Bürgerwindpark: Anwohner haben Vorgriffsrecht, auch Heeker sind dabei

dzWindkraft in Schöppingen

Jetzt wird es ernst in Sachen Schöppinger Bürgerwindparks: Die Prospekte stehen für potenzielle Investoren zur Verfügung. Direkten Anliegern wird beim Zugriff auf Anteile ein Vorteil gewährt.

von Rupert Joemann

Schöppingen

, 15.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Beteiligungsphase für den Bürgerwindpark Schöppingen-Strönfeld startet. Ab dem morgigen Dienstag können Interessierte den 151-seitigen Verkaufsprospekt im Internet herunterladen. Zudem besteht am Dienstag die Möglichkeit, von 17 bis 19 Uhr den Prospekt bei Windpark-Geschäftsführer Josef Berghaus , Ramsberg 35, in Papierform abzuholen.

„Wir haben 300 Exemplare gedruckt. Wir hätten gerne eine öffentliche Sitzung gehabt“, sagt Michael Schlüß von der BBWind-Projektberatungsgesellschaft. Das sei aber aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Einschränkungen nicht möglich gewesen. Deshalb haben sich die Verantwortlichen zur jetzigen Vorgehensweise entschieden.

Beteiligung durch Bürger

Schöppinger Bürger können sich an 25 Prozent des für beide Windparks – Bürgerwind Schöppingen-Strönfeld GmbH& Co. KG (vier Windräder) und Bürgerwind Schöppingen-Ramsberg GmbH& Co. KG (drei Windräder) – angesetzten Eigenkapitals von 9,25 Millionen Euro – und somit 2,3 Millionen Euro - beteiligen.

An der Bürgerwind Schöppingen-Strönfeld GmbH& Co. KG können sich in einem ersten Schritt alle Schöppinger Bürger beteiligen. Ein Vorgriffsrecht haben aber zunächst alle „direkten Windpark-Anwohner auf Schöppinger Gebiet, die 1,5 Kilometer rund um das Gebiet wohnen“, so Michael Schlüß. Hinzu kämen noch drei Heeker Familien, die nah an den Anlagen leben.

Anteile zwischen 2500 und 50 000 Euro

Gezeichnet werden können pro Haushalt Anteile zwischen 2500 und 50 000 Euro, wobei die gezeichnete Summe durch 2500 Euro teilbar sein muss. Zeichnen mehrere Personen pro Haushalt „müssen sie als Personengemeinschaft immer hälftig zeichnen“, erklärt Michael Schlüß. Die Geschäftsführer Leo Rehring, Josef Berghaus und Hubert Lefert hoffen darauf, dass die gesamten 2,3 Millionen Euro Zeichnungskapital so vergeben werden können.

Sollte das nicht der Fall sein, käme gegebenenfalls ein dritter Personenkreis zum Zuge. Dann könnten auch volljährige Nicht-Schöppinger Anteile erhalten. „Das wäre aber nur eine Hintertür“, sagt Michael Schlüß. „Das entscheiden wir dann, wenn es soweit ist“, fügt Josef Berghaus hinzu.

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Entgegen erster Planungen erfolgt die Vergabe nicht nach dem Windhundverfahren, sondern die Anteile werden verlost. Die Verlosung wird von den drei Geschäftsführern vorgenommen. „Das ist so in dem Prospekt festgelegt“, erklärt Michael Schlüß. Beim Losverfahren werden die Interessenten entweder mit ihrem gesamten Betrag oder gar nicht berücksichtigt. Eine Splittung der Beträge ist nicht vorgesehen.

Die eigentliche verbindliche Zeichnungsfrist beginnt am 23. Juni (Dienstag) um 12 Uhr. Sie endet genau eine Woche später am 30. Juni (Dienstag) um 12 Uhr. Die Bürger können sich auf der Internetseite des Bürgerwindparks am Zeichnungsverfahren beteiligen. „Bis Mitte Juli bekommen alle eine Rückmeldung“, sagt Michael Schlüß, egal ob positiv oder negativ.

Bei einem positiven Bescheid erhalten die künftigen Kommandantisten eine E-Mail mit einer Handelsregistervollmacht. Damit können sie zu einem Notar ihrer Wahl gehen, um sich ins Register eintragen zu lassen. Die Kommandantisten sind ab dem Monat der Geldeinlage am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.

Hinweis auch auf Risiken

Die drei Geschäftsführer sind froh, dass es endlich losgeht. Schließlich mussten sie die 2,3 Millionen Euro zwischenfinanzieren. „Die erste Besprechung mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat es am 1. März 2018 gegeben“, sagt Michael Schlüß. Bei der anschließenden Prospekt-Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kam es immer wieder zu Verzögerungen.

Die Geschäftsführer weisen auch auf die Risiken des Bürgerwindparks hin. „Die Risiken sind auf 60 bis 70 Seiten beschrieben. Es bleibt immer ein Restrisiko“, sagt Josef Berghaus. Beispielsweise sei der Stromverbrauch während der Corona-Krise um 15 Prozent gesunken, so Berghaus. Windräder mussten deshalb abgestellt werden.

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