Flüsse, Kanäle, Seen: Blaue Glücksorte im Ruhrgebiet

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Das Ruhrgebiet ist nicht nur grüner, als viele denken, sondern auch ganz schön blau. Flüsse, Seen und Kanäle sind herrliche Ausflugsziele - auch wenn man nicht ins Wasser geht.

Duisburg

, 18.07.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Privat nie aus Duisburg weggekommen, beruflich immer in der Nähe, und im Revier, geblieben. Ich liebe den Charme der alten Industrielandschaft, den Strukturwandel - und das Wasser.

Ja, das Wasser. Es wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Geboren im Sternzeichen des Wassermanns, habe ich die ersten Lebensjahre im Hafenstadtteil Ruhrort verbracht. Das prägt. Einige Jahre später habe ich ziemlich leidenschaftslos auf einem holprigen Ascheplatz bei der DJK Adler Duisburg gekickt, bis ein Schwimmmeister während eines Schulwettkampfs meinte, ich könnte es doch mal mit Schwimmen versuchen.

Buch-Tipp

80 Glücksorte

Das Ruhrgebiet ist grau? Melanie Brozeit beweist mit „Blaue Glücksorte im Ruhrgebiet“ das Gegenteil. Die Journalistin hat 80 herrliche Orte am, auf und im Wasser ausgewählt, von Häfen und gemütlichen Cafés bis zu den großen Seen zwischen Duisburg, Haltern am See und Kamen. Die Vorschläge der Autorin sind vielfältig, sie reichen von der Übernachtung auf dem Hausboot über romantische Schleusenpanoramen bis zum Abtauchen im Gasometer, ergänzt um Gastro-Tipps. Jeder Glücksort wird auf einer Doppelseite mit Foto vorgestellt. Mit Hilfe einer Übersichtskarte und der ÖPNV-Hinweise lassen sich die Ausflüge gut planen. „Blaue Glücksorte im Ruhrgebiet“ ist im März 2020 im Droste-Verlag erschienen (168 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-7700-2161-1).

Naja, ich war nicht schlecht, aber auch nicht gut genug, sodass ich zwangsläufig - und letztlich wesentlich erfolgreicher - Wasserball gespielt habe. Das musste wahrscheinlich so sein.

Meine Urlaube habe ich schon damals fast immer an Meer oder See verbracht, daran hat sich bis heute wenig geändert. Aber weil man ja dummerweise nicht ständig verreisen kann, nutze ich die freie Zeit häufig, um an Rhein und Ruhr die Nähe des Wassers zu spüren. Sie merken, Sie haben es hier mit einem Fachmann zu tun. Der könnte jetzt stundenlang über „blaue Glücksorte“ fabulieren, aber ich belasse es mal bei vier Tipps.

1. Die Sechs-Seen-Platte im Duisburger Süden

Ein Traum von einem Naherholungsgebiet. Wambachsee, Masurensee, Böllertsee, Wolfssee, Wildförstersee und Haubachsee heißen die miteinander verbundenen Wasserflächen. Ich kennen sie alle, in den meisten darf man schwimmen und paddeln. Sparziergänger und Radfahrer teilen sich das 25 Kilometer lange Wegenetz am Ufer oder durch die angrenzenden Wälder. Einen tollen Spielplatz gibt es dort, kleine Strände auch, die im Sommer überfüllt sind. Dann muss man auf ein privat betriebenes Naturfreibad ausweichen.

An der Sechs-Seen-Platte in Duisburg ist nicht nur das Wasser (an sonnigen Tagen), sondern auch der Aussichtsturm blau. 100 Stufen geht es hinauf bis zur traumhaften Aussicht.

An der Sechs-Seen-Platte in Duisburg ist nicht nur das Wasser (an sonnigen Tagen), sondern auch der Aussichtsturm blau. 100 Stufen geht es hinauf bis zur traumhaften Aussicht. © Dennis Stratmann

Tipp: Vom 22 Meter hohen, stählernem Aussichtsturm, der im Gegensatz zu seinem hölzernen Vorgänger feuerfest ist, hat man einen fantastischen Ausblick auf das grüne und das blaue Duisburg. Früher bin ich die 100 Stufen allerdings leichtfüßiger hinaufgekommen...

  • Anreise: A 59 bis Ausfahrt „Sportpark Wedau“, dann Richtung Stadion und auf dem Kalkweg etwa drei Kilometer Richtung Wedau bis zum Freibad Wolfsee. Die Parkplätze sind an Badetagen schnell belegt. Die Buslinie 944 fährt vom Hauptbahnhof dorthin.

2. Vom Wasserbahnhof in Mülheim nach Essen-Kettwig

Ja, ich schwimme gerne, ist in der Ruhr aber nicht erlaubt. Aber der Fluss, der meiner Heimat den Namen gab, ist auch vom Ufer aus betrachtet oder an Deck eines Schiffes der Weißen Flotte, ein Erlebnis.

Der flache und beinahe durchgehend asphaltierte Weg durchs Ruhrtal führt auf der einen Seite direkt am Fluss entlang, oft begleitet von Schwänen, Enten und anderen Wasservögeln. Und unter einem der beeindruckendsten Straßenbauwerke der Region hindurch: der Mintarder Ruhrtalbrücke. Fast zwei Kilometer lang, bis zu 65 Meter hoch, ist sie. Den Autolärm habe ich unten am Fluss kaum gehört, mich aber gefragt, wie man direkt neben den mächtigen Betonpfeilern wohnen kann.

Ein Ausflugsschiff fährt über die Ruhr vom Mülheimer Wasserbahnhof nach Essen-Kettwig. Mindestens genauso schon ist es, die Strecke am Ufer zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.

Ein Ausflugsschiff fährt über die Ruhr vom Mülheimer Wasserbahnhof nach Essen-Kettwig. Mindestens genauso schon ist es, die Strecke am Ufer zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen. © Hans Blossey

In Kettwig lohnt nach etwa neun Kilometern ein kleiner Rundgang, und nach einer Rast in einem Eiscafé geht es auf der anderen Flussseite wieder zurück. Der Weg ist zwei Kilometer länger, führt durch Felder und über Deiche, an einer Straße und zwei Campingplätzen vorbei, aber selten am Fluss entlang - trotzdem schön.

Tipp: Inselglück mitten in der Großstadt: Zahlreiche Rad- und Spazierwege führen über die Mülheimer Schleuseninsel am Wasserbahnhof, die von der Ruhr und vom Hafenkanal umschlossen ist. Von hier laufen die Passagierschiffe der Weißen Flotte aus, man kann nach der Wanderung aber auch einfach im Biergarten oder im Café von Haus Ruhrnatur ein Päuschen einlegen.

  • Anreise: Mehrere Bus- und Straßenbahnlinien führen zum Wasserbahnhof bzw. zur nicht weit entfernten Innenstadt. Am Wasserbahnhof gibt es kostenpflichtige Parkplätze. Wenn Ihr Navi die Adresse „Alte Schleuse 1“ nicht erkennt, geben Sie die Straße „Auf dem Dudel“ ein.

3. Rhein-Herne-Kanal und Slinky-Brücke in Oberhausen

Der mächtige Gasometer in Oberhausen ist eine von vielen Landmarken im Ruhrgebiet. Der stillgelegter Gasspeicher mit Panoramablick ist heute ein Ort für Ausstellungen, Veranstaltungen und Kunst. Bis Frühjahr 2021 ist allerdings Sanierungspause, also gehen wir ein wenig am Rhein-Herne-Kanal weiter in Richtung Westen und kommen sehr schnell zum Kaisergarten.

Der Sinn nach Kunst in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen steht mir allerdings nicht immer. Ich spaziere dann lieber durch den Kaisergarten, den ich kennengelernt habe, als meine Jungs noch klein waren. Der Grund: ein 20 Hektar großes Tiergehege, das im Gegensatz zu den großen Zoos im Ruhrgebiet keinen Eintritt kostet. Aber auch der übrige Park ist sehenswert, ein Weg führt direkt am Rhein-Herne-Kanal entlang und somit zu einer der ungewöhnlichsten Brückenkonstruktionen im Ruhrgebiet.

„Slinky springs to Fame“ heißt die ungewöhnliche und in den Abendstunden beleuchtete Brücke, die sich in Oberhausen über den Rhein-Herne-Kanal windet.

„Slinky springs to Fame“ heißt die ungewöhnliche und in den Abendstunden beleuchtete Brücke, die sich in Oberhausen über den Rhein-Herne-Kanal windet. © Dennis Stratmann/Ruhrtourismus

„Slinky springs to Fame“ windet sich seit 2011 „wie ein über das Wasser geworfenes Seil“ (sagt Künstler Tobias Rehberger) über die 50 Meter breite Wasserstraße und verbindet den Kaisergarten mit den Rad- und Wanderwegen der Emscherinsel. Die Rampen zur Brücke winden sich in Kehren und Schleifen, der farbige Untergrund der eigentlichen Brücke schwingt bei jedem Schritt unter den Aluminiumbögen ganz leicht mit. Und mit etwas Glück fahren auch noch Schiffe hindurch, während man oben die Aussicht genießt.

Tipp: Mit ihren beleuchteten Ringen erstrahlt „Slinky springs to Fame“ nachts in bunten Farben. Die Illumination ist absolut sehenswert, wenn es keine technischen Probleme gibt. Fotoapparat oder Smartphone nicht vergessen!

  • Anreise: Mit dem Auto erreichen Sie den Kaisergarten über die A 516 oder die A 42 (Abfahrt Oberhausen-Zentrum), mit dem Bus über die Linie 956 (Haltestelle Schloss). Fahrradständer stehen in den Eingangsbereichen zur Verfügung.

4. Der Baldeneysee im Essener Süden

Ein Ausflug zum Baldeneysee ist wie Urlaub am Meer. Der größte der sechs Ruhrstauseen wurde 1933 fertiggestellt und ist ein Paradies für Wassersportler. Segler schätzen die markanten Winde, Kanuten und Ruderer fürchten sie bisweilen. Ich bleibe besser an Land. Der See kann nämlich im Einklang mit der Natur auf 14 Kilometern zu Fuß oder mit dem Rad umrundet werden. In den Auen sind zahlreiche und wichtige Vogelschutzgebiete angesiedelt.

Eines der beliebtesten Ausflugsziele im Revier: der Baldeneysee in Essen. Segler schätzen den bisweilen strammen Wind, Radler eher nicht.

Eines der beliebtesten Ausflugsziele im Revier: der Baldeneysee in Essen. Segler schätzen den bisweilen strammen Wind, Radler eher nicht. © picture alliance/dpa

Wer mag, genießt nach der Wanderung oder Radtour eine erholsame Fahrt mit der Weißen Flotte Baldeney. Einer der Bootsanlager trägt den Namen „Hügel“. Von dort geht es hinauf zur Villa Hügel, dem Wohnhaus der Industriellen-Familie Krupp, das ebenso wie der Park auf eigene Faust oder in Gruppenführungen besichtigt werden kann. Mir reichte allerdings schon die Aussicht auf das maritime Treiben am See.

Tipp: Ein Highlight ist der Seaside Beach Club am Baldeneysee – ein echter Strand mitten in Essen. Der Sandstrand mit Palmen, Surfschule, Klettergarten, Stand-Up-Paddelschule „Pottpaddler“ und einer Cocktailbar bringt Urlaubsfeeling ins Ruhrgebiet.

  • Anreise: Anfahrt zum Beispiel über die Freiherr-vom-Stein-Straße 206a. ÖPNV: Mit der S-Bahn-Linie 6 bis Haltestelle Essen-Hügel, im Sommer fährt auch die Buslinine 181 zum See.
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