Böller und Raketen zu Silvester? Fehlanzeige in den Niederlanden

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Normalerweise decken sich die Niederländer gerne in Gronau mit Silvester-Raketen und Böllern ein. Aber in 2020 ist vieles anders. Die niederländischen haben ein Knallerverbot eingeführt.

von Martin Borck

Enschede/Gronau

, 14.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Jahreswechsel ganz ohne Knaller und Feuerwerk? Und das in den Niederlanden – wo alljährlich Raketen und Böller für zig Millionen Euro verballert werden? Das kann sich kaum ein Niederländer vorstellen – der Feuerwerkskatastrophe von Enschede und zahlreicher tödlicher Unfälle im Zusammenhang mit Knallkörpern zum Trotz. Doch am Freitag teilte die zuständige Staatssekretärin in Den Haag mit, dass die Knallerei zu Neujahr verboten ist.

Viele Feuerwerksopfer im Krankenhaus

Schon Anfang des Jahres hat die Regierung in Den Haag bereits Einschränkungen beschlossen: Vom 1. Dezember an darf Feuerwerksmaterial der Klasse F3 gar nicht mehr an Privatpersonen verkauft werden – Chinaböller und Knallkörperketten etwa. Erlaubt ist lediglich Kleinfeuerwerk der Klassen F2 und F1. Und selbst F2-Material ist in der nächsten Neujahrsnacht verboten. Grund: Die Erfahrung lehrt, dass zum Jahreswechsel viele Feuerwerksopfer in Krankenhäusern behandelt werden müssen. In Corona-Zeiten will man diese Patienten nicht auch noch versorgen müssen. Darum drängten die für die Sicherheit zuständigen regionalen Verbände und mehrere politische Parteien darauf, Feuerwerk einmalig völlig zu verbieten.

Ausgleich für Händler

Zwar soll es für Händler, die sich schon mit Ware eingedeckt haben, einen finanziellen Ausgleich geben. Die Bestände sollen in sicheren Depots gelagert werden – bis zum nächsten Jahr. Die Branche befürchtet jedoch, dass das Geld nicht reichen wird und es nicht bei einem einmaligem Verbot bleibt.

Zudem weisen sie darauf hin, dass der größte Teil der Verletzungen nicht mit legal verkauften Feuerwerkskörpern verursacht wird, sondern von illegal ins Land geschmuggelten Böllern und Raketen oder selbst zusammengemixten Chemikalien. Eine Aussage, die die Regierung zurückweist: „80 Prozent aller Verletzungen, die in den Notaufnahmen behandelt werden, sind durch legale Feuerwerkskörper verursacht worden“, antwortet der Minister für Justiz und Sicherheit, Ferdinand Grapperhaus, jüngst auf entsprechende Fragen aus dem Parlament.

„Seid bitte vernünftig und beachtet das Verbot!“

Ferdinand Grapperhaus, Minister für Justiz und Sicherheit

Das Ministerium warnt ausdrücklich davor, in den Niederlanden verbotenes Feuerwerk in Deutschland zu kaufen und über die Grenze zu bringen. Auch das sei illegal. Die Großeinkäufe niederländischer Kunden in den Gronauer Discountern dürften daher Ende dieses Jahres bedeutend knapper ausfallen. Zumal, so Grapperhaus, mit den deutschen Behören Kooperationsvereinbarungen getroffen worden seien, um Grenzkontrollen durchzuführen. „Dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit Effekt hat, beweist die Beschlagnahme von 50 000 Kilo illegalen Feuerwerkmaterials und die Festnahme von sieben niederländischen Tatverdächtigen im September in den Niederlanden und Deutschland“, so der Minister.

Doch ob die Verbote auch befolgt werden – trotz angedrohter Geldstrafen? Der illegale Transport blüht schon jetzt. Vor einer Woche war am Grenzübergang De Lutte (A30/A1) in einem Transporter fast eine Tonne illegales Material entdeckt worden, in Winterswijk Ende Oktober in einem Schuppen 250 Kilo Feuerwerk. Und ein Enscheder wurde erst am Freitag im Süden der Niederlande beim Transport von 500 Kilo erwischt. Grapperhaus appellierte an die Vernunft seiner Landsleute: „Seid bitte vernünftig und beachtet das Verbot!“

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