Bei „Schwerindustrie Reloaded“ der Gertrud-Bäumer-Realschule trifft Kunst auf Geschichte

dzHoesch-Museum

Auf den Bildern dampfen die Schornsteine auf dem Hoesch-Gelände noch. Des Unternehmens, der einen ganzen Stadtteil geprägt hat. Durch Kunst lernen Neuntklässler diese Geschichte nun kennen.

Nordstadt

, 28.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Senem Nur Turhan ist Nordstädterin durch und durch. Ihr Opa arbeitete als Gastarbeiter auf der Westfalenhütte, sie besucht hier die Gertrud-Bäumer-Realschule. Doch nun hat sie ihr Quartier auf eine andere Weise kennengelernt. Nämlich künstlerisch.

Denn Senem belegt im Hauptfach Kunst. Fünfmal die Woche hat sie in diesem Halbjahr Unterricht in dem Fach. Und die haben die Realschülerin und ihre 22 Mitschüler genutzt und teilweise im Hoesch-Museum an der Westfalenhütte verbracht. Genau da, wo ihr Großvater früher gearbeitet hat, bei Hoesch.

Seit 2017 hat die Gertrud-Bäumer-Realschule mit dem Hoesch-Museum eine Kooperation. Zum zweiten Mal fand nun ein Kunstprojekt mit anschließender Ausstellung statt. Diese startet am Montag (29. April). Zu sehen sind 23 Bilder der Schüler, in denen sie sich künstlerisch mit der Geschichte ihres Viertels, der Nordstadt, auseinandersetzen.

Bei „Schwerindustrie Reloaded“ der Gertrud-Bäumer-Realschule trifft Kunst auf Geschichte

Von den Originalen (l.) aus der Ausstellung und dem Depot des Hoesch-Museums sollten die Schüler Verfremdungen anfertigen. © Verena Schafflick

Drei Themenstränge hat Lehrerin Daniela Leliwa ausgesucht, zwischen denen die Schülerinnen und Schüler sich entscheiden konnten. Zum einen konnten sie Bilder aus dem Depot „verfremden“. Aus vier Originalen zeichneten die Schüler abstrakte Linienzeichnungen. Im Fokus steht hierbei die Perspektive, ein Unterrichtsthema aus dem Vorjahr.

Als zweites Thema konnten die Neuntklässler Ausstellungsstücke wählen. „Die Schüler sollten sich mit dem Umfeld und Hoesch in der Nordstadt auseinandersetzen“, erklärt Leliwa. Manche der Schüler gaben ihren Bilder sogar Namen oder schrieben einen Kommentar zu ihrer Inspiration. So schrieb Celina zu ihrer Grafik: „Ich habe das Bild gewählt, da es für mich eine perspektivische Herausforderung gewesen ist.“

Einfach kreativ sein

Senem Nur Turhan wählte das dritte Thema: Sie wählte ein Foto aus der Nordstadt, das einer ihrer Mitschüler aufgenommen hat. Es war nur ein Ausschnitt. Das Drumherum sollten die Schüler sich selber ausdenken. Ihr Foto wurde scheinbar in einer Halle aufgenommen, an den Wänden sind Graffiti. Mehr weiß Senem nicht. „Ich weiß nicht, wo das Bild aufgenommen wurde.“ Natürlich sei sie neugierig gewesen, den Ort zu finden. Aber sie fand es auch gut, einfach kreativ sein zu können.

Zuerst hat der Kunstkurs mit 23 Schülerinnen und Schülern sich das Museum erschlossen. Anschließend hat man sich das Leben der Arbeiter angesehen. Lag beim ersten Projekt im Vorjahr der Fokus noch auf der Geschichte, sollten die jungen Künstler sich in diesem Jahr eher mit der Geschichte auseinandersetzen.

Das Interesse wecken

Museumsleiterin Isolde Parüssel zeigt sich begeistert von den Werken. „Es ist schön, dass die Schüler sich mit der Geschichte auseinandersetzen. Und natürlich freue ich mich, wenn gerade Jugendliche in das Museum kommen.“ Ähnlich sieht es der Vorsitzende der Freunde des Hoesch-Museums, Dr. Karl Lauschke: „Es ist toll, dass sich junge Menschen für die Stahlindustrie interessieren.“

Sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen war auch Senem wichtig. Gerade, weil eben auch ihr Opa damals aus der Türkei nach Deutschland kam, um auf der Westfalenhütte zu arbeiten. „Ich kannte viele Bauwerke nicht. Da war es voll schön, dass ich mal lernen konnte, was zu meiner Stadt gehört.“ Nicht nur Kunst habe sie zeichnen wollen, sondern auch die Geschichte zeigen. Mit einer Freundin sei sie deshalb auch mal während des Halbjahres-Projekts durch die Nordstadt gelaufen und habe Fotos gemacht. Somit passt auch der Name, dem sie ihrem Werk letztendlich gegeben hat: „Worker History“, zu deutsch: „Arbeitergeschichte“.

Die Ausstellung im Hoesch-Museum, Eberhardstraße 12, ist kostenlos und vom 30. April bis 2. Juni zu sehen. Eröffnung ist am Montag (29. April) um 18 Uhr. Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 13 bis 17 Uhr, donnerstags 9 bis 17 Uhr und sonntags 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es online.
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