Behörden schützen Kinder

von BöckmanH

, 29.07.2008, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

GERICHT. (wvb) "Unfassbar. Es geht hier doch nicht um einen Eierdieb, sondern um Sicherungsverwahrung." Im Prozess gegen einen vorbestraften Sex-Täter (48) aus Recklinghausen hat Verteidiger Heinrich Kill mit Kritik auf die Ablehnung seiner Beweisanträge reagiert.

Auf der Suche nach charakterschwachen Details im Leben des mutmaßlichen Vergewaltigungs-Opfers hatte der Anwalt zuletzt Einsicht in sämtliche Jugendamts- und Familiengerichtsakten gefordert (RZ berichtete). Sechs von sieben Kindern der Prostituierten (30) leben in Pflegefamilien. Doch gestern entschieden die Richter der auswärtigen Strafkammer: "Die Akten sind als Beweismittel unerreichbar."

Sowohl zwei Gerichtsdirektoren als auch ein Oberbürgermeister hatten das Akteneinsichts-Gesuch zurückgewiesen. Begründung: "Die schutzwürdigen Belange der Kinder sind von herausragendem Gewicht." Um die Intimsphäre der Kinder nachhaltig zu schützen, dürfen Akteninhalte aus nicht-öffentlichen Prozessen nicht über diesen Umweg Teil einer öffentlichen Gerichtsverhandlung werden. Verteidiger Kill: "Ich will den Kindern doch gar nichts. Es geht mir um deren Mutter und ihre Glaubwürdigkeit." Gegebenenfalls will er die Rechtmäßigkeit der Sperr-Erklärungen nun sogar erst vom Verwaltungsgericht überprüfen lassen. Der Rotlicht-Prozess könnte dadurch am Ende platzen. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die Prostituierte im April 2006 im Hinterzimmer einer Bar vergewaltigt zu haben.

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