Behandlungsfortschritt: Covid-19-Patienten müssen seltener auf die Intensivstation

Coronavirus

Bei der Therapie von Covid-19-Patienten gibt es deutliche Behandlungserfolge. Einige Ergebnisse stellten Experten auf einer Videokonferenz zur Lage auf den Intensivstationen vor.

Berlin

10.03.2021, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei der Therapie von Covid-19-Patienten gibt es deutliche Behandlungserfolge.

Bei der Therapie von Covid-19-Patienten gibt es deutliche Behandlungserfolge. © picture alliance/dpa/AP

Die Behandlung von Covid-19-Patienten gelingt immer besser. Während der zweiten Welle mussten anteilig weniger Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden als noch während der ersten. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt im Fachjournal „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlicht wurde.

Hauptautor ist Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN). Auf einer Videokonferenz des Science Media Center sprachen Karagiannidis und weitere Experten über Fortschritte bei der Therapie und die Lage auf den Intensivstationen.

Hatten während der ersten Welle noch 30 Prozent der ins Krankenhaus eingelieferten Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden müssen, waren es während der zweiten Welle nur noch 14 Prozent gewesen, also nur noch etwa halb so viele.

Weil insgesamt mehr Menschen erkrankten, gab es zwar während der zweiten Welle trotzdem mehr Covid-19-Intensivpatienten. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Patienten waren es aber weniger. Auch mussten anteilig weniger Patienten mechanisch beatmet werden.

Behandlung mit Dexamethason oft erfolgreich

Hauptursache der Therapieerfolge ist laut Karagiannidis die Behandlung der Patienten mit dem Cortison-Präparat Dexamethason, das er als „Gamechanger“ bezeichnete. In Studien hatte sich gezeigt, dass Dexamethason den Krankheitsverlauf bei schwer an Covid-19 Erkrankten günstig beeinflussen kann, daher wird es bei ihrer Behandlung inzwischen standardmäßig eingesetzt.

Bei den Therapiemöglichkeiten gibt es aber weiterhin auch Grenzen. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium seien Reparaturvorgänge in der Lunge stark beeinträchtigt, so Karagiannidis. Dann ließe sich mit Medikamenten nicht mehr allzu viel ausrichten. Von den Patienten, die mechanisch beatmet werden müssen, sterben daher immer noch etwa 50 Prozent, genauso viele wie zu Beginn der Pandemie.

Intensivmedizinische Maßnahmen nicht immer sinnvoll

Zahlen dazu, wo Covid-19-Patienten sterben, stellte Reinhard Busse vor, Mitautor der Studie von Karagiannidis und Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen der TU Berlin. Demnach sind etwa 25 Prozent der Coronatoten außerhalb des Krankenhauses gestorben, 30 Prozent auf der Intensivstation und 45 Prozent auf anderen Krankenhausstationen.

Karagiannidis verwies darauf, dass bei einigen hochbetagten Patienten mit Vorerkrankungen intensivmedizinische Maßnahmen „einfach nicht sinnvoll“ seien, und dann in Absprache mit den Patienten darauf verzichtet werde.

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Der Mediziner ging auch auf die aktuelle Situation der Intensivstationen ein. Obwohl dort momentan deutlich weniger Covid-19-Patienten gleichzeitig behandelt werden als noch zu Beginn des Jahres, sei die Zahl der freien Intensivbetten nicht merklich gestiegen.

Das liege daran, sagte Karagiannidis, dass jedes freie Bett gleich von anderen Patienten belegt werde. So seien zuvor einige weniger dringliche Operationen aufgeschoben worden und würden nun nachgeholt.

Gesamtzahl der Intensivpatienten zuletzt nicht mehr gesunken

Zuletzt sei die Gesamtzahl der Intensivpatienten mit Covid-19 allerdings nicht weiter gesunken, es zeichne sich vielmehr eine Plateaubildung ab. Dies sei „kein gutes Zeichen.“ Denkbar sei ein Zusammenhang mit der Ausbreitung der britischen Variante B.1.1.7. in Deutschland, so der Intensivmediziner. Daten aus Dänemark hätten gezeigt, dass diese womöglich zu mehr Krankenhausaufenthalten und einer höheren Sterblichkeit führen könnte.

Andreas Schuppert, Leiter des Lehrstuhls für Computational Biomedicine an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, präsentierte Hochrechnungen, denen zufolge bei Lockerungen Anfang März im Mai erneut eine hohe Bettenauslastung auf der Intensivmedizin zu erwarten wäre. Würden hingegen erst im April deutliche Lockerungen kommen, könne man mit den Impfungen eine neuen Infektionswelle aufhalten. Die Krankenhausauslastung wäre dann gut zu meistern.

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