43 Jahre in der selben Kita: Das hat sich seit Johanna Schäfers erstem Arbeitstag geändert

dzKiTa St. Pankratius

Nach 43 Jahren geht Johanna Schäfer von der Kita St. Pankratius in den Ruhestand. Seit ihrem ersten Tag 1976 hat sich vieles verändert. Doch nicht alles bewertet die Gruppenleiterin positiv.

Südkirchen

, 24.09.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

43 Jahre hab ich geschafft“, sagt Johanna Schäfer stolz. Noch bis Ende September ist sie Gruppenleiterin der Kindertagesstätte St. Pankratius in Südkirchen, dann geht sie in Rente. Ihren Arbeitgeber hat die 63-Jährige dabei nie gewechselt. Und in mehr als vier Jahrzehnten „hat sich sehr viel verändert“ - so zum Beispiel die Rollenverteilung der Eltern und Großeltern.

Angefangen hatte alles im Jahr 1976. Damals hatte Johanna Schäfer ihr praktisches Jahr in Südkirchen begonnen. Im darauffolgenden Jahr hatte sie dann schon die Gruppenleitung übernommen - mit einer Sondergenehmigung, da sie ihr praktisches Jahr noch nicht beendet hatte.

Regelmäßiger Wechsel zwischen Kita in Südkirchen und Capelle

Im Vergleich zu heute war die Arbeit als Gruppenleiterin in ihren ersten Jahren noch ziemlich anders, verrät sie: „Damals hatte man die Kinder mehr bei sich.“ Der Bezug zu den einzelnen Kindern sei stärker gewesen.

Nach der Fusion der Kirchengemeinden Capelle, Nord- und Südkirchen habe sich dann für Johanna Schäfer noch mehr verändert. „Zum Schluss war ich für zwei Einrichtungen zuständig“, sagt sie. „Zwei Tage war ich hier, drei Tage in Capelle.“ Die Folge: „Der intensive Kontakt hat noch mal etwas nachgelassen.“

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Das sei auch ein Grund gewesen, warum sie nun bereits in den Ruhestand geht. „Die intensive Beziehung zu den Kindern hat mir gefehlt“, erklärt Schäfer. Durch den ständigen Wechsel zwischen Südkirchen und Capelle sei das „nicht mehr möglich“ gewesen.

Die Betreuungszeit wurde drei Stunden länger

Doch auch andere Veränderungen hatten große Auswirkungen auf die Arbeit von Johanna Schäfer und ihren Kolleginnen. Zu Beginn ihrer Arbeit seien alle Kinder zwischen vier und fünf Jahren alt gewesen, heute seien die jüngsten ein Jahr und die ältesten sechs Jahre alt. Das hatte zur Folge, dass „die Bedürfnisse der Kinder ganz anders geworden“ sind.

Durch die jüngeren Kita-Kinder gibt es aber auch schon mal Erlebnisse, die es in dieser Form früher nicht gab. „Es gab ein Kind, das hat hier im Kindergarten laufen gelernt“, erinnert sie sich.

Doch nicht nur das Alter der Kinder hat sich verändert, sondern auch die Arbeitszeit der Erzieher. „Die Betreuungszeit war früher nicht so lange wie heute“, erklärt sie. Während die Kinder heute von 7.15 bis 16.15 Uhr betreut werden, gab es früher zwei Zeiten: von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr.

Im Gegensatz zu früher sind heute öfter beide Elternteile arbeiten

„Sicher ist es dadurch anstrengender geworden“, gesteht Schäfer. Und auch die Anforderungen an die Erzieher hätten sich dadurch verändert. Generell habe es „immer wieder Veränderungen“ gegeben. Denn sowohl politische als auch wirtschaftliche Veränderungen „haben sich immer in der Kita wiedergespiegelt“.

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So sei es heute viel häufiger üblich, dass beide Elternteile arbeiten gehen und dadurch „kein Engagement in unserer Einrichtung zeigen können“. Das sei früher noch anders gewesen. Doch das verlange sie auch nicht, da sie die Situation der Eltern nachvollziehen könne.

Mitarbeiter werden durch Personalmangel überbeansprucht

„Die Berufswelt hat sich verändert und dadurch ist die verlängerte Betreuungszeit entstanden.“ Aber dafür gebe es heutzutage mehr Großeltern, die noch aktiv helfen, erzählt die 63-Jährige. „Das, was früher die Eltern waren, sind heute die Großeltern.“

Mit beiden Generationen habe sie aber immer gut zusammenarbeiten können. „Ein großes Dankeschön an alle Eltern und Großeltern für das Vertrauen“, sagt sie. Auch einen Wunsch äußert die bald ausscheidende Gruppenleiterin noch.

Sie hoffe, dass die Politik „erst mal die Personal- und Rahmenhandlungen anpasst und dann erst neue Beschlüsse umsetzt“. Denn es gebe schon länger einen Personalmangel, durch den „die Mitarbeiterinnen, die da sind, überbeansprucht werden“.

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