„Der Abschied fällt schwer“: Kita-Leiterin Maria Arnschink geht in den Ruhestand

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Nach über 40 Jahren in der Kinderheilstätte geht Maria Arnschink am Dienstag in den Ruhestand. Jahrzehntelang leitete sie die Kindertagesstätte. Dabei trat sie die Stelle nur widerwillig an.

Nordkirchen

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ihr Büro sieht nach Aufbruch aus: Der große Schreibtisch steht auseinandergebaut an der Wand, in einer großen Kiste sind Akten verstaut. Maria Arnschink (63) läuft rastlos durch den Raum, von dem aus sie jahrzehntelang die Heilpädagogische Kindertagesstätte der Kinderheilstätte geleitet hat. Nach über 40 Jahren verlässt sie am Dienstag, 9. Juli, die Kinderheilstätte und geht in den Ruhestand.

„Es ist alles überlagert vom Abschied“, sagt Arnschink. Jeder müsse sie „nochmal kurz sprechen“. Dass sie geht, ist allgegenwärtig, ist Teil jedes Gesprächs, das sie führt und jedes Arbeitsschrittes, den sie gerade macht. Da blieben auch einige Tränen nicht aus, gibt Arnschink zu.

Sie wollte den Kindergarten gar nicht leiten

Dabei war die Vorstellung, ausgerechnet die Kitaleitung zu übernehmen, ursprünglich so gar nicht nach ihrem Geschmack. Und wäre es nach ihren Eltern gegangen, hätte sie mit der Kinderheilstätte überhaupt nichts zu tun gehabt. „Ich sollte eigentlich Kauffrau werden“, sagt Maria Arnschink mit einem Ton der Belustigung in der Stimme. Den Abschluss habe sie damals zwar gemacht, aber die Lehrer hätten ihr früh zu verstehen gegeben, sie solle doch bitte etwas anderes machen. Sie sah das ähnlich.

Arnschink machte ihr Fachabi und ein Praktikum in der Kinderheilstätte. Sie war gerade seit sechs Wochen Praktikantin, als im damaligen Josefshaus ein Feuer ausbrach. Drei Wohngruppen seien damals in der oberen Etage gewesen, in der Arnschink ihr Praktikum absolvierte. „Wir waren nur wenige Mitarbeiter damals“, erinnert sie sich. Plötzlich war die damals 19-Jährige dafür verantwortlich, die behinderten Kinder aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Vier Kinder starben bei dem Feuer.

„Ich sollte nur zwei Wochen bleiben und war in Gedanken auch eigentlich im Wohnheim.“
Maria Arnschink

Maria Arnschink machte trotz des traumatischen Erlebnisses weiter, arbeitete als Aushilfe in der Kinderheilstätte. Sie studierte Sozialpädagogik und wusste, dass sie weiter im Wohnheim der Kinderheilstätte arbeiten wollte. Dann sei aber der damalige Leiter der Kinderheilstätte, Dr. Herbert Marx, auf sie zugekommen und habe sie gebeten, übergangsweise die Leitung der Kindertageseinrichtung zu übernehmen. „Ich sollte nur zwei Wochen bleiben und war in Gedanken auch eigentlich im Wohnheim“, erinnert sich Arnschink. Am 1. März 1983 trat sie die Stelle an. Und blieb.

Ihre Zeit als Kita-Leiterin sei geprägt gewesen von Veränderungen, sagt sie. Neue Gruppen in der Kita selbst, Außenstellen in Dülmen und Datteln gehörten dazu. Ursprünglich sei das heutige Familienzentrum am Sinnesgarten eine Einrichtung nur für Kinder mit Behinderung gewesen.

Viel Unterstützung von Eltern und der Gemeinde

Die große Unterstützung der Eltern und der damaligen Gemeindepolitik habe es ermöglicht, aus der Kita eine integrative Einrichtung zu machen, die auch Kinder ohne Behinderung aufnimmt. 115 Kinder ohne Behinderung und 27 Kinder mit Behinderung besuchen mittlerweile das Familienzentrum am Sinnesgarten und den gerade neu eröffneten Kindergarten am Streichelzoo.

Maria Arnschink hat in den Jahrzehnten gleich mehrere Generationen vieler Nordkirchener Familien kennengelernt. Die Kinder von damals seien jetzt selbst Eltern von Kindern, die die Kita besuchen, so Arnschink.

Keine Weltreisen

„Der Abschied fällt schwer“, gibt sie zu. Ein paar Tage wird sie der Einrichtung noch erhalten bleiben, um die Übergabe an die neue Leitung sauber zu regeln, kündigt sie an. Dann ist Schluss.

Einen Plan für danach? Der scheint gar nicht so wichtig, wenn man Maria Arnschink zuhört. Eine Reise mit ihrem Mann sei zwar schon geplant, „der Typ für Weltreisen bin ich aber nicht“, sagt die 63-Jährige und grinst. Sie wolle den Ruhestand ganz entspannt angehen.

Am Dienstag, 9. Juli, wird Maria Arnschink offiziell verabschiedet. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr im Haus 11 der Kinderheilstätte.

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