Mirga Gražinyte-Tyla beeindruckt als Dirigentin

Konzerthaus Dortmund

Zwei Frauen, gleich alt. Die eine etwas ruhiger und Geigerin, die andere hat ihrem Namen Gražinyte vor fünf Jahren einen Bindestrich und das Wort litauische Wort Tyla (Ruhe) hinzugefügt. Zu Dirigentin Mirga Gražinyte-Tyla passt das bedingt.

Dortmund

, 20.11.2017, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
 Mirga Gražinyte-Tyla beeindruckt als Dirigentin

Mit viel Temperament dirigierte Mirga Gražinytė-Tyla das City of Birmingham Symphony Orchestra im Konzerthaus Dortmund.Foto: Pascal Amos Rest © Pascal Amos Rest

Am Sonntag gab die 31-jährige Litauerin am Pult des City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) ihr Debüt im Konzerthaus Dortmund. Solistin in Elgars Violinkonzert, das zum ersten Mal im Konzerthaus erklang, war die Norwegerin Vilde Frang, ehemalige Junge Wilde des Konzerthauses. Und im Publikum saß auch der designierte Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech.

Temperamentvolle Dirigentin mit viel Gefühl

Mit 29 Jahren wurde Mirga Gražinyte-Tyla Chefdirigentin des CBSO als Nachfolgerin von Nelsons und Rattle. Eine ausgezeichnete Wahl, denn die zierliche Litauerin ist eine temperamentvolle Dirigentin, die das Orchester mit Energie und Charisma führt, eine hervorragende Körperspannung hat und mit weichen Bewegungen gefühlvoll Übergänge gestaltet. Es macht Spaß, ihr zuzuschauen.

Und es klang auch wunderbar. In Mozarts Zauberflöten-Ouvertüre wartete die Litauerin lauernd wie eine Raubkatze auf Momente, in denen sie Bläser-Akkorde kraftvoll in den Raum stellen konnte, und in Beethovens „Pastorale“ zeigte sie, wie intelligent sie ein Werk strukturieren kann.

Beethoven mit weichen Übergängen

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Wie auf Moos gebettet spielten die Streicher die Szene am Bach. Langsame Tempi forderte Gražinyte-Tyla von ihren Musikern, aber die wirkten spannungsvoll. Da wurde auch klar, warum die Litauerin ihrem Namen „Tyla“ hinzugefügt hat. So viel Ruhe haben wenige Beethoven-Interpretationen.

Rätselhafter war, warum sie die Trompeten durch Barocktrompeten ersetzt hat. Das klang zwar effektvoll, verwunderte bei der weichen Interpretation jedoch.

Ein Traumpaar im Violinkonzert von Elgar

Ein Traumpaar waren Gražinyte-Tyla und Vilde Frang in Elgars Violinkonzert. Und für das Orchester war die Musik des Briten Muttermilch. Eine milde Süße, die nie kitschig klang, gab die Geigerin dem langsamen Satz, der innig, wie ein Gebet, klang. Wie elegant und mit welchem Luxusklang die Norwegerin in den schnellen Sätzen Linien formte, war sensationell. Das CBSO klang unter Mirga Gražinyte-Tyla auch ganz anderes, viel weicher, als früher.

Die Pizzicato-Polka von Strauß als erste Zugabe war ungewöhnlich nach diesem Programm. Die zweite ein Erlebnis: die „Szene der Kraniche“ von Sibelius.

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