In Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Dortmunder Opernhaus sind die Sänger Marionetten. Wir haben uns die Oper von oben angeschaut – aus der Sicht der beiden Puppenspielerinnen.

Dortmund

, 19.11.2018 / Lesedauer: 4 min

Nur 60 mal 400 Zentimeter groß ist der Arbeitsplatz von Veronika Thieme und Julia Giesbert. Und ganz schön hoch gelegen. Sechs Meter über der Bühne des Dortmunder Opernhauses hängt das Podest, von dem die beiden Puppenspielerinnen in Martin G. Bergers Inszenierung von Rossinis „Barbier von Sevilla“ die Puppen tanzen lassen.

Schwindelfrei sollte man sein

Es ist warm dort oben vor den Schweinwerfern, die die Bühne von hinten anstrahlen. Und auch schwindelfrei sollte man sein. Im Orchestergraben dirigiert Motonori Kobayashi die Ouvertüre. Die vier Statisten, die mit Masken auf dem Kopf gleich in den Frisierstühlen Platz nehmen, tanzen sich warm, die Sänger haken die Seile ein, an denen sie wie Marionetten über die Bühne urmeln.

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Der Barbier von Sevilla aus Sicht der Puppenspielerinnen

19.11.2018
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Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch
Die Puppenspielerinnen Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen am Theater Dortmund die Marionetten tanzen - in luftiger Höhe.© Sarah Rauch

Veronika Thieme und Julia Giesbert sortieren die Fäden ihrer Figuren. Vier sind es in dieser originellen Inszenierung: eine große, goldene Putte, die in ihrer Faust Rosina den Liebesbrief des Grafen übergibt, die Schlange, die an Rosinas Kleid hängt, das Skelett, das am Ende des ersten Aktes auf einem goldenen Berg tanzt, und Handpuppe Lotte, das Haustier von Basilio. Das spielen die Puppenspielerinnen auf der Bühne.

Der Engel fliegt

Tenor Sunnyboy Dladla wird zum Podest der Puppenspielerinnen hochgezogen. Gleich wird er als Marionette und Graf von oben auf die Bühne fliegen. Veronika Thieme und Julia Giesbert lassen die Puppen mit dem Rücken zum Publikum tanzen, das spiegelverkehrte Spiel erschwert die Sache, aber dafür sehen die Puppenspielerinnen die Sänger fast noch von vorne.

Im Saal hebt sich der Vorhang, das Licht geht an. Figaro singt seine Arie und wuselt zwischen den Statisten mit den Masken auf den Frisierstühlen herum. Julia Giesbert und Veronika Thieme bringen die Putte in Position. Acht Kilo wiegt der Engel, den die beiden an einem stabilen Holzkreuz ohne Handschuhe bewegen. „Weil wird dann mehr Fingerspitzengefühl haben“, erklärt Veronika Thieme. Die Figur ist mit einem Gegengewicht beschwert, damit sie nicht abstürzen kann. Aber um den Engel von einer Bühnenecke zur anderen fliegen zu lassen, müssen die Spielerinnen auf dem Podest viel laufen und hart arbeiten. Geschafft. Die Luftpost ist gut angekommen. Weiter geht‘s.

Handschuhe schützen die Finger

Handschuhe an, damit die Fäden nicht in die Finger schneiden. Rosina singt ihre Arie, von der Unterbühne lassen die Puppenspielerinnen die Schlange auf die Bühne kriechen. Mit den Stabpuppen, die aus Luken im Bühnenboden schauen, und den Masken auf den Frisierstühlen haben sie nichts zu tun. Die führen Statisten.

Auch die Sänger bewegen sich an ihren Stahlseilen eigenständig. Sie hängen an Rollen in zwei Schienen – der Regisseur musste genau festlegen, wer wem wann begegnet. Denn aneinander vorbei laufen können in den beiden Schienen immer nur zwei Sänger.

Das Skelett tanzt

Es läuft wie am Schnürchen. Die Puppenspielerinnen sind ein eingespieltes Team. Sie kennen sich seit dem Puppenspiel-Studium an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin, auch Puppenbauerin Rachel Pattison, die die Figuren für die fantasievolle Inszenierung entworfen hat, hat dort studiert. Julia Giesbert arbeitet freischaffend als Puppenspielerin, hat in München auch ein eigenes Programm und ein Kinderstück herausgebracht. Auch Veronika Thieme präsentiert in Hamburg und Weimar eigene Puppentheater-Programme.

Gleich kommt die nächste große Szene, die von Figaro und dem Grafen auf einem goldenen Berg. Ein Skelett lungert dort herum, Veronika Thieme und Julia Giesbert bringen es zum Tanzen. Und dabei tanzen sie auf ihrem Podest genau so wie das Skelett auf der Bühne – wild und ausgelassen. Eins zu eins übertragen die Fäden Hüftschwünge und Armbewegungen der Puppenspielerin auf die Figur. Es wackelt etwas auf dem Podest, ist aber wirkungsvoll. Das Publikum hat Spaß – dieser „Barbier“ aus der Opern-Puppenkiste ist ein Vergnügen für alle Generationen. Immer wieder stehen auch Sänger, die Pause haben, an der Seitenbühne und schauen schmunzelnd zu.

Die Raupe kriecht

Das Skelett ist wieder auf dem Podest verstaut, jetzt muss es schnell gehen. Veronika Thieme rennt leise ins Treppenhaus, ein paar Etagen hinunter zur Seitenbühne. Es gibt auch einen Fahrstuhl, aber es ist im Theater verboten, ihn während einer Vorstellung zu benutzen, weil er stecken bleiben könnte und der Auftritt gefährdet wäre.

Veronika Thieme hat es geschafft, sie greift sich Handpuppe Lotte und kriecht mit der Raupe über die Bühne und beäugt das irrwitzige Experiment, das Tüftler Basilio vorführt. Da ist die Puppenspielerin für das Publikum zum ersten Mal zu sehen – in schwarzer Kleidung. Die Spielerinnen wechseln sich bei dem Bühnenauftritt ab, und es gibt einen weiteren Auftritt für Lotte im zweiten Akt.

Graf hat die Fäden abgeschnitten

Da haben Veronika Thieme und Julia Giesbert wenig zu tun. Der Graf hat am Ende des ersten Aktes den Marionetten die Fäden abgeschnitten. Nun müssen sie sehen, wie sie alleine mit der Freiheit klar kommen. Das gelingt nicht, und so hängen sie am Schluss wieder an den Fäden und sind so glücklich wie die Kinder und Erwachsenen im Publikum. Veronika Thieme und Julia Giesbert haben da schon die Puppen in der Requisite verstaut – für die nächste Vorstellung hoch unter dem Opernhaus-Dach.

Termine: 1./9./ 21./26.12., 2. /24. 2., 2. 3.; Karten: Tel. (0231) 5027222 oder www.theaterdo.de