Die Pläne für das ehemalige Kolpinghaus in der Stadtmitte von Bocholt sind derzeit Geheimsache und werden mit den Investoren im Rathaus diskutiert. © Sven Betz
Kolpinghaus Bocholt

Zwei Bocholter kaufen das Kolpinghaus – Immobilie ist 2,3 Millionen Euro wert

Die neuen Eigentümer des ehemaligen Kolpinghauses am Europaplatz sind zwei Bocholter: Nach Informationen des BBV handelt es sich um den 62-jährigen Detlef Siegfried Schultz und um den 41-jährigen Brahim Krasniqi.

Schultz ist gebürtiger Bocholter, hat aber nach eigenen Angaben viele Jahre im Ausland gelebt, darunter in den USA, in Asien und in Luxemburg. Zuletzt war er für den Mobilfunkanbieter Vodafon international tätig. 2018 habe er sich angesichts seines bevorstehenden Ruhestandes entschlossen, in seinen Heimatort Bocholt zurückzukommen. Nun wolle er seiner Heimatstadt „etwas Gutes tun“, berichtete Schulz gestern im Gespräch mit dem Bocholt-Borkener Volksblatt (BBV).

Er selbst bezeichnet sich als „Privatier“. Partner von Schultz beim Kauf des ehemaligen Kolpinghauses ist der Bocholter Unternehmer Brahim Krasniqi. Dieser hat eine entsprechende Anfrage des BBV bisher unbeantwortet gelassen. Krasniqi wurde noch im Dezember als Geschäftsführer des Bocholter Fliesenzentrum aufgelistet. Die entsprechende Internetseite existiert aber zwischenzeitlich nicht mehr.

Die Pläne mit dem Gebäude wollen die Investoren noch nicht verraten

Wie die Pläne der beiden Investoren mit der Immobilie aussehen, will Detlef Siegfried Schultz erst dann verraten, wenn die laufenden Gespräche mit der Stadtverwaltung abgeschlossen seien. Bisherige Engagements der beiden im Bereich Hotellerie- oder Gastronomie sind nicht bekannt.

Auch im Rathaus möchte man derzeit nichts zu den Verhandlungen sagen: „Ein Zwischenstand kann hier im laufenden Verfahren nicht gegeben werden, aber die Stadt ist bemüht, hier einen wirtschaftlichen Betrieb des Kolpinghotels zu ermöglichen“, erklärt Stadtsprecherin Amke Derksen.

Kolpingverein und Gläubigerausschuss haben zugestimmt

Investor Schultz verweist darauf, dass der Kaufvertrag für das ehemalige Kolpinghaus noch nicht rechtsverbindlich sei. Der Kolpingverein und der Gläubigerausschuss des in Finanzschwierigkeiten befindlichen Vereins „Kolpinghaus Bocholt e. V.“ haben dem Vertrag zwar zwischenzeitlich zugestimmt.

Dennoch fehle noch die Zustimmung des Insolvenzverwalters. Er gehe aber davon aus, so Schultz, dass es sich dabei lediglich um eine Formalie handele. Oder anders formuliert: Von der Zustimmung des Insolvenzverwalters gehen die Käufer aus.

Der Kaufpreis der Immobilie beträgt nach Informationen unserer Zeitung 2,3 Millionen Euro. Der Millionen-Kaufpreis wird vom insolventen Verein „Kolpinghaus Bocholt“ dringend benötigt. Denn auf der Immobilie sind Grundschulden in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro eingetragen. Der Verein steht mit dem Verkauf vor einer erfolgreichen Sanierung. Für ihn soll es einen Schuldenschnitt geben.

Kein Vereinszweck mehr nach Verkauf

Der Verein Kolpinghaus werde sich nach Abschluss aller Geschäfte voraussichtlich auflösen, teilte bereits Anfang November dessen Vorsitzender Bernd Tielkes mit. Nach Verkauf des Kolpinghauses bestehe schließlich kein Vereinszweck mehr.

Im vorvergangenen Jahr war der Verein Kolpinghaus in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hatte deshalb im April 2019 beim Amtsgericht Münster einen „Antrag auf Einleitung eines Sanierungsprozesses in Eigenverantwortung“ gestellt. Vertreten wurde er dabei von der Kanzlei Stellmach und Bröckers.

Nach deren Angaben hatte es 2019 unvorhersehbare Umsatzverluste gegeben, weil der Verein nach vielen Jahren sein Jugendwohnheim schließen musste. Der Sanierungsprozess in Eigenverantwortung sei nun dazu genutzt worden, das Vereinsvermögen einer grundlegenden Sanierung zu unterziehen. Der Insolvenzplan sehe eine vollständige Entschuldung des Vereins vor.

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