17 Mal zugestochen: Knapp zehn Jahre Haft für 28-Jährigen

dzGerichtsprozess

Ein Streit zwischen zwei Männern eskaliert. Ein Messer und eine angebrochene Bierflasche sind im Spiel. Am Ende stirbt ein Mann nachdem er mehrere Wochen um sein Leben gekämpft hatte.

Essen

, 23.09.2020, 21:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer tödlichen Messerattacke in Essen ist ein 28-jähriger Mann aus Guinea am Mittwoch zu neun Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte einen Bekannten verfolgt, dann 17 Mal zugestochen – immer in den Rücken.

„Ich kriege keine Luft mehr.“ Das waren die letzten Worte des Opfers. Dann brach der 31-jährige Mann blutüberströmt zusammen. Rund vier Wochen haben die Ärzte um sein Leben gekämpft – allerdings vergeblich. Die Klinge des Messers hatte sich unter anderem fünf Zentimeter tief in die Leber gebohrt.

Angeklagter sprach von Notwehr

„Eine ganz schlimme Tat“, so Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung des Essener Schwurgerichts. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 13 Jahre Haft gefordert.

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Der Angeklagte selbst hatte die Bluttat zwar gestanden, dabei allerdings bis zuletzt von Notwehr gesprochen. Nach seiner Version habe ihn das spätere Opfer mit einer abgebrochenen Bierflasche angegriffen und zu Boden gebracht. Da habe er in Todesangst zugestochen.

„Kein Mensch, der andere umbringt“

„Ich bin kein Mensch, der andere Leute umbringt“, hatte er den Richtern noch kurz vor der Urteilsverkündung gesagt. Wenn er seinen Bekannten hätte töten wollen, hätte er ja noch häufiger zustechen können.

Die Hintergründe der Tat sind unklar. Im Prozess war von Drogengeschäften und gegenseitigen Gewalthandlungen die Rede. Auch der Angeklagte war dabei einmal schwer verletzt worden, hatte zwei Wochen im Krankenhaus gelegen.

Weiterer Mann schwer verletzt

Es war der 16. Dezember 2019, als sich die beiden Männer zufällig begegnet waren. Ein weiterer Mann, der den Angeklagten von der Tat abhalten wollte, war ebenfalls schwer verletzt worden. Er wird seine rechte Hand, die durch die Klinge des Messers verletzt worden ist, wahrscheinlich nie wieder komplett zu einer Faust ballen können.

Nach der Bluttat war der 28-Jährige zunächst rund eine Woche lang untergetaucht, hatte sich dann aber gemeinsam mit Volker Schröder, einem seiner Verteidiger, selbst gestellt. Das Urteil lautet auf Totschlag und auf gefährliche Körperverletzung.

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