Ausstellung: Mao und die 100 Blumen

HAMM In Zeiten, in denen "Tibet" eines der viel gedruckten Wörter in den Medien ist, traut sich das Lübcke-Museum in Hamm an ein brisantes Thema: Mao Zedong.

von Von Elisabeth Brenker

, 13.07.2008, 14:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ren Rong: Maozedong, 2007  (Holz / Foto / Lack).

Ren Rong: Maozedong, 2007 (Holz / Foto / Lack).

30 Jahre lang hielt er in China jeden Faden in der Hand. Im Westen steht sein Antlitz für Unterdrückung, in China ist er bis heute angesehen. Die Ausstellung "Mao und die 100 Blumen" zeigt Werke des in Ninjang geborenen und in Deutschland lebenden Künstlers Ren Rong. Seine Motive: Wahlplakate von Mao. Immer lächelnd, immer freundlich. "Wie jeder Diktator wusste auch Mao sich darzustellen", sagt Museumsleiterin Ellen Schwinzer. Auf den ersten Blick also alles ganz nett. Auf den zweiten aber eher bedrohlich.

Ren Rongs Markenzeichen sind Pflanzenmenschen: Merkwürdige Kreaturen, die sich auch um Mao ranken. Sie schlingen sich um seinen Hals oder wachsen aus seinem Mund. Ihre Blüten erinnern an Köpfe mit aufgerissenen Mündern. Ob sie lachen oder schreien, man erkennt es nicht. Das verleiht ihnen und Mao etwas Unheimliches. Eine subtile Kritik versteckt sich darin. So sieht es der Betrachter.

Für Ren Rong selbst sind die Bilder aber vor allem autobiografisch. "Meine Eltern waren Mao-Anhänger. Das einzige Bild bei uns ist von ihm", erzählt er. Dieses Gesicht hat seine Kindheit geprägt. Der Strahlemann, nicht der Unterdrücker. Für China ist Mao kein Diktator, sind Rongs Bilder nicht politisch. Der zweite Blick ist typisch westlich, vielleicht typisch deutsch. Ren Rong will mit seinen Bildern verbinden, doch ihr Reiz besteht in der Ungleichheit der Wahrnehmung.

Gustav-Lübcke-Museum, Neue Bahnhofstraße 9: Mao und die 100 Blumen, bis 17.8., Di-Sa 11-18 Uhr, So 10-18 Uhr.

Lesen Sie jetzt