Brandanschläge auf Obdachlose: Ex-Feuerwehrmann als Brandstifter verurteilt

dzLandgericht Bochum

Nach mehreren Brandanschlägen auf Obdachlose ist mit einem Landwirt aus Hamm jetzt auch der dritte Brandstifter verurteilt worden – auch er war ein freiwilliger Feuerwehrmann.

Bochum

, 15.09.2020, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt hat es auch den „dritten Mann“ erwischt: Knapp drei Jahre nach einer Serie von Brandstiftungen im Umfeld des alten Bahnhofs in Herten-Westerholt ist ein früherer Feuerwehrmann (32) aus Hamm am Bochumer Landgericht zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Richterin Frauke Seyda warf dem Angeklagten mit Blick auf zwei damals häufig in den angezündeten Bahnhofsgebäuden lebende Obdachlose „rücksichtsloses Verhalten gegenüber den Mit-Schwächsten unserer Gesellschaft“ vor. Vordergründig hätten sich der Hammer Ex-Feuerwehrmann und der bereits Ende 2018 verurteilte Ex-Jugendfeuerwehrmann seinerzeit fürsorglich gegenüber den obdachlosen Bewohnern präsentiert.

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„Völlige Empathielosigkeit und Menschenverachtung zum Ausdruck gebracht"

Die nächtlichen Brandlegungen im Bahnhofsumfeld und auch ein „Pulverlöscher-Anschlag“ auf einen schlafenden Obdachlosen hätten dann aber „völlige Empathielosigkeit und Menschenverachtung zum Ausdruck gebracht". Da sich der freiwillige Feuerwehrmann eigentlich durch seine Tätigkeit der Menschenrettung verschrieben hatte, wiege seine Schuld besonders schwer, hieß es.

Der Angeklagte hatte im Prozess alle ihm vorgeworfenen Brandlegungen abgestritten und die alleinige Schuld dem bereits verurteilten Ex-Jugendfeuerwehrmann zugeschoben, der ihn vermeintlich manipuliert habe und dem er so gut wie hörig gewesen sei. Erst viel später will der 32-Jährige realisiert haben, dass er bei nächtlichen Patrouillen (mit Feuerwehr-Montur im Kofferraum und aktivierten Alarm-Pagern in den Taschen) durch Westerholt einen Brandstifter durch die Gegend gefahren habe.

Auftreten im Gerichtssaal entlarvt Ex-Feuerwehrmann

Die Richter der 4. Strafkammer glaubten dem Ex-Feuerwehrmann kein Wort. Insbesondere durch sein „selbstüberzeugtes Auftreten“ im Gerichtssaal habe der Angeklagte sich im Grunde selbst entlarvt. Der 2018 zu mehr als drei Jahren Jugendhaft verurteilte Jugendfeuerwehrmann aus Herten-Westerholt hatte den 32-Jährigen im Prozess erheblich belastet und sogar weitere, bislang als ungeklärt geltende Brände in Westerholt als gemeinsame Brandstiftungen abgenickt.

Bei den nun abgeurteilten Großfeuern waren am 9., 17. und 18. Oktober am Bahnhofsgebäude und am 14. November 2017 in einem benachbarten Stellwerk in Herten-Westerholt unter anderem Möbel, Verpackungsmüll und extra auf Fensterbänken platzierte Grillanzünder in Brand gesetzt worden.

Obdachloser wird über Drehleiter aus den Flammen gerettet

Beim einem der Feuer musste einer der Obdachlosen damals sogar vor den Flammen mit einer Drehleiter aus dem Dachgeschoss gerettet werden. Weil der Bahnverkehr nach dem Brand im Stellwerk zeitweise eingestellt werden musste, entstand der Deutschen Bahn AG laut Anklage ein Schaden von 4500 Euro.

In einem ersten Prozess Ende 2018 war zudem auch ein Ex-Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Westerholt als Gehilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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