bei 8 von 10 Punkten macht Capelle hier ein auffallend gutes Ergebnis, wenn man auf die 4 Punkte von Nordkirchen und die 3 Punkte von Südkirchen schaut. Der wahrscheinlichste Grund: der Capeller Bahnhof.

„Vom Ortskern kommt man gut mit dem Fahrrad zum Bahnhof und von da weiter“, meint auch Gereon Stierl. „Wenn etwas fährt“, schränkt Stierl ein. Wie bekannt, wird die Bahnanbindung spätestens Anfang 2020 für mindestens ein halbes Jahr lahmgelegt. Die Bahn saniert die Strecke. „Das ist natürlich eine Katastrophe für Capelle und ganz Nordkirchen“, meint Stierl.

Capelle: Ruhiges Wohnen im Grünen mit guter Anbindung, aber zu wenig Gastronomie

Der Bahnhof in Capelle garantiert eine gute Anbindung an größere Städte –zumindest solange etwas fährt. © Sabine Geschwinder

Möglicherweise wäre dieser Umfragepunkt mittlerweile anders bewertet worden, stimmt auch Stierl überein, aber grundsätzlich ist man in Capelle gut an den Zugverkehr angeschlossen. „Wenn die Verbindung wieder funktioniert, vielleicht sogar irgendwann zweigleisig wäre, dann ist Capelle schon sehr attraktiv. Auch für Leute aus Münster etwa, die ruhiger leben wollen. Die Baupreise sind hier auch nicht so hoch. Ich kann mir schon gut vorstellen, dass Leute mit Kindern von woanders gerne hier in ein Einfamilienhaus ziehen“, betont Stierl auch die Wichtigkeit der Anbindung.

Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie und Angebot für Jugendliche: An Gastronomie fehlt es in Capelle – zumindest im Kern. Hier vergaben die Capeller durchschnittlich nur 4 Punkte für ihren Ort. Das Landgasthaus Simonsmeier auf der Werner Straße liegt etwas abseits. Ebenso wie die Gaststätte zur Brücke. „Mal eben auf ein Bier“ auszugehen, gestaltet sich im Ortskern schwierig. Dafür müsste man immer Auto oder Fahrrad bemühen – beides verträgt sich in Kombination mit Alkohol bekanntlich eher schlecht.

Dietmar Bergmann erklärt, dass die Verwaltung da begrenzte Handlungsmöglichkeiten habe auszubessern. „Wir versuchen die Erreichbarkeit zu verbessern und haben die Beleuchtung der Bahnhofsstraße ausgebaut, was nicht nur mit dem Bahnhof, sondern auch der Gastronomie zu tun hat. Oder den eventuellen Radweg Richtung Werne. Die kommunalen Möglichkeiten sind aber sonst begrenzt, da es um privatwirtschaftliches geht. Am Ende muss auch jemand davon leben können“, erklärt Bergmann.

Capelle: Ruhiges Wohnen im Grünen mit guter Anbindung, aber zu wenig Gastronomie

Im Ortskern fehlt es an Gastronomie. Sowohl der Gasthof „Zur Brücke“ als auch das Landgasthaus Simonsmeier sind vom Kern nicht „mal eben“ zu erreichen. © Sabine Geschwinder (Archiv)

Seitens des Dorfvereins gäbe es lose Überlegungen, oder vielmehr den Wunsch, mit einem kleinen Café in der Nähe des Dorfparks etwas Gastronomie in den Kern zu bringen, erklärt Gereon Stierl. „Aber das ist reine Zukunftsmusik und wird, wenn überhaupt, wohl auch in naher Zukunft nichts“, sagt er.

Realistischer sieht er dagegen den Ausbau für das Angebot für Jugendliche. „Das beste was es hier für Jugend gibt, sind momentan der Fußballverein oder die Schützen. Zudem gibt es am Dienstagnachmittag einen Jugendtreff des Juno (Anm. d. Red. Jugend- und Kulturhaus Nordkirchen)“, meint Stierl. Dieser findet in der Grundschule statt. Und eben diese Treffs könne er sich vorstellen auszuweiten, auf mehrere Tage. „Wir wollen im Dorfgemeinschaftshaus mehr Jugendarbeit machen. Es gibt den Bedarf, ist aber natürlich auch eine Geldfrage“, gibt Stierl zu bedenken. Dennoch: allemal realistischer zu lösen als das Gastronomieproblem, bestätigt er.

Gesundheit und Nahversorgung: Der Punkt Gesundheit liegt mit 5 Punkten unter dem Durchschnitt von Nordkirchen, da Südkirchen und Nordkirchen hier jeweils eine 7 bekamen. Der Grund: Vielen fehlt ein Arzt. „Wir fahren zum Kinderarzt in Ascheberg“, meint Mario Wellmann. Für die Familie sei das allerdings kein Problem. Genau wie die, von einigen Teilnehmern kritisierten Einkaufsmöglichkeiten. Das Auto bräuchte man schon, meint Wellmann. Aber das gehöre zum Dorfleben: „Man muss weitere Fahrten in Kauf nehmen, dafür lebt man ruhiger“, sagt er.

„Ich finde, wir sind da im gesamten Gemeindegebiet zum Glück noch sehr gut aufgestellt“, meint Dietmar Bergmann. Dass sich ein Allgemeinmediziner, in einem Ort wie Capelle mit etwa 2000 Bewohnern niederlässt, sieht Bergmann als eher unwahrscheinlich an. „Aber dabei geht es auch um unser großes Thema Mobilität. Wenn wir die Infrastruktur nicht in den Ort kriegen, wollen wir die Leute zur Infrastruktur bringen können“, sagt er. Die Pflegemöglichkeiten auszubauen, sei dennoch ein Ziel. „Wir wollen das Angebot stärker publik machen und besser vernetzen“, sagt er. In Südkirchen habe man schon Infoveranstaltungen zur Tagespflege gemacht und baue diese Veranstaltungen jetzt auch auf Nordkirchen und Capelle aus. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen können“, sagt der Bürgermeister.

Das Thema Nahversorgung schätzt Gereon Stierl dagegen, ähnlich wie Mario Wellmann, weniger negativ ein. „Wir können froh sein, Edeka Jehle zu haben“, meint er. „Die Grundversorgung stimmt.“ Für einen größeres Geschäft sehe er „keinen Markt“ und „fehlende Kaufkraft“.

Historie

Die Geschichte von Capelle

Capelle: Ruhiges Wohnen im Grünen mit guter Anbindung, aber zu wenig Gastronomie

So sah Capelle 1950 aus. © Heimatverein Nordkirchen

  • Der Ort wird um 800 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Karl der Große dem ersten Bischof von Münster, Liudger, das Waldgebiet Ithari mit drei Oberhöfen schenkt. Einer davon wurde zu Capelle.
  • 1698 wurde die Pfarrkirche St. Dionysius erbaut.
  • Bis 1923 gehörte Capelle zum Amt Werne. Danach kam es zum Amt Nordkirchen.
  • Am 1. Januar 1975 wurde Capelle nach Nordkirchen eingemeindet.
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