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„Das ist unser Land“ macht politisch Stimmung

Im Kino

Was kann das Kino leisten in der Debatte um Politik, Populisten und ihre Parolen? Aufklärerische Dokus sind das eine, ein Spielfilm nahe an der Wirklichkeit steht für den zweiten Weg. Der Belgier Lucas Belvaux hat „Das ist unser Land!“ gedreht, eine Milieustudie aus der französischen Provinz, die fiktiv, aber dicht an der Realität die Methoden rechter Rattenfänger spiegelt.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 24.08.2017 / Lesedauer: 3 min
 „Das ist unser Land“ macht politisch Stimmung

Fahnenschwenken beim Parteitag der Populisten. Die blonde Chefin (Catherine Jacob, Mitte) gibt den Ton an.Foto: Alamode

Da sind eine Partei (der Front National unter anderem Namen) und eine blonde Parteichefin nach dem Vorbild Marine Le Pens, die sich die Politikmüdigkeit der Leute vom Land zunutze macht. „Die Sesselfurzer in Paris haben keine Ahnung, doch wir sind vor Ort und packen die Probleme an!“ Das ist der Tenor, mit dem die Partei von Agnès Dorgelle (Catherine Jacob) in die Wahl zieht.

Volksnah und patriotisch



Mit Rechtsradikalen hat die Organisation scheinbar nichts zu tun, man gibt sich volksnah und patriotisch. Diesen ideologischen Schatten ihres Vaters hat Dorgelle abgestreift, sie will Kandidatin der Mitte sein. Was die Partei braucht, sind Vertrauenspersonen auf ihren Listenplätzen. Menschen wie die Krankenschwester Pauline (wunderbar: Émilie Dequenne), respektiert und geschätzt in der Gemeinde.

Schmeicheleien und Appelle



Ein Arzt (gut: André Dussollier) gewinnt Pauline für die Partei, mit Schmeicheleien und Appellen an ihre Verantwortung für die Stadt. Pauline hat die besten Absichten, doch nun ist sie Teil der Parteimaschine. Die gibt die Linie vor. Paulines Freund? Der geht gar nicht, weil er als Schläger für den alten Dorgelle unterwegs war. Pauline soll sich trennen von ihm, muss sich das Haar blondieren und merkt, dass sie zur Marionette geworden ist, bevormundet von ihren neuen Freunden, geschnitten von den alten.

Aufpasser stehen vor der Tür, ihr Freund wird bedroht. Die Partei, die Partei hat immer Recht? Die Geschichte bemüht keinen Kintopp, sie ist spannend und erhellend in der Art, wie sie einer französischen Kleinstadt den Puls und dem Zeitgeist auf den Zahn fühlt. Sehenswert.