15 Millionen Euro sollen Bocholt als Einkaufsstadt retten

dzCorona-Krise

Die Corona-Krise bedroht die Bocholter Innenstadt. Rund 13 Prozent der 300 Ladenlokale stehen bereits leer – also aktuell fast drei Dutzend. „Das ist noch nicht das Ende.“

von Stefan Prinz

Bocholt

, 29.07.2020, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wirtschaftsförderer Ludger Dieckhues befürchtet, dass die Folgen der Pandemie Ende des Jahres zu einem spürbaren Anstieg des Leerstandes führen wird.

Der Grund: „Viele Unternehmen in Handel und Gastronomie haben auch aktuell noch Kurzarbeit“, erklärt der Wirtschaftsförderer. „Die Umsätze sind in vielen Branchen hinter denen der Vorjahre zurück.“ Ende September laufen Corona-Sonderregelungen aus – wie die sogenannten Insolvenzfreistellungsfristen. Das bedeutet, dass bis dahin eigentlich zahlungsunfähige Unternehmen von der Pflicht befreit sind, diese Zahlungsunfähigkeit bekannt zu machen. „Wenn das Weihnachtsgeschäft coronabedingt auch unter Frequenz- und Umsatzproblemen leidet, kann es auch in Bocholt die ein oder andere Geschäftsaufgabe geben“, weiß Dieckhues. „Wir versuchen mit den Werbegemeinschaften und der Stadt dem Handel zu helfen – ab Donnerstag unter anderem mit dem Bocholt-Gutschein.“

Pläne für Umbau der Innenstadt

Allein damit sei die Bocholter Innenstadt als Einkaufscity aber nicht zu retten. Dieckhues fordert deshalb, dass die Pläne zum Umbau der Innenstadt zügig umgesetzt werden. Bereits im September vergangenen Jahres – also deutlich vor Corona-Krise – hatte der Stadtrat angesichts der steigenden Leerstände ein neues Konzept für Bocholts Innenstadt beschlossen: Der Handel soll auf einen kleineren Kernbereich konzentriert werden, in dem die Kunden dann hoffentlich gerne shoppen gehen. In den Randbereichen der Innenstadt, in denen dann kein Handel mehr stattfindet, sollen beispielsweise zusätzliche Wohnungen und Gastronomie angesiedelt werden.

Dieckhues rechnet mit einem Investitionsbedarf von rund 15 Millionen Euro. Davon sollten Straßen und Plätzen umgestaltet werden, ein neues Kundenleitsystem geschaffen und die Innenstadt insgesamt attraktiviert werden. Im Wesentlichen ist dieses Geld durch einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates im September vergangenen Jahres zur Verfügung gestellt worden. Vorgabe war dabei, dass die Umsetzung der Maßnahmen bis zum Jahr 2025 abgeschlossen ist.

Dieses Zeitfenster könnte sich als problematisch erweisen. Informationen unserer Zeitung zufolge deutet es sich bereits an, dass die Stadtverwaltung aufgrund von Personalengpässen und neu hinzugekommen städtischen Problemen wie dem Abriss des Euregio-Gymnasiums und der Sanierung des Rathauses, Schwierigkeiten bei der Umsetzung bekommt. Erst vergangene Woche hatte die Stadtverwaltung eingeräumt, dass die Sanierung der Tiefgerarage unter dem Europlatz wegen fehlender Mitarbeiter nur mit erheblicher Verzögerung umgesetzt werden kann.

Ludger Dieckhues drückt aufs Tempo. Sollten erst einmal 15 Prozent Leerstand in der Innenstadt erreicht sein, dann drohe der gesamten Innenstadt eine Spirale abwärts, befürchte er.

Der Leerstand schmerze ihn, so Dieckhues im Gespräch mit dem BBV. „Denn 2006 waren alle Ladenlokale belegt.“ Er wisse aber auch sehr genau, dass Bocholt mit seiner lebendigen City deutlich besser dastehe als viele andere Städte in Nordrhein-Westfalen.

Ein „Kick“ für die Innenstadt wird von vielen Bocholtern vom Neubau der Stadtsparkasse erwartet, der kurz vor der Fertigstellung steht. Auch der Modedehändler Peek & Cloppenburg wird in dieses Gebäude einziehen. Die Modefirma hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass die neuen Räume der Bocholter Filiale am Neutor Ende September eröffnet werden sollen. Einen festen Eröffnungstermin für die Hauptstelle der Stadtsparkasse gibt es noch nicht.

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