Aerosole-Studie: So können Luftreiniger die Coronaviren in geschlossenen Räumen besiegen

Coronavirus

Luftreiniger können beim Kampf gegen Coronaviren helfen. Einer Studie zufolge reduzieren die Geräte den Anteil infektiöser Aerosole in der Raumluft. In welchen Räumen macht der Einsatz Sinn?

von Maximilian Arnhold

, 09.08.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Sänger singt in einem Versuchsaufbau, bei dem Reichweiten von Aerosolen gemessen werden. Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München haben in einer Studie untersucht, ob mobile Luftraumreiniger die Gefahr einer Infektion mit Covid-19 durch Aerosole reduzieren.

Ein Sänger singt in einem Versuchsaufbau, bei dem Reichweiten von Aerosolen gemessen werden. Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München haben in einer Studie untersucht, ob mobile Luftraumreiniger die Gefahr einer Infektion mit Covid-19 durch Aerosole reduzieren. © picture alliance/dpa

Mobile Raumluftreiniger können die Aerosol-Konzentration in geschlossenen Räumen deutlich reduzieren. Das haben Forscher der Bundeswehr-Universität in München herausgefunden. Die winzigen Tröpfchen gelten als Gefahrenquelle für die Ansteckung mit Covid-19, da sie mitunter stundenlang in der Luft hängen bleiben.

Laut Bericht der Uni wurde der Anteil an Aerosolen in einem 80 Quadratmeter großen Testzimmer durch einen Luftreiniger in sechs Minuten halbiert. Damit ließe sich das Ansteckungsrisiko mit Coronaviren durch infektiöse Aerosole erheblich verringern.

Zwar helfen Alltagsmasken, das direkte Infektionsrisiko etwa beim Sprechen oder Singen zu senken. Indirekte Infektionen durch infektiöse Aerosole, die sich mit der Zeit im Raum anreichern, lassen sich durch den Mund-Nasen-Schutz aber nicht verhindern. Professionelle, mobile Luftreiniger schaffen da offenbar Abhilfe.

Mehr als 99,99 Prozent aller Aerosole herausgefiltert

Professor Christian Kähler, einer der drei Autoren der Studie, verspricht sich viel von der technischen Lösung: “Die Aerosolkonzentration in einem Raum lässt sich zwar durch Fensterlüften herausleiten”, sagt der Wissenschaftler im Gepräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Spätestens im Winter sei das aber nicht mehr möglich, ohne Energie zu verschwenden und die Gesundheit der Menschen zu gefährden. Die Untersuchung der Münchner Forscher zeigt nun, dass man die Aerosole alternativ auch über Luftfilterung abscheiden kann.

Für ihre Untersuchung haben die Forscher einen Raumluftreiniger mit einem Volumenstrom von bis zu 1500 Kubikmetern pro Stunde systematisch mit Lasermesstechnik analysiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der verwendete Raumluftreiniger verfügt über eine Filterkombination, die gewährleistet, dass selbst Aerosole mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 Mikrometer zu 99,995 % aus der Raumluft gefiltert werden.

Selbst in einem Flur mit 22 Meter Länge konnte die Aerosolkonzentration in der Raumluft in nur rund fünf Minuten halbiert werden. Für große Räume empfehlen die Wissenschaftler allerdings mehrere Geräte aufzustellen, um den Infektionsschutz zu gewährleisten.

Einsatz in Schule oder Wartezimmer denkbar

Raumluftfilterung könnte etwa eine Lösung für Fitnessstudios oder Wartezimmer sein, wo viele Menschen zusammenkommen und nicht immer gelüftet werden kann. Auch Schulen, Büros und Geschäfte haben die Bundeswehr-Forscher im Blick. “Viele Einrichtungen mit Publikumsverkehr können davon profitieren.”, meint der Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik Kähler.

Für die meisten herkömmlichen Raumluftanlagen sind die Corona-Aerosole mit bis zu einem Mikrometer allerdings zu klein, sie werden nicht herausgefiltert. Professionelle Geräte brauchen dem Experten zufolge aber einen Hepa-Virenfilter mit entsprechender Qualität (mindestens Klasse H13) und einen hohen Volumenstrom abhängig von der Raumgröße, damit die Viren hängen bleiben, “sonst ist das zum Fenster rausgeworfenes Geld”.

Außerdem müsse der Filter regelmäßig auf 100 Grad aufgeheizt werden, um nicht selbst zur Virenschleuder zu werden. Im Internet sind diverse dubiose Anbieter zu finden, die ihre Luftreiniger gezielt mit der Bekämpfung des Coronavirus vermarkten. Die Forscher mahnen zur Vorsicht.

Studienautor rät von privater Verwendung ab

Kähler hält die Verwendung im privaten Rahmen zur Corona-Bekämpfung für Quatsch; die Gefahr, Familienmitglieder oder Partner im direkten Kontakt anzustecken sei viel größer. “Raumluftreiniger können das Infektionsrisiko durch direktes Anhusten oder lange Unterhaltungen nicht verhindern.”

Es bleibe daher auch mit den Anlagen wichtig, auf ausreichende Abstände zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen, betont der Fachmann. Am besten seien partikelfiltrierende Atemschutzmasken, da diese im Gegensatz zur Stoffmaske auch Aerosole herausfiltern.

Macht die Investition für öffentliche Räume wie Büros oder Schulen Sinn?

Für öffentliche Räume wie Büros oder Schulen mache die Investition aber durchaus Sinn. Der Physiker meint: “Wir werden sehen müssen, wie man mit der Pandemie lebt.” Raumluftreiniger könnten dabei helfen, ein Stück Normalität in den Alltag zurückbringen. Für die Zukunft hält der Wissenschaftler große Stücke auf die mobilen Apparate: “Wahrscheinlich wird es zum Standard werden wie eine Heizung.”

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Schließlich hat der beim Versuchsaufbau verwendete Luftreiniger einen entscheidenden Nachteil: Er kostet gut 3000 Euro, Strom- und Wartungskosten nicht mit einberechnet. Kaum denkbar, dass sich das viele Unternehmen in der Krise gleich mehrfach leisten können.

RND