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Anne-Frank-Film ist kaum mehr als Geschichtsunterricht

Im Kino

Sie starb mit 14 Jahren in Bergen-Belsen und fragte sich, ob ihre Aufzeichnungen je gelesen würden. Heute ist "Das Tagebuch der Anne Frank" in etwa 70 Sprachen übersetzt und zählt zu den wichtigsten Zeugnissen über das Leben im Schatten des Holocaust.

03.03.2016 / Lesedauer: 2 min
Anne-Frank-Film ist kaum mehr als Geschichtsunterricht

Lea van Acken als Anne

Das Buch ist das Vermächtnis eines sensiblen Mädchens, das erstaunlich hellsichtig über sich, die Welt, die Liebe, Gott und Schicksal nachdachte. Regisseur Hans Steinbichler ("Winterreise") hat den Stoff nun verfilmt, das Drehbuch stammt von Fred Breinersdorfer ("Elser").

Überzeugende Darstellerin

In Lea van Acken fand Steinbichler eine Darstellerin, die Annes Reifung zum trotzig verliebten Teenager überzeugend auf die Leinwand bringt. Wäre Steinbichler nur dichter an der Empfindungswelt dieser Kindfrau geblieben, es hätte ein großer, vitaler Film werden können.

Letztlich krankt "Das Tagebuch der Anne Frank" daran, dass Regie und Buch der Mumm fehlt, konsequent aus Annes Sicht zu erzählen. Stattdessen wird (wie im Geschichtsunterricht) die Faktentreue hochgehalten, chronologisch protokolliert und beflissen illustriert, was Leser ohnehin wissen.

Kein Platz für Stress

Die Franks, in Amsterdam gestrandet, beschließen abzutauchen und in das Versteck in der Prinsengracht zu ziehen. Ausstatter haben den geheimen Zugang hinter einem Schrank rekonstruiert, auch die 50 Quadratmeter, auf denen acht Menschen jahrelang leben. Wie hat sich das angefühlt? Menschen riechen, sie schnarchen, sind gereizt, wenn sie aufeinander hocken und keinen Mucks von sich geben dürfen.

Für Klaustrophobie und Stress findet der Film keine Sprache und keine Bilder. Mehr Lebenssaft bei weniger dokumentarischer Nachstellung hätte gut getan. Ulrich Noethen spielt Annes Vater, Martina Gedeck die Mutter, Stella Kunkat ihre Schwester. Es lässt uns nicht kalt, wenn Soldaten durchs Haus poltern und die Franks abführen. Um aber ein Leben in Enge und Gefahr seelisch aufzubrechen, bedarf es mehr als wackerer Schauspieler und eingestreuter Tagebuch-Zitate.