ARD-Reporter wird auf Querdenken-Demo beworfen und bricht Interview ab

Coronavirus

Während einer Live-Schalte in den Nachrichten von „Tagesschau24″ ist SWR-Korrespondent Thorsten Denzel bedroht und beworfen worden. Videos auf Twitter zeigen Überfälle auf Journalisten.

Stuttgart

03.04.2021, 20:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zahlreiche Menschen nehmen an einer Demonstration der Initiative ,,Querdenken" teil und ziehen mit Ziel Cannstatter Wasen durch die Stuttgarter Innenstadt .

Zahlreiche Menschen nehmen an einer Demonstration der Initiative ,,Querdenken" teil und ziehen mit Ziel Cannstatter Wasen durch die Stuttgarter Innenstadt . © picture alliance/dpa

In einer aktuellen Ausgabe der Tagesschau auf dem ARD-Spartensender „Tagesschau24″ wurde Reporter Thorsten Denzel vor laufender Kamera bedroht. „Es werden hier Steine geworfen. Ich glaube, wir müssen die Live-Schalte abbrechen“, sagte der Reporter in Richtung von Tagesschau24-Moderator Michail Paweletz.

Dieser antwortete: „Dann brechen wir ab. Bringen Sie sich in Sicherheit, Herr Denzel, vielen Dank.“ Zu sehen ist das Gespräch in der um 17.22 Uhr ausgestrahlten Sendung. Ein Video aus einer anderen Perspektive zeigt, wie ein Gegenstand an dem Reporter vorbeifliegt.

Mitschnitte der Live-Schalte werden seither Dutzendfach in den sozialen Medien geteilt. „Bin fassungslos, dass die Polizei es zulässt, dass Journalisten die Berichterstattung abbrechen müssen, weil Steine geworfen werden & sie sich in Sicherheit bringen müssen“, schreibt Autorin Katharina Nocun auf Twitter.

In Stuttgart hatten sich am Samstag nach Angaben der Polizei mehr als 10.000 Menschen versammelt, um gegen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Sie waren einem Aufruf der Querdenker-Bewegung gefolgt. Erwartet worden seien auf den Cannstatter Wasen 2500 Teilnehmer. Es gab gleich mehrere Fälle, in denen Journalisten der ARD angegriffen wurden.

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So wurden auf Twitter Videos verbreitet, in denen Demonstranten einem Fernsehteam mehrfach „Lügenpresse“, „Abschaum“, „Ihr seid Dreck“ und „Drecksschweine“ entgegen brüllt. Zudem soll ein Demonstrant versucht haben, einen Journalisten aus Dortmund zu schlagen, was ein weiteres Video belegt. Die Polizei teilte auf Twitter bereits mit, dass man den mutmaßlichen Täter identifiziert habe.

Der Journalistenverband DJV kritisierte auf Twitter: „Dieses Gewaltpotenzial ist alarmierend! Wo ist da die @PP_Stuttgart? Drohungen und Angriffe gegen Journalist*innen müssen konsequent geahndet werden. Die Polizei ist auch dazu da, die #Pressefreiheit zu schützen.“ Gegenüber „Spiegel Online“ sagte DJV-Chef Frank Überall, dass die Polizisten „nichts für den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen unternehmen“.

Im Zuge der Querdenken-Demo in Stuttgart wurde die Polizei vor allem auf Twitter mehrfach scharf kritisiert. So machten Bilder die Runde, wie ein Polizist einen Querdenken-Ordner per Handschlag begrüßte. Die Polizei Stuttgart twitterte hierzu. dass ein Versammlungsteilnehmer „nach einem Gespräch dessen Hand“ ergriffen haben soll und „in die Höhe streckte“.

Zudem sei die Polizei nicht hart genug gegen die Demonstranten, weitestgehend ohne Schutzmaske unterwegs und damit gegen Corona-Auflagen verstoßend, vorgegangen, heißt es weiter.

RND/msk/pach

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