Bedrohter Polizist in Oppenau: „Jederzeit damit gerechnet, dass ich sterben könnte“

Kriminalität

In Oppenau ist der 31-jährige Yves Rausch immer noch auf der Flucht. Der Flüchtige bedrohte einen Beamten mit einer scharfen Schusswaffe. Nun wurde bekannt, was der Polizist durchlebte.

Oppenau

14.07.2020, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hunderte von Beamten suchen weiter nach dem 31-Jährigen Yves Rausch, der vier Polizisten in Oppenau im Schwarzwald entwaffnet hat und seitdem auf der Flucht ist.

Hunderte von Beamten suchen weiter nach dem 31-Jährigen Yves Rausch, der vier Polizisten in Oppenau im Schwarzwald entwaffnet hat und seitdem auf der Flucht ist. © picture alliance/dpa

Bei ihrem Einsatz gegen den bewaffneten 31-Jährigen in Oppenau im Schwarzwald haben die Polizeibeamten nach den Worten von Polizeipräsident Reinhard Renter „alles richtig gemacht“. „Das höchste Gut ist unser Leben“, sagte Renter am Dienstag auf der Pressekonferenz in Oppenau.

Yves Rausch bedrohte nach Angaben von Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer einen der vier Beamten aus nächster Nähe mit einer scharfen Schusswaffe. In der Vernehmung nach der Tat sagte der Polizist: „Die Situation war für mich sehr bedrohlich. Er hat ja die Waffe direkt auf mich gerichtet. Ich habe jederzeit damit gerechnet, dass er schießen könnte und ich in dieser Hütte sterben könnte“, zitiert Schäfer den Beamten.

„Er war sehr gefasst“

Er sei kein Polizist, der auf die Tränendrüse drücken wollte. „Er war sehr gefasst, sehr beherrscht und sehr klar in seinen Aussagen“, erzählt der Oberstaatsanwalt. Die Waffe allein sei Drohung genug gewesen. Nur durch das besonnene Verhalten der Polizisten habe es keine Verletzten gegeben.

Die Polizei geht von einer längeren Suche nach dem 31-Jährigen aus. „Wir werden nicht nachlassen“, sagte der Polizeipräsident Reinhard Renter. „Wir haben einen langen Atem.“ Am Dienstag seien rund 200 Polizisten im Einsatz.

Wie konnte es dazu kommen, dass ein Mann vier Polizisten entwaffnen konnte? Yves Rausch hatte die Hütte widerrechtlich besetzt und sich dort häuslich niedergelassen, berichtet Schäfer. Die Beamten fanden einen Speer, Pfeil und Bogen, dazu trug der Flüchtige eine Weste mit Patronen. Den Aufforderungen der Polizisten, die Waffen auszuhändigen, sei er nachgekommen. Als die Beamten Rausch allerdings aufforderten, die Hütte im Wald zu verlassen, zog er eine Pistole, die die Polizisten zuvor nicht gesehen hatten.

Der 31-Jährige richtete die Waffe auf einen Beamten und forderte sie auf, ihre Pistolen niederzulegen. Weil die Beamten Angst um ihr Leben hatten, kamen sie der Aufforderung nach. Rausch flüchtete mit den Waffen in den Wald. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagt Renter über das Verhalten der vier Polizisten. Es sei eine lebensbedrohliche Situation gewesen.

Bis zu 440 Einsatzkräfte suchen nach dem bewaffneten Mann

Die Suche nach dem 31-Jährigen dauert seit Sonntag ohne wirklichen Fortschritt an. Im Einsatz waren am Tag der Tat 330 Einsatzkräfte, in der Nacht zu Montag 250. Am Montag sind 440 Kräfte auf der Suche gewesen, später in der Nacht waren es 200. Unter den Einsatzkräften sind unter anderem Beamte der umliegenden Polizeipräsidien, des SEK und der Bundespolizei. Renter stellt klar, dass die Reduzierung des Personals nicht die Suche herunterfahren soll. „Es werden personalintensive Maßnahmen reduziert“, erklärt er.

Die Suche nach dem Flüchtigen gestalte sich so schwierig, weil das Gelände unwegsam sei. Das Suchgebiet sei etwa 8,6 Quadratkilometer groß. Die Einsatzkräfte müssen dazu rund 300 Höhenmeter überwinden. Der 31-Jährige kenne sich zudem sehr gut in dem Gebiet aus.

„Er sieht sich selbst als Waldläufer, der auf sich alleine gestellt gut klarkommt“

Yves Rausch hält sich in und um Oppenau auf und ist dort wohl als „Waffennarr“ bekannt, erklärt Polizeipräsident Reinhard Renter. Er habe im Herbst seine Wohnung verloren, war seitdem obdachlos und arbeitslos. „Er sieht sich selbst als Waldläufer, der auf sich alleine gestellt gut klarkommt“, erklärt Renter. Rausch sei schon oft wegen Waffenvergehen aufgefallen.

Mitglied in einem Schützenverein oder Schießsportverein war er nie. Zuletzt wurde er im Jahr 2019 wegen unerlaubten Umgangs mit Sprengmitteln zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Hinweise auf eine politische Ausrichtung gebe es bei Rausch nicht. Auch das Motiv ist für die Polizei noch ein Rätsel.

Gegen Rausch liegt nun ein nationaler und europäischer Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung vor. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren. Die Polizei hat ein Hinweistelefon eingerichtet. Bürger, die Angaben zum Aufenthaltsort des Flüchtigen machen können, können die Ermittler unter 07 81/21 33 33 erreichen.

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