Bristol: Demonstranten versenken Statue eines Sklavenhalters im Fluss

Rassismus

Im 17. Jahrhundert handelte Edward Colston mit Afrikanern, verschiffte und misshandelte sie. Doch die Stadt Bristol hat ihn mit einem Denkmal geehrt. Nun wurde die Bronzestatue eigenmächtig entfernt.

Bristol

08.06.2020, 07:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Demonstranten versenken die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston im Fluss.

Demonstranten versenken die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston im Fluss. © picture alliance/dpa

Die Statue war schon länger in der Diskussion, mehr als 10.000 Menschen hatten eine Petition gegen das Denkmal unterzeichnet. In der britischen Stadt Bristol haben Demonstranten die Statue eines einstigen Sklavenhändlers gestürzt und im Fluss versenkt.

Bei einer Protestaktion im Zusammenhang mit dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd malten Demonstranten die Bronzestatue zunächst noch mit roter Farbe an – ein Zeichen für das Blutvergießen, für das Colston stand –, ehe sie die Statue unter Applaus in den Avon warfen. In den sozialen Medien sind Videomitschnitte der Aktion zu sehen.

Seit 1895 stand in Bristol ein Abbild von Edward Colston, der im 17. Jahrhundert nicht nur Politiker, sondern auch aktiv im Sklavenhandel war – und durch die Ausbeutung von Afrikanern Wohlstand anhäufte. In Bristol war er lange Zeit als Wohltäter bekannt und wurde auf dem Denkmal als „einer der tugendhaftesten und weisesten Söhne der Stadt“ geehrt – doch das Geld, mit dem er die Stadt beglückte, stammt aus dem grausamen Handel mit Afrikanern.

„Auf diesen Moment habe ich mein ganzes Leben gewartet“

Nun also reichte es jenen, die Colston nicht mehr als Helden feiern wollten, Schwarzen wie Weißen, wie „The Independent“ berichtet. „Diese Statue war eine Beleidigung für die Menschen in Bristol“, sagte ein Mann, der bei der Aktion zugegen war. „Das ist es, was er verdient hat. Auf diesen Moment habe ich mein ganzes Leben gewartet“, schrieb eine Person auf Twitter.

Innenministerin Priti Patel sagte der Zeitung, der Sturz sei „äußerst schändlich, völlig inakzeptabel und schierer Vandalismus“. Das diskreditiere jene, die zur Demonstration gekommen waren, um friedlich und respektvoll ihre Besorgnis über Rassenungerechtigkeit kundzutun, sagte Superintendent Andy Bennet. Man wollte nun Filmmaterial sichten, um die Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Labour-Partei hingegen zeigte sich erfreut über die Aktion. „Das hat mich zum Ausatmen gebracht“, schreibt etwa Dawn Butler. „Jemand, der für unermessliches Blutvergießen und Leiden verantwortlich ist – wir werden den strukturellen Rassismus niemals lösen, solange wir unsere Geschichte in ihrer ganzen Komplexität nicht in den Griff bekommen“, sagte Clive Lewis.

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