Für Bahnkunden kommt es auf der Strecke zwischen Lünen und Münster knüppeldick: Tausende Pendler müssen ab dem 6. Januar Umwege fahren oder auf Busse umsteigen. Freitag gab es wichtige Infos für Bahnfahrer.

Nordkirchen, Lünen, Werne, Herbern

, 06.12.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehr als 5300 Fahrgäste zählt die Eurobahn täglich auf der Strecke zwischen Münster und Dortmund. Ab Montag (6. Januar) müssen sich diese Menschen komplett neu orientieren. Der trockene Sommer hat dem Bahndamm derart zugesetzt, dass er aufwendig saniert werden muss. Die Folgen für die Kunden sind gewaltig.

Capelle, Ascheberg und Werne sind für acht Monate komplett vom Zugverkehr abgeschnitten. Dazu kommt, dass der Umstieg auf alternative Strecken oder Busse mit einigen Hindernissen und Problemen verbunden ist. Hier eine Übersicht.

Am Bahnhof Davensberg gibt es zu wenige Parkplätze

  • Bahnhof Davensberg: Die Verantwortlichen von Gemeinde und Bahn befürchten, dass die Parkplätze „nicht ausreichend sind“. Das Parken am Straßenrand wird „mit Strafe verboten. „Wir benötigen den Platz für die Busse“, sagt Michael Monreal von Keolis (Eurobahn). Zudem ist der Bahnhof nicht barrierefrei. Rollstuhlfahrer sollten sich deshalb andere Strecken suchen.

  • Bahnhof Ascheberg: Während der Arbeiten am Bahndamm kann der Bahnhof Ascheberg nicht angefahren werden. Parallel zu den Dammarbeiten laufen hier Straßenbauarbeiten. Die Ersatzbusse halten in Ascheberg am Altenwohnheim und am Bahnhofsweg.

Für Bürger in Capelle und Nordkirchen gibt es besonderen Service

  • Bahnhof Capelle: Die Bürger in Capelle haben während der Bauzeit einen Vorteil. Sie können in den acht Monaten zwar zum Bahnhof fahren und hier parken, müssen es aber nicht. Vielmehr können sie ganz auf das Auto verzichten und in Capelle-Dorf in den Ersatzbus einsteigen.

  • Neuer Halt in Nordkirchen: Eigentlich gibt es in Nordkirchen keine direkte Anbindung an das Bahnnetz. Doch der Ersatzbus wird in den acht Monaten Bauzeit zusätzlich am Rathaus halten. „Diese Touren haben keinen Einfluss auf die Touren des Bürgerbusses“, sagt Michael Monreal.

Schnelle Busse pendeln zwischen Werne und Davensberg

  • Schnellbuslinien: Ein weiteres Element des Ersatzverkehrs sind zwei Schnellbuslinien. So wird Werne ohne Zwischenhalt an den Bahnhof Davensberg angebunden. Um die Reisezeiten in Richtung Lünen und Dortmund zu verkürzen, gibt es zusätzlich eine Busverbindung von Davensberg über Ascheberg zum Bahnhof Selm.

  • Baustellen auf den Straßen: Um die Anschlusszüge sicher zu erreichen, hat es nach Auskunft von Keolis Abstimmungen mit den betroffenen Städten und Gemeinden. Es sei sichergestellt, dass in den acht Monaten auf den Strecken des Bus-Ersatzverkehrs keine Baustellen gibt.

Die Deutsche Bahn stellt ihre Sanierungspläne auf zwei Veranstaltungen im Detail vor.
  • Die erste Info-Veranstaltung findet am Dienstag, 10. Dezember um 11 Uhr im Stadthaus Werne, Konrad-Adenauer-Platz 1, statt.
  • Die zweite Info-Veranstaltung findet am Mittwoch, 11. Dezember um 18 Uhr im Bürgerforum im Rathaus Ascheberg, Dieningstraße 7 statt.
  • Die Veranstaltungen sind nicht nur für die Bürger der jeweiligen Stadt oder Gemeinde offen. Alle interessierten Bürger können zu den Terminen kommen.

Thomas Ressel (Nahverkehr Westfalen-Lippe) kündigt bei der Vorstellung der Pläne am Freitag in Münster einen „hochwertigen Schienenersatzverkehr“ an. Dazu gehöre, dass zunächst viele Ersatzbusse bereitstehen.

Sollte der Bedarf geringer sein, werde die Zahl der Busse reduziert. Die Zeiten für die Ersatzbusse sind aktuell noch nicht im Internet einsehbar. Hier müssen noch letzte Abstimmungen erfolgen.

Bahnkunden können alternative Strecken nutzen

Neben den Bussen können die Menschen auch ohne zusätzliche Kosten andere Bahnstrecken nutzen. Von Münster beispielsweise können Bahnkunden über Dülmen und Selm nach Lünen und weiter nach Dortmund fahren. Alternativ können sie auch über Hamm nach Dortmund fahren.

Notwendig werden die vielfältigen Ersatzverkehre, weil der Bahndamm auf zwei Abschnitten bei Werne und Ascheberg so schwer beschädigt ist, dass er auf einer Gesamtlänge von rund 5,5 Kilometern saniert werden muss.

Arbeiter müssen 8500 Stahlwände in den Boden rammen

Die entstandenen Risse sind bereits erfüllt worden. Ab Januar steht der Einbau von Spundwänden an. Zunächst einmal müssen die Arbeiter jedoch die Oberleitung zur Seite verschwenken, um den Einsatz der großen Ramm-Maschinen zu ermöglichen.

Dabei werden immer zwei Trupps im Einsatz sein, denn die Arbeiten an den beiden Dammabschnitten bei Ascheberg und Werne laufen parallel.

Markus Vierhaus von der Deutsche Bahn kündigte am Freitag an, dass nach der Baumaßnahme 8500 Stahlwände die Stabilität des Damms garantieren sollen. „Damit entsteht eine Gesamt-Stahlfläche von rund 70.000 Quadratmetern.“

Ein Vorteil dieser Sanierungsmethode ist dabei nach Auskunft der Bahn, dass bei dem seit Jahren geforderten zweispurigen Ausbau der Bahnstrecke die Spundwände stehen bleiben können.

Bahn leitet den Fernverkehr weiterhin um

Von den Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Münster und Dortmund sind jedoch nicht nur die Nahverkehrskunden betroffen. Auch im Fernverkehr gibt es Änderungen.

Züge der IC-Linie Hamburg, Bremen, Münster, Köln, Stuttgart verkehren über Gelsenkirchen und Essen. Sie halten nicht in Dortmund und auch nicht in Bochum, jedoch in Gelsenkirchen.

Güterverkehr nutzt Strecke seit Monaten nicht mehr

Züge der IC-Linie Hambrug, Bremen, Münster, Köln, Mainz, Nürnberg/Passau halten in beiden Richtungen in Dortmund. In südlicher Richtung entfällt der Halt in Hagen. Die anderen Fernverkehrslinien fahren die Städte unverändert an.

Diese Änderungen sind für die Bahnkunden allerdings nicht neu. Um den geschädigten Damm zu schonen, ist der Fern- und Güterverkehr bereits vor Monaten umgeleitet worden. Die Geschwindigkeit der Nahverkehrszüge ist auf einer Länge von insgesamt fünf Kilometern von 160 auf 70 Kilometer pro Stunde reduziert worden.

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In genau einem Monat starten die großen Bauarbeiten zwischen Münster und Dortmund. Eurobahn Betreiber Keolis gibt erste Informationen zum Schienenersatzverkehr bekannt. Von Sabine Geschwinder