AfD-Mann spricht über Geheimtreffen mit Werte-Union in NRW

Geheimgespräche

Die Führung der CDU ist gegen jede Zusammenarbeit mit der AfD. Nun behauptet ein AfD-Sprecher es gebe in NRW Geheimgespräche mit der CDU-nahen WerteUnion. Das sagt der konservative Verein dazu.

Berlin

16.02.2020, 09:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rüdiger Lucassen (AfD) behauptet, es gäbe in NRW Geheimtreffen zwischen Mitgliedern seiner Partei und Vertretern der CDU.

Rüdiger Lucassen (AfD) behauptet, es gäbe in NRW Geheimtreffen zwischen Mitgliedern seiner Partei und Vertretern der CDU. © Henning Kaiser/dpa

Sie lehnen die Politik von Angela Merkel ab. Und die Mehrheit der CDU-Funktionäre lehnt sie ab: Um die sogenannte Werte-Union drehen sich bei der CDU momentan viele Diskussionen. Nun steht der Verdacht im Raum: Mitglieder des konservativen Vereins mit und ohne CDU-Parteibuch haben in Nordrhein-Westfalen systematisch mit der AfD gemauschelt.

„Erste Gespräche begannen vor circa sechs Monaten“

Rüdiger Lucassen, Sprecher der AfD in NRW, sagte dem „Kölner Stadtanzeiger“(Paywall), Mitglieder seiner Partei träfen sich seit einem halben Jahr mit Mitgliedern der Werte-Union. „Erste Gespräche begannen vor circa sechs Monaten. Seitdem haben sich die Kontakte intensiviert“, so Lucassen.

Es gebe bis zu sieben Treffen oder Telefonate pro Monat, bei den Gesprächspartnern soll es sich um mehrere Mitglieder der Werte-Union sowie Bundestagsabgeordnete der CDU handeln.

Treffen in „lockerer Atmosphäre“

Die Treffen würden in „lockerer Atmosphäre“ stattfinden, erklärte Lucassen weiter. Meist in gemieteten Räumen oder auch im privaten Umfeld. Dabei gehe es sowohl um themenbezogene Gespräche als auch um parteipolitische Erwägungen – „um auszuloten, was künftig möglich ist“.

Dem AfD-Politiker zufolge habe sich der Austausch seit der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, bei der der FDP-Politiker Thomas Kemmerich auch mit Stimmen der AfD gewählt worden war, verstärkt. „Wir sprechen über eine bürgerliche Koalition, die es in Zukunft geben kann“, zitiert die Zeitung den AfD-Sprecher. „Der Wähler wird uns das aufzwingen. Spätestens, wenn Frau Merkel nicht mehr im Amt ist.“

Solche Treffen verstießen eindeutig gegen die Wünsche der bisherigen CDU-Führung um Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel. Aber auch alle denkbaren Nachfolgekandidaten wie Friedrich Merz oder Armin Laschet lehnen jede Kooperation mit der AfD ab.

Die Werte-Union streitet Gespräche ab

Aber stimmt die Behauptung Lucassens überhaupt? Die Werte-Union wies sie jedenfalls zurück. „Beweise, dass solche Gespräche stattgefunden haben, liegen uns nicht vor“, sagte ein Sprecher des Vereins. „Die Werte-Union hat sich seit ihrer Gründung immer wieder gegen Kooperationen oder Koalitionen zwischen den Unionsparteien und der AfD ausgesprochen. Dem ist nichts hinzuzufügen.“

Der Vorsitzende der Werte-Union, Alexander Mitsch, unterstützte diese Linie: „Für uns gibt es keine Zusammenarbeit mit der AfD oder der Linkspartei“, sagte er. Der Bundesvorstand des Vereins würde sich nun aber mit der Sache und mit weiteren Berichten über Kontakte zweier ihrer Landeschefs zu AfD-nahen Vereinigungen beschäftigen, sagte er weiter.

Mitsch selbst hatte kürzlich zugegeben, der AfD im Jahr 2014 und 2016 kleinere Geldbeträge gespendet und mit einem Eintritt in die Partei geliebäugelt zu haben.

RND/cb