Anfangs kein Impfstoff für alle: Diese Personengruppen sollen bevorzugt werden

Coronavirus

Die Bundesregierung und Vertreter aus der Wissenschaft gehen davon aus, dass bald erste Corona-Impfstoffe zur Verfügung stehen. Klar ist: Ausreichend Impfdosen für alle gibt es zu Beginn nicht.

09.11.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Höchstwahrscheinlich wird nicht sofort für alle Bevölkerungsgruppen ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen.

Höchstwahrscheinlich wird nicht sofort für alle Bevölkerungsgruppen ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen. © picture alliance/dpa

Wissenschaftliche Regierungsberater haben Vorranggruppen bei der Priorisierung eines Impfstoffes gegen Covid-19 definiert. Demnach haben Personal aus dem Gesundheitswesen und Menschen aus Risikogruppen zuerst Anspruch auf eine Impfung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass bei erfolgreich abgeschlossener Phase-III-Studie Ende 2020 beziehungsweise Anfang 2021 ein Impfstoff-Kandidat zugelassen wird - und damit auch die Impfkampagne starten kann.

Die Parameter für die ethischen Rahmenbedingungen seien Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Die Kriterien haben der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission in einem Positionspapier erarbeitet und bei einer Pressekonferenz am Montag vorgestellt.

Vier primäre Impfziele

„Anfangs können wir nicht alle mit einem Impfstoff versorgen“, betonte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Es gebe vier primäre Impfziele: die Verhinderung schwerer Fälle, der Schutz von Personen mit hohem Ansteckungsrisiko bei der Arbeit, die Verhinderung der Übertragungen und die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens.

„Eine Priorisierung von Personengruppen leitet sich nicht nur aus medizinischen und epidemiologischen Parametern ab“, so Buyx. Auch ethisch-rechtliche Grundsätze müssten beachtet werden.

Mit Blick auf die Dringlichkeit der Pandemie macht das Gremium gemäß grober Richtlinie drei Gruppen aus, die zuerst Anspruch auf eine Impfung haben:

  • Personen mit signifikant erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf
  • Mitarbeiter im Gesundheitssystem, die ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Infektion haben und Multiplikatoren in den Einrichtungen und in der Gesellschaft sein könnten
  • Für das Gemeinwesen relevante Personen in der Daseinsvorsorge, insbesondere wenn sie direkten Risikokontakt haben: also beispielsweise aus Gesundheitsämtern, Feuerwehr, Schulwesen

Corona-Impfzentren in den Bundesländern geplant

Auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesressortchef Jens Spahn (CDU) am Freitag geeinigt. Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten.

Die Impfstoffe sollen den Angaben zufolge durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden. In dem Beschluss ist auch festgehalten, dass die Impfung freiwillig erfolgt.

Künstliche Herdenimmunität nicht im Jahr 2021

Über solche Impfzentren sei auch eine zentrale Dokumentation gewährleistet, durch die etwaige Nebenwirkungen zurückgemeldet werden könnten, erklärte der Stiko-Vorsitzende und Virologe Thomas Mertens vergangene Woche in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die ethischen Rahmenbedingungen seien derzeit noch sehr allgemein formuliert. Die Stiko werde sich noch mit den Details beschäftigen müssen.

Derzeit fehlten noch wesentliche Daten aus den Phase III-Studien der aussichtsreichen Kandidatenimpfstoffe der Hersteller Biontech und AstraZeneca. Diese Informationen seien für die ganz konkreten Angaben der prioritär zu impfenden Personengruppen ganz entscheidend, so Mertens.

Eine künstlich hergestellte Herdenimmunität im Jahr 2021 ist dem Virologen zufolge unrealistisch. Dafür bräuchte es mindestens 50 bis 60 Millionen Geimpfte, also rund 60 Prozent der Bevölkerung. Es werde noch lange dauern, bis sich die Bevölkerung wieder wie 2019 verhalten könne. „Der Beginn einer Impfkampagne bedeutet nicht, dass für die Menschen plötzlich keine Infektionsschutzmaßnahmen mehr gelten – wie Maske tragen, Abstand halten, Handhygiene, Lüften“, betonte Mertens.

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