Baby bekommt 2-Millionen-Euro-Spritze: Doch wer zahlt dafür?

Teuerstes Medikament der Welt

Die Eltern des vier Monate alten Luca haben vor Gericht erstritten, dass ihr Sohn das teuerste Medikament der Welt bekommt. Doch unklar ist, wer am Ende für die Kosten aufkommen muss.

Hannover

14.09.2020, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kurzer Pieks, langer Prozess.

Kurzer Pieks, langer Prozess. © picture alliance/dpa

Der Fall des kleinen Luca aus Niedersachsen beschäftigt weiter die Gerichte. Der vier Monate alte Junge, der an einer schweren Muskelschwäche, der sogenannten spinalen Muskelatrophie (SMA), leidet, hat am 12. August an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) das erst seit Juli in Deutschland zugelassene Medikament Zolgensma injiziert bekommen, wie die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” (HAZ) berichtet. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das mit einem Preis von rund 2 Millionen Euro als das teuerste Medikament der Welt gilt.

Dazu gekommen ist es laut der Zeitung erst unter gerichtlichem Druck. Die Eltern von Luca mussten sich demnach das teure Medikament für ihren Sohn i m Eilverfahren vor dem Sozialgericht Lüneburg erstreiten. Die zuständige Krankenkasse, die DAK-Gesundheit, zahlt nun zwar “vorläufig im vollen Umfang” – wie DAK-Sprecher Rainer Lange auf Anfrage der HAZ mitteilt. Doch wer am Ende dafür aufkommt, ist noch nicht endgültig geklärt.

DAK besteht auf weiteres Gerichtsverfahren

Denn: Die Kasse gibt laut HAZ nach dieser Gerichtsentscheidung nicht auf. Sie verkündete demnach zuerst dem Anwalt der Familie, Johannes Kaiser, sie wolle das Geld von dem kleinen Jungen zurück. In dem Eilverfahren sei nur geprüft worden, ob dem Versicherten durch die Verweigerung der 2-Millionen-Euro-Spritze unzumutbare Nachteile entstünden, die nach der Entscheidung in einem Hauptsacheverfahren nicht mehr beseitigt werden könnten, sagt DAK-Sprecher Lange. Über die Rechtmäßigkeit der Leistung werde erst im Hauptsacheverfahren entschieden.

Kurz darauf dann die Kehrtwende von Seiten der DAK: Eine Rückforderung der Behandlungskosten für Zolgensma brauche die Familie nicht zu befürchten, heißt es plötzlich gegenüber der HAZ. Die DAK-Gesundheit werde “einen juristischen Weg finden, um eine unzumutbare finanzielle Belastung der Familie zu vermeiden”. Wie das passieren soll, bleibt unklar. Denn auf den Prozess verzichten will die Kasse nicht.

RND/hsc