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Christian Weiper leitet Heeresmusikkorps

Interview

Der Musikverein Wüllen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Das Jubiläumswochenende wird am Freitag, 8. Juli, mit Benefizkonzert des Heeresmusikkorps 10 aus Ulm, eröffnet. Chef des Musikkorps ist Christian Weiper aus Wessum, der seit 2010 zugleich auch Dirigent des Musikvereins Wüllens ist. Stefan Grothues sprach mit dem 43-Jährigen Vollblutmusiker.

WÜLLEN/WESSUM

von von Stefan Grothues

, 25.05.2011

(lacht) Nein, das noch nicht. Aber klar, ich würde es, wenn es gewünscht wird. Beim großen Zapfenstreich dürfen sich die Geehrten Musiktitel aussuchen. Und die stammen immer häufiger aus dem Popbereich, so wie der Wunsch von zu Guttenberg. Das für unser Orchester ungewöhnlichste Stück aber war „Die Himmel rühmen“, ein Liederzyklus von Beethoven.

Das glaube ich nicht. Aber wir müssen uns tatsächlich Gedanken machen, wie wir nach Abschaffung der Wehrpflicht junge Musiker auch als Freiwillige für unser Musikkorps gewinnen können. 48 der Musiker sind Zeit- und Berufssoldaten, 15 sind Wehrpflichtige. Diese Stellen waren bislang immer sehr begehrt. Viele Wehrpflichtige haben sich zum Vorspiel gemeldet. Dieser Strom wird wohl versiegen. Wir werden die jungen Musiker jetzt selbst abholen müssen.

Ja. Ich bin 1987 als Wehrpflichtiger eingezogen worden und habe als Trompeter beim Heeresmusikkorps 100 in Münster – das gibt es heute gar nicht mehr – gespielt …

Den Wunsch hatte ich schon mit zehn – also eigentlich seit ich Trompete spiele. Sind Sie denn nach Ihrer Wehrpflicht direkt bei der Bundeswehr „kleben“ geblieben? Ich habe mich für drei Jahre verpflichtet. Dann habe ich aber erst zivil studiert: Trompete in Münster und Dirigat in Enschede. Und nach dem Studium war ich auch zivil tätig: Als Lehrer an der Musikschule in Ahaus und als Musikschulleiter in Havixbeck. Dann folgten zwei Polizeiorchesterstationen: 2001 in München beim Bundesgrenzschutz-Orchester und danach als Dirigent des Landespolizeiorchesters in Wuppertal. 2004 hat dann die Bundeswehr bei mir angefragt und ich wurde zweiter Offizier beim Heeresmusikkorps in Düsseldorf – und seit 2006 Chef des Heeresmusikkorps 10 in Ulm.

Ja, es gibt einen großen Unterschied: Polizeiorchester sind ausschließlich ein Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. Unser Auftrag als Heeresmusikkorps ist zusätzlich auch die Truppenbetreuung. Das können festliche Gelegenheiten wie Gelöbnisse oder der Große Zapfenstreich sein – aber auch traurige Anlässe, wenn wir zum Beispiel einen Trommler und einen Trompeter zum kleinen Ehrengeleit für gefallene Soldaten abstellen müssen.

Ja, ein paar militärische Grundfertigkeiten werden tatsächlich geübt: Schießen, Leistungsmärsche und Sportabzeichen gehören dazu. Vor allem aber die Sanitätsausbildung. Im Verteidigungsfall, so ist es vorgesehen, werden die Musiker als Sanitäter eingesetzt.

Ja sicher. Ich leite ja eine eigene Dienststelle und bin nicht nur Dirigent. 50 Prozent meiner Arbeit sind Bürotätigkeiten. Dazu kommen die Orchester- und Registerproben. Und natürlich die rund 150 Veranstaltungen und Konzertreisen im Jahr, Militärmusikschauen, Fußballländerspiele und 35 Konzerte für wohltätige Zwecke – so wie am 8. Juli in Wüllen.

Von ällem ebbes! So sagt man in Ulm: Von allem etwas. Im ersten Teil Sinfonisches und Klassisches, im zweiten Unterhaltungsmusik, auch aus dem Popbereich.

(lacht) Da kommt ja die Leitung der Grenzländer Musikanten hinzu. 15 Jahre lang habe ich den Wessumer Musikverein geleitet – bis 2006. Das hat mir immer Spaß gemacht. Und die Freude an der Arbeit mit den nebenberuflichen Musikern hat mir einfach gefehlt. Sie ist anders als mein Beruf: zwischenmenschlich und ohne Hierarchien.

Querbeet, da bin ich nicht so festgelegt. Und oft auch nichts. Wer selbst viel Musik macht, der braucht auch mal einfach: Ruhe.

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