Bocholter verging sich 18-mal an seinem sechsjährigen Cousin

dzSechs Jahre Haft

Ein 23 Jahre alter Bocholter musste sich vor der Großen Jugendkammer im Amtsgericht Bocholt verantworten. Der Vorwurf: schwerer sexueller Missbrauch an seinem sechsjährigen Cousin.

von Mark Pillmann

Bocholt

, 04.05.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 23-jährige Bocholter, der sich 2019 über mehrere Monate in 13 Fällen des sexuellen Missbrauchs und in fünf weiteren Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs an seinem sechsjährigen Cousin strafbar gemacht hat, muss für sechs Jahre in Haft. Das urteilten die Richter der Großen Jugendkammer jetzt im Amtsgericht Bocholt.

Freiheitsstrafe

Damit folgten sie dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft fast vollständig, die eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Der Vorwurf, dass der Angeklagte sich außerdem in einem Fall an der Schwester des Opfers vergangen habe, wurde in ein gesondertes Verfahren abgetrennt. Der Angeklagte hatte im Zeitraum der Taten bei seiner Tante in Bocholt gewohnt und war dabei auch mit der Betreuung der Kinder betraut worden, wenn die Eltern arbeiten mussten.

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Die Staatsanwaltschaft berücksichtigte bei ihrem Plädoyer, dass der Angeklagte ein fast vollständiges Geständnis abgelegt hatte und so die Aussagen der Kinder vermieden werden konnten. Dennoch: Ein Strafverfahren könne nicht angemessen Rechnung tragen, denn die Folgen der Taten würden lebenslang bleiben, so der Staatsanwalt weiter. Das Opfer frage sich bereits jetzt, wieso es ausgerechnet ihn treffen musste. Die Taten hätten „gravierende Folgen“, und es handele sich um einen „ganz üblen Vertrauensbruch“.

Ähnlich sah es auch der Anwalt der Familie der Opfer, die als Nebenkläger im Verfahren auftrat. Er betonte jedoch, der Angeklagte habe „kein vollumfängliches Geständnis“ abgelegt. Stattdessen habe er zurückhaltend geantwortet und immer nur dann Zugeständnisse gemacht, wenn ihm die Aussagen vorgehalten wurden.

„Eine undankbare Aufgabe“

„Es ist eine undankbare Aufgabe, in einem solchen Verfahren zu verteidigen“, eröffnete der Anwalt des Angeklagten sein Plädoyer. Er bat um milde Bestrafung, verzichtete dabei aber ebenfalls auf ein beziffertes Strafmaß.

Es stehe außer Frage, dass bei dem Angeklagten eine Entwicklungsverzögerung vorliege und er nach wie vor eine kindliche Persönlichkeit habe. Jedoch habe er nach Aussagen der Polizisten beim Verhör nicht gemauert, sondern sich für seine Taten geschämt. Der Angeklagte sagte zum Schluss, dass es ihm sehr leid tue. „Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen.“

„Man ist fassungslos“

In der Urteilsbegründung heißt es: „Man ist fassungslos, wütend, vielleicht auch traurig.“ Das Opfer werde sein Leben lang nicht vergessen, was ihm angetan wurde. Es sei nicht möglich, die Taten des Angeklagten mit den sechs Jahren abzuurteilen. Die Richter hofften, eine Strafe gefunden zu haben, mit der es möglich sei, einen Abschluss finden zu können. Sie empfahlen dem Angeklagten, sich nach der Haftstrafe in therapeutische Behandlung zu begeben.

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