Anfang März werden viele Brauereien in Deutschland die Preise für ihr Fassbier erhöhen. Das könnte sich bald auch in Nordkirchens Gaststätten bemerkbar machen - jedoch nicht überall.

Nordkirchen

, 16.01.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Bier wird wieder teurer. Ein Jahr nachdem viele deutsche Brauereien die Preise für ihr Flaschenbier erhöht haben, steht ab März die nächste Preiserhöhung bevor. Dieses Mal ist das Fassbier der marktführenden Radeberger Gruppe betroffen. Auch Krombacher, Warsteiner, Bitburger und Veltins schließen sich den Preiserhöhungen an.

Der Grund für die Preiserhöhung: die stetigen Kostensteigerungen, etwa was Logistik, Energie- und Verpackungskosten angeht. Wie hoch die Preiserhöhung in den Einzelfällen letztlich ausfallen wird, ist noch unklar.

Dass das Bier teurer wird, wird man bald womöglich auch in Nordkirchens Gaststätten zu spüren bekommen. Albert Lücke, Inhaber des Plettenberger Hofs, gesteht, dass die Nachricht der Preiserhöhung der Brauereien bislang noch nicht zu ihm durchgedrungen sei. Er hofft jedoch, dass er sein Bier weiterhin zum alten Preis verkaufen kann.

Preiserhöhung im Plettenberger Hof ungewiss

„Wenn ich einen gewissen Ausschankbetrag habe, bekomme ich einen Rabatt – also eine Rückvergütung. Bei uns handelt der Lieferant diesen Rabatt mit den Brauereien aus“, sagt Lücke.

Daher sei er nicht direkt gezwungen, seinen Bierpreis anzuheben. Doch wie sich die Situation für ihn und sein Lokal entwickelt, wisse Lücke selbst nicht: „Es könnte natürlich trotzdem passieren, dass auch wir bald gezwungen sind, unseren Bierpreis zu erhöhen.“

Lücke hat wenig Verständnis für die Preiserhöhung

Verständnis dafür, dass der Fassbierpreis erhöht wird, hat Albert Lücke nicht. Vielmehr wünscht er sich, dass das Flaschenbier teurer würde. Von den regelmäßigen Erhöhungen der Flaschenbierpreise würde er kaum etwas merken: „Der Flaschenbierpreis ist noch fast genauso wie vor 35 Jahren. Damals habe ich für eine Kiste Bier 20 Mark bezahlt, heute sind es immer noch 10 Euro.“

Ganz anders sieht es beim Fassbier aus: Die Fassbierpreise haben sich laut dem Gastronom in den vergangenen drei Jahrzehnten verdreifacht. In der Vergangenheit musste Lücke deshalb auch den Bierpreis in seiner Gaststätte immer wieder anpassen. Vor zehn Jahren kostete ein kleines 0,3-Liter-Bier noch 1,80 Euro. Inzwischen liegt der Preis bei 2,50 Euro.

Weniger Gäste im Plettenberger Hof

Vor weiteren Preiserhöhungen schreckt Lücke erst einmal zurück: „Wenn wir den Preis für unser Bier noch mal um 10 Cent erhöhen, dann bleiben bald unsere Kunden ganz zu Hause.“

Generell habe auch er in den vergangenen Jahren einen Rückgang seiner Kundschaft festgestellt: „Die Thekensteher gibt es nicht mehr und die Jugend trifft sich lieber privat. Wir haben noch Sky und zeigen bei uns Fußball. Es kommen aber bei Weitem nicht mehr so viele Menschen wie noch vor zehn Jahren zu uns – wenn überhaupt ist es noch ein Drittel.“

Gaststätte Brosterhues und Zois Taverne erhöhen Preise nicht

Vida Kindereviciute, Inhaberin der Gaststätte Brosterhues in Südkirchen, hat indes nicht vor, den Bierpreis in ihrer Gaststätte zu erhöhen. „Wir machen das Bier nicht teurer“, sagt sie. Ein kleines Bier kostet in ihrer Gaststätte 1,50 Euro (0,2 Liter), für ein großes Pils (0,4 Liter) fallen 3 Euro an.

Auch Aysen Zois von der Zois Taverne will die Bierpreise in ihrem Restaurant unverändert lassen. Ein kleines Bier (0,3 Liter) kosten dort 2,50 Euro, ein halber Liter kostet 4 Euro. „So war es auch schon in unserem alten Lokal in Senden, bevor wir vor anderthalb Jahren nach Nordkirchen gezogen sind. Da haben wir die alten Preise übernommen und seither nicht geändert“, sagt sie.

Die Inhaber der Gaststätte Zur Brücke und des Landgasthauses Simonsmeier wollten sich auf Nachfrage nicht zu der angekündigten Bierpreiserhöhung äußern.

Bierpreis im Domhof steigt regelmäßig

Haris Bandic, Inhaber des Restaurant Domhof, sagt, er habe seinen Bierpreis in den vergangenen Jahren regelmäßig um 10 Cent erhöhen müssen - auf inzwischen 2,50 Euro für ein 0,3-Liter-Bier.

Dass dadurch weniger Gäste in sein Lokal kommen, habe der Wirt aber bisher nicht festgestellt. Auch weil er mit seinen Preiserhöhungen transparent umgegangen ist: „Jeden Montag habe ich 30 Gäste hier am Stammtisch sitzen. Ich habe meinen Gästen immer früh bescheid gegeben, wenn ich den Bierpreis erhöht habe. Für die war es kein Problem und sie hatten immer Verständnis. Die wissen, dass ich ja auch davon leben muss.“

„Von der Spanne haben Wirte noch Luft nach oben“

Konkrete Zahlen was die Preiserhöhung angeht, konnte Michael Ansinn vom gleichnamigen Getränkevertrieb nennen. Für ein 50-Liter-Fass Krombacher fallen derzeit 125 Euro inklusive Steuern an. Er sagt: „Die effektive Preiserhöhung liegt bei 15 Cent pro Liter.“ Sprich: Das 50-Liter-Fass kostet demnächst 132,50 Euro.

„Für die Wirte bedeutet das also nicht zwingend, dass sie für ein kleines Glas Bier unbedingt 10 Cent draufpacken müssen. Von der Spanne haben sie auf jeden Fall noch Luft nach oben.“

Es wird weniger Bier getrunken

„Generell“, sagt Ansinn, „haben wir Getränkevertriebe in Deutschland im vergangenen Jahr an Umsatz verloren. Es wird insgesamt weniger Bier getrunken.“ Grund zu Panik ist das für Ansinn jedoch nicht: „Ich sehe das nicht so schwarz und glaube auch nicht, dass es irgendwann keine Biertrinker mehr geben wird.“

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