Bericht über Demo: MDR retuschiert Hitler-Attentäter von Transparent

Fernsehen

In einem Bericht über Demonstrationen in Dresden retuschiert der MDR das Gesicht von Hitler-Attentäter Georg Elser aus einem der Demobanner. Das sorgt für scharfe Kritik. Der MDR

Dresden

17.02.2020, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mehrere hundert Demonstranten protestieren am Samstag (15.2.) gegen einen Aufzug von Neonazis. Auf einem Plakat steht: "Hass macht hässlich". Ein anderes Plakat hatte der MDR in seinem Bericht retuschiert.

Mehrere hundert Demonstranten protestieren am Samstag (15.2.) gegen einen Aufzug von Neonazis. Auf einem Plakat steht: "Hass macht hässlich". Ein anderes Plakat hatte der MDR in seinem Bericht retuschiert. © picture alliance/dpa

Der MDR steht nach einem Bericht über den Neonazi-Aufmarsch und die Gegendemonstrationen am Samstag in Dresden in der Kritik. Der MDR Sachsen berichtete in der Sendung „Sachsenspiegel“ über die Geschehnisse und entfernte dabei das Gesicht von Hitler-Attentäter Georg Elser von einem der Transparente.

Ein Twitter-Nutzer konfrontierte den Sender damit: „Ohne redaktionellen Hinweis wurde von Ihnen der Inhalt eines Transparentes bei #dd1502 herausretuschiert. Warum verändern Sie willentlich ohne Hinweis den Inhalt des Transparentes?“, fragte der Nutzer.

MDR reagiert auf sozialen Medien und spricht von „Fehler“

Der MDR reagierte in mehreren Tweets. Der Sender sprach zunächst von einem „Fehler in der Bildbearbeitung“. Es habe keinen redaktionellen Anlass für die Retuschierung gegeben.

Eine Antwort, die allerdings viele Twitter-Nutzer nicht zufriedenstellte: „Bei Ihnen wird ein Transparent, das einen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zeigt, wegen eines „Fehlers in der Bildbearbeitung“ so retuschiert? Können Sie den Bildbearbeitungsprozess mal darlegen? An welcher Stelle der Bearbeitung kann ein solcher Fehler passieren?“, fragte etwa die Grünen-Politikerin Charlotte Obermeier.

MDR Sachsen: Nachrichtenmagazin-Redaktion entschuldigt sich

Später antwortete der MDR noch ausführlicher auf die Kritik, schrieb unter anderem: „Die Grafik sollte ein allgemeines Hintergrundbild für die Moderationen zum Demonstrationsgeschehen in Dresden finden. Der Grafiker hat auf der Suche nach einem Bild versucht, das Foto so zu bearbeiten, dass es in den dafür vorgesehenen Rahmen passte. Das geschah ohne Rücksprache mit der Redaktion. Wir hätten aus redaktioneller Sicht diese Bearbeitung nicht geduldet“, so der MDR.

Und weiter: „Das ärgert uns besonders, da Hörfunk, Fernsehen und Online von MDR Sachsen an diesem Tage sehr umfangreich von den Demonstrationen berichtet hat und damit auch ein Bild eines weltoffenen Dresden transportiert hat. Der Vorgang wurde heute mit dem Grafiker ausgewertet. Die Redaktion des Sachsenspiegels bedauert den Vorgang und entschuldigt sich.“

Georg Elser hatte 1939 ein Bombenattentat gegen Adolf Hitler verübt, der diesen Angriff jedoch überlebte. Elser gilt seitdem als Symbolfigur für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

RND/lth