100 Jahre Kino in 100 Minuten

Der Geschichte des deutschen Films soll nicht in Vergessenheit geraten - darum bemühen sich Kritiker Michael Althen und Historiker Hans Helmut Prinzler in der Dokumentation "Auge in Auge".

von Von Sascha Westphal

, 10.07.2008, 16:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine von 250 Szenen in der Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte: Peter Lorre im Film „M“.

Eine von 250 Szenen in der Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte: Peter Lorre im Film „M“.

Gut hundert Jahre deutscher Filmgeschichte lassen sich in gut hundert Minuten kaum erzählen. Folglich haben sich Althen und Prinzler für eine impressionistische Annäherung entschieden:

Jeder hat seine eigene - wenn auch vage - Vorstellung von der Geschichte des deutschen Kinos. Und so geht es den beiden vor allem darum, Erinnerungen beim Publikum zu wecken und das Interesse an alten Filmen zu entfachen.

Blicke von Männern und Frauen

In thematisch ausgerichteten Sequenzen nähern sich beide Fragen nach dem Blick von Männern und dem von Frauen an, rätseln, was typisch deutsch ist und erzählen vom Rauchen oder vom Telefon im Kino. Die Montagen bestechen zwar durch einen nahezu musikalischen Rhythmus, verlieren sich aber am Ende in Beliebigkeit.

Im Zentrum des Films stehen Interviews mit zehn bekannten Filmkünstlern wie Tom Tykwer, Wim Wenders, Doris Dörrie oder Michael Ballhaus, die jeweils einen Film vorstellen, der besonderen Einfluss auf sie hatte.

Tykwers Annäherung an das Unheimliche in Murnaus "Nosferatu" und Wenders' Analyse der "chirurgischen Aspekte" von Fritz Langs "M" sind die Höhepunkte von "Auge in Auge".

Wünsche werden geweckt

Die Präzision, mit der Tykwer und Wenders der Essenz dieser Filme nachspüren, ist vorbildlich und weckt den Wunsch, sie (noch einmal) zu sehen. Im Vergleich dazu wirkt Doris Dörries Hymne auf "Alice in den Städten"erschreckend oberflächlich; und auch Christian Petzolds an sich sehr sympathischer Versuch, Helmut Käutners 1944 entstandene Romanze "Unter den Brücken" als "Desertationsfilm" neu zu definieren, scheitert letztlich an Plakativität. Sascha Westphal