Tote Skiurlauber: Fahrer wollte sich nach Horror-Unfall offenbar umbringen

4 Tote aus NRW

Ein Auto rast in der Nacht zu Sonntag in Südtirol in eine Reisegruppe. Sechs Menschen sterben sofort. Vier der Opfer kommen aus NRW. Der betrunkene Fahrer ist nun in der Psychiatrie.

Aachen/Luttach

05.01.2020, 10:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tote Skiurlauber: Fahrer wollte sich nach Horror-Unfall offenbar umbringen

Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls. Die meisten Opfer stammen aus NRW. © Lino Mirgeler/dpa

Nach dem Tod von sechs jungen deutschen Skiurlaubern in Südtirol ermitteln die Behörden zu den Umständen des Unfalls und zur Geschwindigkeit des betrunkenen Fahrers. Vier der Opfer kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Der Fahrer, der laut Polizei 1,9 Promille Alkohol im Blut hatte, wurde inzwischen in die Psychiatrie verlegt. Italienische Medien hatten berichtet, der Mann aus der Region habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe.

Die vier Opfer aus NRW kommen nach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) aus unterschiedlichen Städten. „Es war eine gemeinsame Gruppe, aber es waren auch andere dabei, und nicht alle haben sich gekannt“, sagte Laschet am Sonntag in Aachen. Die Ermittler der Polizei machten die Identität der Toten bis zum Montag noch nicht offiziell bekannt.

Reiseveranstalter aus NRW - aber keine Gruppe

Der Reiseveranstalter komme wohl aus Nordrhein-Westfalen, aber „das ist nicht eine geschlossene Gruppe, das sind junge Leute, die gemeinsam Skiurlaub verbringen wollten in Südtirol, die wohl an dem Abend noch gefeiert haben, dann mit einem Shuttle in den Ort Oberluttach gefahren sind und dann beim Überqueren der Straße von dem Fahrzeug erfasst worden sind.“

Laschet bezeichnete das Geschehen als „schreckliche Tragödie“. Die Opferschutzbeauftragte des Landes werde nun den betroffenen Familien in NRW beistehen. Laschet dankte dem Landeshauptmann von Südtirol, den Rettungskräften, der Polizei, den Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern in Italien und Österreich.

Für die Familien der Opfer beginne das neue Jahr mit dem größtmöglichen Schrecken, sagte Laschet. „Ich kann das nachempfinden, weil auch meine eigenen Kinder oft im Skiurlaub mit einer Gruppe waren. Und wenn ich mir vorstelle, mich würde dann eine solche Nachricht ereilen, dann kann man nachempfinden, was im Moment die Eltern, die Geschwister, die Freunde in diesen Stunden empfinden.“

Sechs junge Menschen noch am Unfallort gestorben

Ein Auto war in Südtirol in eine deutsche Reisegruppe gefahren und hat sechs junge Menschen getötet. Die Urlauber im Alter zwischen 20 und 25 Jahren seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigte die Feuerwehr des Ortes.

Elf Menschen wurden verletzt, vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten. Einer von ihnen kämpfte im Krankenhaus in Innsbruck in Österreich ums Überleben.

Unter den Verletzten sind zwei Südtiroler, die übrigen stammen ebenfalls aus Deutschland. Der Fahrer des Unfallwagens habe nach einem ersten Test mehr als 1,9 Promille Alkohol im Blut gehabt. Ob es ein Atem- oder Bluttest war, war unklar.

Südtiroler Landeshauptmann: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“

Die Gruppe war in den Skiferien und in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Das Auto sei gegen 1.15 Uhr nachts in dem Ort Luttach im Ahrntal in die 17 Menschen gefahren, die an der Hauptstraße standen, teilte die Polizei mit. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus.

Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, Mitarbeiter des Generalkonsulats Mailand stünden im Kontakt mit den zuständigen italienischen Behörden, die mit der Identifizierung der Verunglückten befasst sind und unterstützten bei der Betreuung der Betroffenen. Der deutsche Botschafter in Italien, Viktor Elbling, war unterwegs zur Unfallstelle.

Autofahrer festgenommen

Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

Der 27 Jahre alte Autofahrer überlebte und wurde festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Ihm werde mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun nicht nur, ob der Mann im Rausch war, sondern auch, ob er zu schnell unterwegs war.

„Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“

160 Einsatzkräfte waren vor Ort. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr schilderte der „Tageszeitung Online“ schlimme Szenen: „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“ Die Polizei ermittle den Hergang des Unglücks, hieß es beim Landeskommando der Carabinieri. In der Gruppe hätten sich nicht alle untereinander gekannt, und nicht alle hätten Dokumente bei sich gehabt, hieß es bei der Polizei.

Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

Bürgermeister von Luttach: „Wir sind fassungslos“

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer „Katastrophe“, wie sie das Tal noch nie erlebt habe. „Wir sind fassungslos“, sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Gleichzeitig rief er zu einer „fairen Berichterstattung“ auf, dass der Unfall keinen „großen Schatten für die Zukunft auf unsere Talschaft wirft“.

Klagen über mangelnde Kontrollen

In dem Ort gab es nach dpa-Informationen seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen. Erst vergangenes Wochenende kamen bei einem Lawinenunglück in Südtirol drei Deutsche ums Leben.

dpa