„Dann war es still“: Bochumer stirbt bei Raubüberfall - Frau erinnert sich unter Tränen

dzLandgericht Bochum

Qualvoll ist ein Bochumer bei einem Raubüberfall in seiner Wohnung gestorben. Vor Gericht schilderte seine Partnerin unter Tränen die letzten Minuten. Auch die Täter brachen ihr Schweigen.

Bochum

, 14.11.2019, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um den qualvollen Erstickungstod eines Bochumer Schützenbruders am Rande eines brutalen Raubüberfalls haben die zwei Angeklagten am Donnerstag (14.11.) ihr Schweigen gebrochen und Teilgeständnisse abgelegt. Zudem schilderte die überlebende Partnerin (71) des Todesopfers als Zeugin die wohl dramatischsten Minuten ihres Lebens.

Die Angeklagten sitzen seit Ende April in Untersuchungshaft. Der wegen Mordes angeklagte Haupttäter (37) räumte in einer von seinem Verteidiger Michael Emde verlesenen Erklärung seine Beteiligung an dem Geschehen ein.

Im Wohnhaus sollte Geld versteckt sein

Er und ein inzwischen in Polen im Gefängnis einsitzender Mittäter sollen im Februar in das Haus des Schützenbruders eingebrochen sein, weil sie angeblich gehört hatten, dass in dem Wohnhaus des Seniors in der Bochumer „Kappeskolonie“ reichlich Geld versteckt gewesen sein soll.

Mit der Knebelung und Tötung des 68-jährigen ehemaligen Schützenkönigs habe er jedoch nichts zu tun. „Dass der Mann geknebelt worden ist, habe ich gar nicht mitbekommen“, hieß es in der verlesenen Aussage des Hauptangeklagten. Das müsse demzufolge der zurzeit in seinem Heimatland Polen wegen einer anderen Straftat im Gefängnis sitzende Mittäter gewesen sein.

„Ich habe erst am Tag danach im Fernsehen erfahren, dass jemand zu Tode gekommen ist“, erklärte Verteidiger Michael Emde im Namen des 37-Jährigen.

24-Jähriger will nur der Fahrer gewesen sein

Auch der mitangeklagte 24-Jährige gab über seinen Verteidiger Jörn Dieker eine Erklärung ab. Er will die zwei Landsleute seinerzeit mit einem Pkw zum Tatort gefahren haben, im Haus drin sei er nie gewesen. Im Vorfeld sei es aber nur um das Stehlen von Kupfer aus dem Garten gegangen. Von einem Einbruch, geschweige denn einem Raubüberfall sei im Vorfeld nie die Rede gewesen. Als er nach einiger Zeit die Sirenen gehört habe, sei er weggelaufen.

Brutal zu Boden geschlagen

Wie herzlos und brutal das Geschehen in dem Haus letztlich abgelaufen ist, daran erinnerte sich am Donnerstag als Zeugin die damalige Partnerin des Überfallopfers.

Die 72-Jährige ist nach wie vor schwer gezeichnet von dem Geschehen. Sie hatte die mit Sturmhauben maskierten Einbrecher zuerst bemerkt und war sofort brutal zu Boden geschlagen worden. „Dann hat mir einer den Kopf mit einer Jacke umwickelt“, sagte die 72-Jährige. Von den anschließenden Attacken auf ihren Partner habe sie kaum etwas mitbekommen: „Ich hörte nur, wie Klebeband abgerissen wurde und er gerufen hat, dass er doch nichts tut und auch keine Luft kriegt. Dann war es still.“

„Aber ich habe keine Antwort von ihm mehr gekriegt“

Nachdem die Täter das Haus verlassen hatten, habe sie ihrem Partner noch zugeflüstert, dass sie jetzt wohl endlich weg wären. „Aber ich habe keine Antwort von ihm mehr gekriegt“, erinnerte sich die Seniorin unter Tränen.

Als kurz danach die Polizei auftauchte, war die Leiche des 68-Jährigen mit Kleidungsstücken verdeckt und verschnürt wie ein Paket entdeckt worden. Knöchel und Knie sowie die Hände waren mit Klebeband zusammengezogen worden. Zudem war sein gesamter Kopf mit Klebeband umwickelt worden – inklusive Augen, Nase, Mund. Die Anklage lautet auf Raubmord sowie schweren Raub.

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