Bei neuer Wohnung: LEG verspricht Miet-Rabatt für Corona-Helden

Coronavirus

Der Wohnungskonzern LEG verspricht Angehörigen bestimmter Berufsgruppen einen Rabatt, wenn sie eine Wohnung anmieten. Ein Mieterverein meldet hierbei gehörige Zweifel an.

Düsseldorf

von Dagobert Ernst

, 06.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Wohnungsunternehmen LEG gewährt jetzt Angehörigen von Berufsgruppen, die durch Corona besonders gefordert und gefährdet sind, einen Miet-Rabatt - wenn Angehörige dieser Berufe eine Wohnung bei der LEG neu beziehen. (Symbolbild)

Das Wohnungsunternehmen LEG gewährt jetzt Angehörigen von Berufsgruppen, die durch Corona besonders gefordert und gefährdet sind, einen Miet-Rabatt - wenn Angehörige dieser Berufe eine Wohnung bei der LEG neu beziehen. (Symbolbild) © Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Es geht um Ärzte, Pflegepersonal in Krankenhaus oder Altenheim, Polizisten, Supermarkt-Mitarbeiter oder Feuerwehrleute: Für den Wohnungskonzern LEG sind sie „Corona-Helden“. Bei ihnen will sich die LEG nun „für ihren Einsatz bedanken“. Mit einem Miet-Rabatt. Eine gute Sache? Es gibt auch Zweifel.

„Wer bis Ende September in eine LEG-Wohnung zieht, dem gewähren wir 20 Prozent Rabatt auf die monatliche Kaltmiete bis einschließlich September 2022“, sagt LEG-Sprecherin Sabine Jeschke auf Nachfrage. Beschlossen worden sei dies bereits zum Lockdown Anfang März. „Erst seit kurzem werben wir damit“, sagt Jeschke.

Miet-Rabatt der LEG gilt auch für Top-Wohnlagen

60 neue Mieter, die in den ausgewählten „Corona“-Berufsgruppen tätig sind, habe die LEG bis dato den Miet-Rabatt gewährt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben NRW-weit etwa 135.000 Mietwohnungen. Der Rabatt gelte nur beim Abschluss eines Neuvertrages, aber ohne örtliche Einschränkungen, „also auch in besonders gefragten Wohnlagen wie etwa in Köln oder Düsseldorf“, sagt Jeschke - „falls dort etwas frei wird“.

So löblich es klingt, beim Mieterverein Bochum hat man Zweifel an dem Angebot: „Beim Thema LEG schrillen bei uns die Alarmglocken“, sagt Sprecher Aichard Hoffmann. Zu oft zeige sich der Wohnungskonzern gegenüber Mietern von einer schlechten Seite, meint er. Laut Hoffmann ist die LEG bisher das einzige Wohnungsunternehmen, dass mit einem „Corona“-Rabatt um Mieter wirbt. Hoffmann: „Die LEG ist sicher kein Unternehmen, das etwas zu verschenken hat“, meint er.

Mieterverein: Mietpreise auf Immobilienportalen meist über dem Mietspiegel

Laut LEG beziehe sich der Nachlass auf den Mietpreis, der etwa in Immobilienportalen oder auf der eigene Website für freie Wohnungen angegeben ist: „Wir tricksen da nicht“, sagt die Sprecherin. Beim Mieterverein Bochum rät Sprecher Aichard Hoffmann generell dazu, „dass Mieter bei einem vermeintlichen Rabatt nicht blind zuschlagen.“

Regionale Erhebungen des Vereins würden immer wieder bestätigen, „dass die Mietpreise großer Anbieter, die bei Wohnungsangeboten auf Immobilienportalen aufgerufen werden, regelmäßig über dem örtlichen Mietspiegel liegen“ - in Bochum etwa meist zwischen 50 Cent und einem Euro je Quadratmeter Wohnungsfläche“, sagt Hoffmann: „Das war auch schon in Zeiten so, als der Mietmarkt noch entspannt war.“

Um die Höhe des Mietpreises zu bewerten, sollten Mieter den offiziellen örtlichen Mietspiegel heranziehen, am besten über den Internetauftritt der jeweiligen Kommune oder über den dortigen Mieterverein, rät Hoffmann: „Im Allgemeinen ist ein Mietspiegel auch für Laien verständlich“, meint er.

LEG: 850 Mieter machen von Miet-Stundung Gebrauch

Miet-Stundungen, auf die Mieter mit Zahlungsproblemen wegen der Corona-Krise jetzt ein Anrecht haben, sind unterdessen bei der LEG derzeit kein großes Thema, sagt Sprecherin Sabine Jeschke. Von den 135.000 Mietparteien in NRW hätten aktuell 850 eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen. Sie könnten, wie im Gesetz verlangt, Mietzahlungen aussetzen und die Zahlung bis Juni 2022 stunden.

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„Solange die Regierung nicht bereit ist, hier einen Hilfsfonds für Mieter in Not auszulegen, hilft das nicht viel“, kritisiert man beim Mieterverein Bochum. Man habe zuletzt „nur sehr vereinzelt“ Anfragen von Mietern zu dem Thema gehabt: „Die allermeisten versuchen, ihre Miete zu bezahlen und keine Schulden aufzuhäufen“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf WAZ.de.

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