Aerosol-Simulation: Visiere halten Corona-Partikel nicht auf

Coronavirus

Gesichtsvisiere gelten als Alternative zum Tragen einer Maske. Experimente von Wissenschaftlern zeigen jedoch, dass gerade kleinere Partikel beim Sprechen entweichen können.

24.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sind Gesichtsvisiere wirklich als gleichwertiger Ersatz zu Mund-Nasen-Masken zu sehen?

Sind Gesichtsvisiere wirklich als gleichwertiger Ersatz zu Mund-Nasen-Masken zu sehen? © picture alliance/dpa

Sars-CoV-2 wird vorwiegend über Tröpfchen und in der Luft schwebende Aerosole von Mensch zu Mensch übertragen. Um sich vor ihnen zu schützen, trägt inzwischen ein Großteil der Bevölkerung im Alltag medizinische Masken oder einen Mund-Nasen-Schutz aus Stoff. Der Nachteil: Kommunikation wird schwieriger, die Gesichtsmimik des Gesprächspartners bleibt oft ein Geheimnis. Als Alternative sind Faceshields im Umlauf, durchsichtige Visiere aus Kunststoff. Sie sollen beispielsweise im Einzelhandel den Blick ins Gesicht ermöglichen – und trotzdem Schutz vor einer Ansteckung versprechen. Ihr Nutzen steht allerdings im Zweifel.

Japanische Wissenschaftler der Forschungseinrichtung Riken haben konkrete Hinweise darauf gefunden, dass eben diese Visiere weniger schützen als Masken. Eine Simulation des schnellsten Computers der Welt, Fugaku, habe ergeben, dass ein Großteil potenziell infektiöser Kleinstpartikel durch den Spalt zwischen Gesicht und Visier entweichen kann. Das geht aus einem Medienbericht des englischsprachigen „Guardian“ hervor.

Kleinere Tröpfchen gelangen beim Atmen durch Visierspalt

„Nach den Ergebnissen der Simulation zu urteilen, ist die Wirksamkeit von Faceshields bei der Verhinderung der Ausbreitung von Tröpfchen aus dem Mund einer infizierten Person im Vergleich zu Masken leider begrenzt“, sagte der Studienleiter Makoto Tsubokura gegenüber „The Guardian“. Das gelte insbesondere für kleinere Speicheltröpfchen mit weniger als 20 Mikrometern. Zum Verständnis: Ein Mikrometer ist ein Millionstel Meter. Weniger als fünf Mikrometer große Tröpfchen hätten per Faceshield gar nicht gestoppt werden können. Bei 50 Mikrometern war es immerhin die Hälfte.

Zu einem ähnlichen Ergebnis sind Ende Juli auch schon Wissenschaftler der Florida Atlantic University in einer Simulation gekommen. Mittels Lasertechnologie versuchten sie, die Wege kleiner Tröpfchen beim Sprechen nachzuvollziehen. Das Ergebnis: Einige Tröpfchen konnte das Visier zwar abhalten. Aerosole hätten sich aber relativ leicht um das Visier herum und in einem weiten Bereich bewegen können.

Keine Belege für Schutz mit Gesichtsvisieren

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) erachtet den Einsatz von Faceshields im öffentlichen Raum nicht als äquivalente Alternative zu Masken. Während eine Mund-Nasen-Bedeckung die Geschwindigkeit des Atemstroms und den Speichel- und Schleimauswurf reduzieren könnte, fingen Visiere maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auf, erklärt Deutschlands oberste Gesundheitsbehörde auf der eigenen Homepage.

„Die Verwendung von Visieren anstelle von Mund-Nasen-Bedeckung wird derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen.“ Als Alternative könnten Gesichtsschilde lediglich von Menschen mit Atemproblemen genutzt werden.

Verstößt ein Visier gegen die Maskenpflicht?

Ob das Tragen eines Visiers gegen die Maskenpflicht verstößt, wird in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Niedersachsen ist das Visier beispielsweise als „Alltagsmaske“ zulässig, wie die niedersächsische Landesregierung auf der eigenen Homepage erklärt. Dazu geraten werde aber nicht.

In Rheinland-Pfalz gilt das laut eigener Verordnung hingegen nicht für die Allgemeinbevölkerung. Mit einer Ausnahme: Beispielsweise dürfen Verkäufer und Kellner große Visiere tragen, wenn das stundenlange Tragen für die Mitarbeiter nicht verhältnismäßig ist. Visiere würden geduldet, wenn Abstandsregeln eingehalten werden.

Bayern duldet zwar Visiere, macht aber auf den geringen Nutzen aufmerksam. „Visiere sind nicht zur Verhinderung der Virenausbreitung geeignet und erfüllen nicht die Anforderungen des Infektionsschutzes“, heißt es auf der Landeshomepage. „Sie dürfen zwar genutzt werden, sollten aber lediglich ergänzend zur Mund-Nasen-Bedeckung verwendet werden.“

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