Adolf Erbslöh – der vergessene Meister der Farbkraft

Von der Heydt-Museum

Jawlensky, Kandinsky, Marc und ... Erbslöh? Der Maler Adolf Erbslöh förderte einige bekannte Künstler aus der Münchner Szene und trat dabei selbst in den Hintergrund. Das Von der Heydt-Museum Wuppertal rückt den „Avantgardemacher“ in seiner neuen Ausstellung in den Mittelpunkt. Und diesmal sticht er kraftvoll und leuchtend aus der Masse heraus.

WUPPERTAL

, 10.04.2017, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Adolf Erbslöh – der vergessene Meister der Farbkraft

In vielen seiner Bilder, wie hier "Der elterliche Garten" (1912) benutzt Erbslöh kraftvolle Farben.

Dreht man sich etwa in einem der kleineren Ausstellungsräume, blickt man auf die zart, leicht blässlich wirkende „Aktstudie – Weiblicher Akt“ von Franz Marc, fährt mit den Augen über August Mackes eher zurückhaltendes „Nacktes Mädchen mit roter Blume“ – und wird plötzlich von Erbslöh festgehalten. Das „Mädchen mit dem roten Rock“ fesselt den Betrachter in einem intensiven Spiel von Grün, Rot und Blau. „Sein Werk ist voller Kraft“, sagt Museumsdirektor Gerhard Finckh. Adolf Erbslöh behaupte sich gegen Kandinsky und Marc.

Erster Weltkrieg bildet das Kontrastprogramm

Mit Werken wie „Frühling“ beweist der Expressionist, dass er mit seiner ausdrucksstarken Farbgebung auch Landschaften prägnant in Szene setzen kann. Der Einsatz von Komplementärfarben lässt sogar Erbslöhs nächtliche „Straße mit Neubauten“ erstrahlen. Seine Porträts und Stillleben verbinden das Leuchtende mit dem klar Strukturierten zu einer kraftvollen Harmonie.  Das Kontrastprogramm bilden Adolf Erbslöhs Bilder aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. So bietet „Zerschossener Wald“ kein wildes Farbspiel, sondern Kälte und Kargheit – mit nicht weniger intensiver Wirkung. 

„Für die Wuppertaler ist Erbslöh ein Wuppertaler“, sagt Kuratorin Beate Eickhoff. Eines seiner bekanntesten Bilder sei die Wuppertaler Schwebebahn. Doch für die Münchner ist er eben ein Münchner, hat er doch die Künstlerszene der bayrischen Hauptstadt maßgeblich beeinflusst. Mit der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM), die er gemeinsam mit Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin gründete, verhalf er etwa Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter zu internationaler Beachtung.

Mediator einer explosiven Künstlergruppe

Erbslöh fungierte in der NKVM ebenso als Organisator wie Mediator. „Er war immer auf die Gruppe, auf den Ausgleich aus“, erzählt Beate Eickhoff. Denn die Künstlergruppe war ebenso talentiert wie explosiv. So verließen Marc und Kandinsky sie auf intrigante Weise, setzten ihre Ausstellungen und Publikationen unter dem Namen „Der Blaue Reiter“ in eigener Sache fort. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand auch der gleichnamige Almanach. Später schlossen sich ihnen Paul Klee, August Macke und Wassily Jawlensky an.

Die Erbslöh-Schau hätte zeitlich nicht besser platziert werden können. Denn es ist nicht nur sein 70. Todesjahr, sondern auch ein Vierteljahrhundert her, dass eine große Ausstellung zu seinen Ehren 1992 im Von der Heydt-Museum stattfand. Der Termin sei nicht geplant, so Kuratorin Eickhoff. „Es war einfach an der Zeit.“

Von der Heydt Museum, „Adolf Erbslöh – der Avantgardemacher“, 11.4. - 20.8., Turmhof 8, Di-So 11-18 Uhr,Do 11-20 Uhr, Katalog 25 Euro. Wuppertal ist bis 24.4. mit dem Zug nicht erreichbar, Museumsdirektor Finckh hat die Sperrung bereits kritisiert. www.vdh.netgate1.net