Abenteuer vor der Haustür: So sorgen Mikroabenteuer für Abwechslung im Lockdown

Familie und Corona

In Zeiten des Lockdowns scheinen die Möglichkeiten begrenzt, weit kommt man zurzeit nicht. Mikroabenteuer bieten einen neuen Blick auf die gewohnte Umgebung. Mikroabenteurer Christo Foerster gibt Tipps für abwechslungsreiche Erkundungstouren mit der ganzen Familie.

12.04.2021, 18:21 Uhr / Lesedauer: 4 min
In der Natur einfach mal die Schuhe ausziehen, auch das kann ein Mikroabenteuer sein.

In der Natur einfach mal die Schuhe ausziehen, auch das kann ein Mikroabenteuer sein. © Josue Michel/Unsplash

Gastronomie, Kinos, Museen und Zoos sind geschlossen – teilweise wieder. Der zweite Lockdown dauert schon sehr lange und eine der wenigen Freizeitbeschäftigungen, die geblieben sind, ist das Spazierengehen. Auf das aber kaum noch einer Lust hat. Schließlich kann es sehr ermüdend sein, immer wieder die gleiche Strecke abzulaufen. Mikroabenteuer können da eine Lösung sein.

Für die braucht es nicht viel, außer den Willen, das Zuhause zu verlassen und seine eigentlich bekannte Umgebung einmal neu zu erkunden. Unter einem Mikroabenteuer verstehen Abenteurer wie Christo Foester und Alastair Humphrey eine Unternehmung, die draußen passiert, bei der nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden beziehungsweise man mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist und die nicht länger als 72 Stunden dauert. Wird beim Mikroabenteuer übernachtet, passiert das draußen und ohne Zelt. Ziel ist, wie bei einem „großen“ Abenteuer, aus den Alltagsroutinen auszubrechen und einen neuen Blick auf die gewohnte Umgebung zu bekommen.

Der Lockdown ist eine gute Zeit für Mikroabenteuer

„Ein Abenteuer beinhaltet für mich immer, neue Wege zu beschreiten, aus gewohnten Mustern auszubrechen und die Ungewissheit zu akzeptieren, dass man nicht weiß, wie es ausgeht“, sagt Foerster. Er betreibt seit 2017 ein Mikroabenteuer-Projekt und schreibt in seinen Büchern („Raus und machen Mikroabenteuer – Das Motivationsbuch“ und „Raus und machen Mikroabenteuer – Das Praxisbuch“ ) über die Abenteuer vor der Haustür. „Raus und Machen“ das ist auch sein grundsätzliches Motto, sagt Foerster. Die Zeit jetzt im Lockdown, in der nicht viel geht, sei eine gute Zeit, um mit den Abenteuern anzufangen.

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Was dabei das Abenteuer für einen sein kann, ist für jeden anders. „Die Mikroabenteuer sind unterschiedlich, weil die Komfortzonen von jedem unterschiedlich sind. Für mich ist eine Nachtwanderung eher kein Abenteuer, aber für jemanden anderen vielleicht schon“, sagt Foerster. Er selbst hat in diesem Winter mit dem Eisbaden angefangen. Mittlerweile steht dafür sogar eine alte Badewanne im heimischen Garten. Beim Eisbaden ist Foerster ganz in dem Moment. Etwas das Abenteuer für ihn generell leisten: „Bei einem Abenteuer ist man ganz in dem Moment, weil man alles braucht, um sich den Herausforderungen zu stellen.“

Auch wenn es gerade eine gute Zeit sei, um mit den Abenteuern anzufangen, wer den inneren Schweinehund überzeugen will, dem könne es helfen, einen konkreten Termin festzulegen, bei dem gilt: Es geht nach draußen, egal wie das Wetter wird, sagt Foerster. Für den Anfang schlägt er vor, einmal eine Nacht draußen zu verbringen, egal ob man die ganze Nacht wach bleibt und spazieren geht oder auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten übernachtet, alles ist erlaubt. Wem das noch zu kalt ist, der kann sich frühmorgens auf den Weg machen, um den Sonnenaufgang zu beobachten. „Man sieht den Tag beginnen, das ist ein ganz anderer Start in den Tag. Mittlerweile geht die Sonne auch so früh auf, dass man zum Frühstück wieder zurück sein kann“, sagt Foerster.

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Auch für Familien sind Mikroabenteuer geeignet. Sie haben sogar einen Vorteil gegenüber Erwachsenen: „Kinder sind die besten Abenteurer. Eltern sollten nicht ihre Kinder mit aufs Abenteuer nehmen, sondern sich von ihren Kindern mitnehmen lassen“, sagt Foerster. Das kann so aussehen, dass die Eltern entscheiden, dass die Familie eine Nacht draußen verbringt, die Kinder sich aber aussuchen dürfen, wo – oder beim Ausflug draußen gegessen wird und die Kinder entscheiden dürfen, wann und wo gegessen wird. „Wenn Kinder mitentscheiden dürfen, steigt ihre Motivation. Wobei es natürlich aufs Alter ankommt. Für ältere Kinder ist es ja manchmal egal, was die Eltern vorschlagen, das ist dann immer doof“, sagt Foerster.

Diese zehn Mikroabenteuer wecken den Entdeckergeist

Wer bei den Vorschlägen von Christo Foerster noch nicht fündig geworden ist, hier gibt es noch einige Ideen für das Abenteuer vor der Haustür:

  • Wie wäre es zum Beispiel damit, eine Karte der Heimatstadt auszubreiten, eine Tasse oder ein Glas auf die Karte zu stellen mit einem Stift eine Linie darum zu ziehen und dann die entstandene Route zu erkunden?
  • Eine andere Herausforderung: morgens mit dem Sonnenaufgang das Haus verlassen und den ganzen Tag zu Fuß unterwegs sein. Dabei den ganzen Tag nirgendwo einkehren, was zurzeit kein Problem sein sollte und bei Sonnenuntergang mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückkehren.
  • Was ist der höchste Punkt in der Umgebung? Und wie kommt man da hoch? Egal ob Leuchtturm oder Berggipfel, ein Mikroabenteuer kann sein, genau das herauszufinden und es auszuprobieren. Von oben sieht die Heimat dann schon wieder ganz anders aus.
  • Eine Münze entscheidet, wo es lang geht. Und das an jeder Kreuzung neu. Damit ist auch schon das Prinzip dieses Mikroabenteuers erklärt. Beim Spaziergang wird an jeder Kreuzung die Münze geworfen, je nachdem, was oben liegt entscheidet, wie es weitergeht. Je nachdem wie lange man diesem Prinzip folgen will, ist das eine Beschäftigung für eine halbe Stunde oder einen ganzen Tag.
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  • Manchmal muss es keine lange Tour sein, für ein Mikroabenteuer mit Kindern bietet es sich an einen Kletterbaum zu suchen und herauszufinden, wer aus der Familie klettern kann wie ein Äffchen.
  • Ein kleines Lagerfeuer kann natürlich auch ein Mikroabenteuer sein. Besondere Herausforderung: Ein Stockbrot über dem Feuer backen, das nicht innen roh ist. Zwischenziel für Anfänger: ein Stockbrot backen, das außen komplett schwarz und innen immer noch roh ist.
  • Spazieren gehen kann jeder. Im Regen spazieren gehen, will hingegen gelernt sein – und gewollt. Man kann sich aber ziemlich sicher sein, dass man die Stadt so gut wie für sich hat, wenn man im strömenden Regen beziehungsweise je nach Aprillaune im Schneegestöber unterwegs ist.
  • Wenn das Wetter mitspielt, kann das Mittagessen auch einfach mal draußen genossen werden. Alles vorbereiten und dann mit Picknickdecke in den Park, auf den Balkon oder in den Garten.
  • Einfach mal die Schuhe weglassen und barfuß im Wald oder über eine Wiese laufen. Da macht sich jeder Stein und jeder Grashalm ganz anders bemerkbar.
  • Wer in einer größeren Stadt wohnt, kann seinen Heimweg zum Mikroabenteuer machen. Auf dem Weg nach Hause mal in einem Viertel aussteigen, das man noch nicht kennt und dann versuchen, ohne Smartphone zu Fuß nach Hause zu finden. Bevor man völlig verloren geht, sollte das Smartphone natürlich dabei sein und im Notfall konsultiert werden.
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